übersitzen,
V., unr. abl.
1.
›auf etw. / jm. sitzen‹ (allgemein); im Einzelnen pro Beleg unterschiedlich tropisiert; nacheinander: ›jn. beherrschen, gleichsam auf jm. reiten‹; ›jn. dominieren‹ (von einem Besitz als Handlungsgröße gesagt); ›erhöht sitzen‹ (hier aufgrund der Wortbildung
übersitzung
angenommen); vgl. (Präp.) 1 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 2, .
Wortbildungen:
übersitzung
›erhöhter Sitz‹ (des Priesters; symbolisch).

Belegblock:

Fuchs, Murner. Geuchmat
568
(
Basel
1519
):
Wie wol er doch kein pferde was, | Ein wyb jn dennocht übersaß | Vnd reyt jn har vff die geuch matt.
Niewöhner, Teichner
352, 29
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
so nympt der anderr guͤlt war: | hub und wisen, wie ers vindet, | daz man spricht, er sey derchindet, | daz ers gar zu tewer chauff, | und nympt pey der torhait auf, | das ins guͦt hat uͤber sezzen.
Buijssen, Dur. Rat.
122, 14
(
moobd.
,
1384
):
der stuell ist dez uberwinder, und darumb die ubersiczung dez priester die bedewtt vol den sig Christi.
2.
›eine überschaubare Zeit mit etw. verbringen‹ (allgemein); im Einzelnen: ›zu Tisch sitzen‹; ›etw. überschlafen, überdenken‹; ›unerwartet lange im Gefängnis sitzen‹; vgl. (Präp.) 5; 6.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
440, 121
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er [Krist] hat ach mer wart auss gemessen, | da er het uber sessen, | sein abend essen. horend mer.
Jörg, Salat. Reformationschr.
687, 11
(
halem.
,
1534
/
5
):
Da jnen von ettlichen geantwurt sj wettend übersitzen / und jnen zuͤ tagen antwurtt geben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1573
):
ob er aber ubersäß und nicht gericht wurt, so antwordt man im auf die Wolfgrueben dem richter.
3.
›lange verweilen, untätig bleiben; etw. (einen Termin) durch zu lange Untätigkeit versäumen‹; damit ›eine Verbindlichkeit nicht wahrnehmen, gegen gängige Rechtsregeln, darunter gegen die Teilnahme an Sitzungen, Ein- und Vorladungen verstoßen‹; vgl. (Präp.) 5; 6.
Phraseme
(rechtsformelhaft):
wer das übersitzet, der [...]
o. Ä.
Bedeutungsverwandte:
8; vgl. 17, 2, 2.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
frevlich, x tage
)
ü
. (z. B.
ein gut, eine manung, gerichte / stifte
).

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 144, 5
(
nrddt.
,
1396
):
wisset, wo ir nu dese unser manunge obir sitzet, das wir uch truwelos und erelos [...] offenbaren wellen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Frankf.
1560
):
Da uͤbersassend oder liessen anstehen die Freund und Gesipten die Hilff.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1385
):
wa si den zins die nechsten acht tage darnach ze richtenne uberseͣssin.
UB Zug
701, 14, 3
(
halem.
,
1427
):
waͤr das nit tuͦt unn jar und tag úbersitzet, da ist minem herren das guͦt gefallen.
Ebd.
750, 13, 4
(
1431
):
wer des nit tet und das guͦt jar und tag úberseße, da ist minem herren [...] das guͦt gefallen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
welcher gerichtsman, der aigen ruck hat, der ir
[der
tädinge
]
aines fräflich ubersitzt und seinen bhrotpotn dabei nit hat, der ist verfallen dem phleger umb das wandl 4 ß.
Koller, Ref. Siegmunds ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
222, 6
;
743, 26
;
Leisi, Thurg. UB
7, 828, 23
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
284, 8
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. .
4.
›einen bergmännischen Schurf von Neuem sowie an veränderter Stelle beantragen und ausführen‹; vgl. (Präp.) 7.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 4.

Belegblock:

Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 245
(
oobd.
,
1550
):
wo ainer [...] Schurfft, vnd seine schurff seczet [...] vnd nochmalen vbersiczen wolt, der sol es czum andern mol emPhahen.