überhand,
1.
›Oberhand, Herrschaft, allgemeine Gültigkeit, Stärke, Macht der Größen, die im meist sozialen, deutlich seltener im natürlich vorgegebenen Zusammenspiel von Werten, Normen, Handlungsmaximen vorherrscht, andere Größen (oft mentaler Art) überragt‹; damit ›objektartig gesehenes, hohes soziokulturelles Gewicht desjenigen, das das Wertesystem der Textgemeinschaft dominiert und als solches der Feststellung sowie der Kritik der Textautoren unterliegt‹; in den Belegen wird auf die überhand
habenden Größen teils neutral, vorzugsweise negativ wertend Bezug genommen (s. die Syntagmen und die Belege); in dem Maße, in dem dies geschieht, mutiert die Nennung der betroffenen Größe zur Handlungsanweisung an die Textrezipienten; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), 6.Syntagmen
(großenteils ansatzweise phrasematisiert): j. (die) ü. (an)gewinnen / bekommen / haben
(z. B. gegen den feind
), das fleisch die ü. haben
; dicht belegt: j. / etw
. (Subj., oft Abstraktgrößen) (die) ü. nemen
, im Einzelnen z. B.: ˹überas und übertrank, der hunger / jamer / krieg / tod / turnei / wein (im kopf), die verräter (im hofe), die bosheit / ehebrecherei / gleichsnerei / ketzerei / liebe / lüge / schande / strafe / sünde / unkeuschheit / zwietracht, das feuer / heil / laster / übel, das lästern / schmähen / tanzen, die milch (in dem grünen)˺ die ü. nemen
(dies Letztere von einer Farbmischung gesagt).Belegblock:
da mit dan dye bruͤderliche frey gemeyne lieb untergaht und die eygennuͤtzige lieb uͤberhandt nympt.
so wird das fleisch nicht uberhandt haben, Denn das funcklin unnd liecht wirdt darwider streben unnd sagen: Nein.
Da die Boßheit nimpt vberhand | Der Muthwill zwinget alle Land.
Da mit er uberhant gewan, | Daz sie zu im sprachen do: | [...].
Nv duncket vns jr habent in uwerm hoiffe verreder die uber hant nement.
Ist ein steyn blaefarb mit weiß glestender gruͤne / als so milch in das gruͤne kommen were / vnd neme überhandt darinnen.
Jn solcher vertrawsamkeit aber nam die Lieb gegen der Cleria bey dem Flavio [...] dermassen vberhandt / daß es jhm auch das Marck in allen seinen Beinen verzehren moͤgen.
Dieweil das schmaͤhen vnd Laͤstern allzu sehr vberhand genommen / vnnd die Christliche Liebe nunmehr fast allerdings erloschen ist.
Daraúß manche ehbrechreÿ vnd ander swere súnden der vnzúcht, an alle schande obÿr hant nehmen.
alleine hait die beschedinheit ubirhant genomen, doch ist un die sele geneigit zu minnine di dinc di Got nicht insint.
der tot nimet, oberhand ober oberaz, ubertrank, unkuscheit, tanzen und turney und ander suͤndliche dinc.
Nach dem im newen testament | Hat gott sein son Christum gesendt, | Hat das heil uberhand-genommen, | Sein gnad die sünd hat uberkommen.
Doch hant wier in dem vber handt | Das wier doch haben ein verstandt | Vnd mit vernunft vns bruchen künnen.
wenn der wyn im kopff überhand genommen vnnd meister worden ist.
also saß offt ain ratt darüber und ermaß hin und wider, daß es überhand hett genommen, daß mans
[
s =
ein garn zu wirken]
also latt würcken. daz dye checzer uber hant | hetten gewunnen uber alle lant.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
148v, 21
; Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 151, 12
; 2.
›militärischer oder (in fiktionalem Kontext) militärisch gedachter Sieg, Übermacht im Kampf‹; auch: ›Verstärkung‹. vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.), 5; 6.Überwiegend narrative Texte.
Syntagmen:
j. die ü. annemen
(z. B. eine nation
) / gewinnen
(z. B. Karl
) / kriegen
(z. B. die Kölschen
) / nemen
(z. B. Sulla
), die mäuse die ü. haben / behalten, j
. (z. B. Laslau
) jm
. (z. B. den Türken
) die ü. lassen
, j
. (z. B. die feinde
) jm. die ü. nemen
.Belegblock:
ind alda cregen de Coelschen overhant ind zwei baner.
daß zu beyden theilen viel Roͤmer Todt blieben / vnnd Sylla nam vberhandt.
Hor, Laslau, du vil junger, | lestu dem turken uberhant, | er storet alle deine lant.
3.
›Obrigkeit als verfassungsrechtliche Gegebenheit; Gesamtheit herrschaftlicher Befugnisse und Rechte; rechtmäßig ausgeübte Herrschaft der Obrigkeit; Regierung‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.) 8, 6; 7.Wortbildungen:
überhändigen
Belegblock:
Euch wollen wir helffen bleiben, wie jhr seid, Dazu raten, das jhr uberhand habt und drein sehet, das recht zu gehe.
Hic excludimus personas, quibus ira commissa, ut bene discernantur duo regna, uberhand et stand subditorum.
Die ouch iren aigen herren | Mitt dienste sich wolten verren, | Die werden billichen geschantt, | Gewintt der herre über hand.
Wann die Gerechten überhand haben
[Zeile 8:
regieren]
/ so gehts sehr fein zuͦ. Luther, WA .