übermütig,
Adj.
›hochfahrend, hochmütig, übermütig, stolz, selbstbewusst, arrogant‹; charakterisiert eine dem
teufel
1 genehme, da gegen die moralischen und religiösen Normen der Zeit verstoßende, negativ bewertete Charakterhaltung (nach den Belegen: ausschließlich von Männern); diese Haltung wird in Verbindung mit den hierarchischen Sozialverhältnissen der Zeit gesehen, sie offenbart sich in der Entfaltung überlegener Macht und überlegenen Reichtums (z. B. in
kunst
5,
gepränge
1) und äußert sich in Rechtsbrüchen bis hin zu Gewalttaten exzessiver Art; vereinzelt begegnet
übermütig
in tendenziell neutralem Sinne, dann: ›tapfer, wagemutig‹; zu 1; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), 3.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 2, , , , , , , , , (Adj.) 1; 2.
Gegensätze:
1, 2, (Adj.) 1; 2, 5.
Syntagmen:
j. ü. werden / sein, gehen
›sich verhalten‹ /
reden (mit jm.) / toben
;
j. jn. ü. empfangen, sich ü. überwinden, zu
[+ Infinitivsatz];
der übermütige heide / man, das übermütige gepränge / herz / auskünden (der guttaten)
; subst.:
got die übermütigen niedern, der übermütige eine verbannenschaft sein, gedenken
[+ Hauptsatz].

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Superbus Hoffertig stoltz rumrätig hochmuͤtig schwuͤlstig hochhertzig stoltzmuͤtig [...] verwegen vbermuͤtig vffbruͤstig hochprächtig.
Luther, WA (
1525
):
denn eyn mensch ist schwach, wird bald zornig, geytzig, ubermutig und mit andern geprechen beschwert, da mit der teuffel den topff bald zuschlagen hat.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
[Der vbeltheter] blest geñ alle feinde sein, | Thuͦt vbermuͦtig toben.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
das ir milde, suße und guttig | Sollent sin und nit ubermuͦtig.
Karnein, Salm. u. Morolf
22, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
er [Fore] was ein ubermutig heiden | und hette erkant vil der lant.
Eggers, Psalter
35, 14
(
thür.
,
1378
):
du heliz daz demutige volc, vn̄ dy ougen der vbermutigen
[
Luther
1545, Ps. 18, 28:
die hohen augen
]
genederstu.
Gille u. a., M. Beheim
82, 240
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
durch solches willen des geleich | gedaht der uber mutig [...].
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
um 1525
):
40 pawrn, gekauft ain paucken, mit der selben stolzlich, ubermütlich und frevenlich in der stat hin und her gangen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
7, 68
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
was mug fromen pringen den liebhabern diser werlt [...] die uberflußikeit der habe, ir poß begird, das ubermutig gepreng, die uberseczt geitikeit.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
euer Rudolphus, gestern mein Knecht / und heute ein Koͤnig der Teutschen / ist schon so uͤbermuͤtig worden / daß er seinem alten Herrn gebieten darf.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
dú guͦtschinenden menschen, [...], daz sind dú, dú [...] allein mit ir vernunft na schoͤwlicher wise dú ding scharpflich an sehent, und dur von úbermuͤteklich vor unwússenden menschen kunnen reden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ein ieglich vbermúttiger
[nd. Bibel um 1478:
de vermeten is
;
Froschauer
1531:
alle hochmuͤtige vnd stoltze hertze
;
Dietenberger
1534 /
Luther
1545, Spr. 16, 5:
stoltz Hertz
]
ist ein verbannenschafft des herrn.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
wem ist nuͦ sin kunst nütz? niemant den dem tüfel, und wurt hoffertig, übermuͤtig.
vbermuͤtig / auffgeblasen / frech.
Jaspers, St. v. Landskron
84, 11
(
Augsb.
1484
):
so er [...] eins übermuͤtigen oder hochtragenden herczē, odʼ schaͤtzt sich hoͤher. stercker. tugenthafter. weiser. gelerter. verstendiger oder des geleich.
Brandstetter, Wigoleis
201, 4
(
Augsb.
1493
):
Der übermuetig man [...] trybe herren Wigoleysen mit schlagen so langk die ban wz.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
es sey ain besundre straff von Got, der die ubermuettigen, die sich selbs nicht erkennen wellen, nyedert.
Wunderlich, Fierrabr.
6, 7
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
68, 4
;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
43, 1
;
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
;