übermut,
der
;-(e)s/–
.1.
›Übermut, Hochmut, Überheblichkeit, hochfahrendes Wesen, wie es sich aus persönlichen Anlagen (z. B. aus der Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, aus dürstigkeit
, stolz
1) und (häufiger) aus gehobenen sozialen Verhältnissen (aus herheit
2, hohem Stand, hoher Geburt), auch aus der Verführung durch den Teufel ergibt, sich in der Erniedrigung anderer äußert und zu entsprechenden Handlungen führt‹ (dazu 2); vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.); 8, (der
) 4.Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, auch narrative Texte.
Syntagmen:
j. ü. treiben
(z. B. in kleidungen
) / aufheben / hintansetzen, von im
›sich‹ legen, j. jm. ü. erzeigen, der feind jm. ü. ingeisten, got den ü. strafen, reichtum ü. machen
; (der) ü. kein gut tun, der anfang der übel sein, listig geschritten, von unbekantnis sein selbes kommen, dicke niederfallen, sich zersplinsen, jm. vergehen, sich in armut / elend verkeren, jn. zutal reissen
; js. unsin sein ü. sein
; sich des übermutes enthalten
; j. aus ü
. [wie] antworten, jm. durch ü. schaden tun, j. in ü. leben / spotten, undank / ungunst tun, eine rede, unrecht sprechen, die priester in ü. entweihet sein, ein priester nicht von ü. sprechen
(sollen), j. sich in ü. (edel / hoch) aufdrehen, jn. mit ü. empfangen, vor ü. bewaren
; der ü. der schlange, der geistlichen
; der grosse / verborgene ü
.; die geschwulst / stolzigkeit des übermutes
(jeweils gen. explicativus).Wortbildungen:
übermüte
Belegblock:
Din unsin ist din obermut | Daz du dich selben dunkes gut.
Reichthumb macht Ubermuth / Ubermuth bringt Krieg / Krieg macht Armuth.
Darnach trotzt und pocht er die gantze welt fur grossem hohmut und ubermut jnn Gottes trost und spricht: Was kan mir der mensch thun?
vnkustige lefsen dy werden stumm. Dy vnrecht sprechen wedir den rechten in obirmute vn̄ in vnmezsekeit.
Ich [Oliap] erkenne wol dine hoffart und din uber mut
[
vermessenheitLuther
1545, 1. Sam. 17, 28: ],
den du hast in deime herczen. Vbermut kompt auch listig geschritten, | Das sie den Krancken ja vorfuͤrten.
In uber mut und hafart sein sy [priester] gancz entwicht, | schnöd, upig und versorten.
Ein anfanck aller ubel ist die aygene durstikeit und ubermut, und wer sich nicht furcht, ist ein tuͤrrer und ein ubernemer sein selbs.
so sehr mißfaͤllet dem Allerhoͤchsten die Hoffarth / daß er auch drewet allgemeine Landstraffen zuschicken / wenn der Ubermuth in Kleidungen getrieben wird.
kind mins, gib uf den verborgen úbermuͦt diner liplichen edli und falschen trost diner frúnden.
gib uf din herheit und den verborgnen úbermuͦt diner liplichen edli und herheit diner frúnden.
die geistlichen mißbruchen ir friheiten vnd tribent vbermuͦt.
so ist der bös vigint dem menschen ingaisten úbermuͦt, hoffart und ze vil grosmütikait, und mit dem wil er löschen [...] daz göttlich insprechen.
Ich müss under ougen sechen | Hector, der durch über mütt | Allen Krichen schaden tütt.
das sie
[eine
gaub ›Gabe‹]
die gswulst des übermuot | von dem herzen vertreiben tuot. Ebd.
29, 17
: mit hochfart und mit übermuot, | da ist die schön mit behuot.
daz wir uns nämlich sullend erbieten gen dem grozzen übermut, den der küng von Troy den unsern hät erzaigt.
Ubermuͦt strafft Gott / übermuͦt thet nie kain guͦt.
Unsälig ist der mensch [...], welher sich in übermuot höher und edler ufftreiet wann syn geburt und staut begeret.
Übermuot verkert sich offt in armuot und ellende. [...]. Übermuot und hoch fart felt dick nider, so demütikait belybt stan.
Dein sel ist uͤbel awsgericht, | Mensch, daz du lebst in uͤbermüt, | Jn hochfart.
das ain priester von andacht und nicht von ubermuet oder von eitler geistleichait wil sprechen daz gancz ampt der mess.
Der ors dyemuet sich do thett von in ferren – | ettlichs so übermuete ward, | das es sich legtt auf künig, fürsten und herren.
2.
›aus der Haltung von übermut
1 resultierendes, die zeitgenössische Moral und soziale Ordnung störendes Verhalten‹; im Einzelnen: ›gegen die gesellschaftliche Hierarchie und deren sichtbare Zeichen verstoßendes Treiben‹; auch: ›als übermütig beurteilte Unrechttat, grober Unfug‹; ›übermäßiges Trinken‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), (der
) 4; 5.Syntagmen:
ü. anfangen / treiben
(z. B. mit kirchengut
) / tun
(z. B. an einem kinde
) / üben
; ü
. (Subj.) sich erheben, dem gemeinen man ü. geschehen
; der ü. des volkes, wieder das recht / reich
; der grosse ü
.Belegblock:
Da es den bawren geriet, was sie wolten, hilff Gott, wilch eyn trotz, stoltz, rhum, pracht und aller mutwil und ubermut war da.
Ebd.
26
: Eine sunde ist der selbige ubermut, den sie an den leuten uben, die sie uberweldigt haben, und treyben yhre tyranney mit yhnen nach allem mutwillen.
anders inhedde greve Engelbrecht neit also vil overmoitz in dem gestichte moegen driven.
hedden sy yr gelt vnd guyt | Dat sy da mit dreuen oͤuermoit.
so sie werden sat, | Nicht andacht in en entstat, | Sundir haz, zorn, trunkenheit, | Uber mut mit unkuscheit | Uben sie.
Wer übel tut, wil nicht undertan sein und strafung leiden und aufnemen, sunder mit allen dingen übermut treiben.
Minnet got, [...], wan er vordert dy warheit vñ vorgildet vullecliche alle den, dy obermuͦte tvͦn.
mit kirchenguͦt so tribet man übermuͦt und ungefuͦr.
Owe, wie ain grossen úbermuͦt | Man an minem kinde tuͦt.
v. Birken. Erzh. Österreich ;