überklügen,
V.
1.
›jn. / etw. spitzfindig übervorteilen, überlisten‹; vgl. (Präp.) 8; 10; 12, .
Bedeutungsverwandte
(in Auswahl): , 3, 1, 1; 2, ,
2
, .

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Fallere. Betriegen verforteiln geferden einfuͤren teuschen vberkluͤgen bescheissen hintergehen bethoͤren hinterkommen vbers seyl werffen schrencken feinantzen das huͤtlin vffsetzen beruͤcken jns stuͤblin fuͤren mit dem Judenspieß nieder rennen.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz mich din helflicher rat | Nicht gelediget hat, | Sunder ubercluchet, | Daz dir zu maze vuget.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1483
):
Wollt ir all an ainander rügen? | Ich main, ich woll euch all uberclügen.
Thiele, Minner. II,
13, 54
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
unmyn all mynn kann ubercluͤgen, | on allein die mynn | die unns zu gott kan bringen unnd auch fuͤgen.
2.
›etw. aufs Feinste, Zierlichste ausklügeln, ausgestalten‹ (positiv konnotiert); ›etw. besserwisserisch, vernünftelnd, meisterlich übertreffen, in den Schatten stellen‹; vgl. (Präp.) 10, .
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2; 5, , , 1, 2, 1,
1
3; 11, , .
Wortbildungen:
überklügeln
(dies auch negativ konnotiert).

Belegblock:

Luther, WA (
1528
/
9
):
Es komen balde leute daruber die es uberkluͤgeln und meistern, darumb weren dise wort wol wert, das man sie mit guͤlden buchstaben an alle wende schriebe.
Ebd. (
1529
):
auff das ichs
[
s
=
buchlin
]
nicht etwa verderbete und mit meinem uberklugen yhm seine naturliche krafft und safft neme.
Die andern, [...], die aller ding nichts koͤnnen und aber sich duͤncken lassen, das sie alles koͤnnen, duͤrffen dieses meines diensts nichts, on das sie es uber kluͤgeln und uber meistern muͤgen.
Ebd. (
1532
):
das allezeit die Moͤnche des Teuffels pfaffen sind, [...], und Gottes werck uberklugeln und besser machen wollen.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1486
):
Der [pauman] kund wol mit seiner hacken | Zusamen zimmern vier arspacken | Und machet darauß zwen ers | Und nagelt sie zusamen mit eim zers, | Das es sich zusamen fugt, | Wer hat solch kunst ie uberklugt?
Thiele, Minner. II,
14, 18
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
zit, wochen und och die stund, | ön gott das nieman anders kunt | geschicken und gefuͤgen | und dar zuͦ úber kluͤgen | yetlichs besonder uff ein zil.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Mitt vil kunstenlichen liden | Ward daz werk gefügett, | Da mitt überclügett | Ward aller gold varwer schin.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
314
(
schwäb.
,
1455
):
Das süß und ouch das sur, | Als es der meister wil, | Ieglichs bis uff das czil | Als ers zuosamen fuegt, | Mitt listen überkluegt.
Ebd.
682
:
So zögt sich das gelencz, | Das aller wasser sprencz | Erlöset von dem ys, | Der heilig sant Mathis | Der kann es wol gefuegen. | Wer kan den überklügen?