überhang,
der
;
–/-e
+ Uml.
1.
›die Grundlinien des Hauses nach außen oder oben überragender Bauteil unterschiedlicher Art, Erker, Vorbau, Überbau‹; vgl. (Präp.) 2; 3, 1.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 2, 1, ; vgl. 1; 2.
Syntagmen:
einen ü. machen (über die almende), mit balken unterziehen
;
der alte / niedere / übermässige / weite ü
.;
der bau mit überhängen
.

Belegblock:

Wiese, UB Wetzlar (
hess.
,
1325
):
van der murin des gibelis der Daelheimerin husis, van nidin an bis obin us, also der nidirste ubirhanc steit.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 250, 10
(
hess.
,
1593
):
Damit auch inskunfftig die alte ubermeßige uberhenge [...] in abgang gerathen, dagegen aber die statt mit neuwen gebew formlich gezieret werde, so wöllen wir hinfurter keinen uberhang in einem newen baw.
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
(
Nürnb.
1482
):
Vberhang windfangk od’ vberschuß an einẽ hause.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
donoch verbot man, daz nieman keinen uberhang me machen sol uber die almende.
Schmidt, a. a. O.
2, 232, 22
;
24
;
2.
›über die Grundstücksgrenze hinausreichender Teil der Äste von Obstbäumen‹; als Metonymie: ›Obst, das von solchen Bäumen auf das Nachbargrundstück fällt‹; vgl. (Präp.) 2; 3, 1.
Bedeutungsverwandte
(zur Metonymie): vgl. 2,
1
.

Belegblock:

Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1576
):
Welcher [...] böhm hette, deren stämm uff seinem grund und boden stünden und ein überhang uff die gemeind hetten, denselben sollen die heimbürgen solchen überhang [...] zue kaufen geben.
Ebd. (
1594
):
Wa usser einem bomgarten sich ein überhang von obs uff die allmaind begibt und fallet, soll derselbig [...].
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1637
, Hs.
E. 17. Jh.
):
Von den paumbfrüchten, [...], so gepfelzt sein und auf ains grund stehen, aber mit dem iberhamb sich auf ains anderen grund naig, solle der, welcher den iberhang hat, die 2 thail zu dem stamen legen, den 3ten thail aber mag er behalten.
3.
ein zu
kirchengeräten
gerechnetes, von seiner Unterlage herabhängendes Tuch; vgl. (Präp.) 2; 3, 1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
406, 9
(
preuß.
,
1436
):
Kirchengerethe: item 4 volkomen ornaten, 1 fastenkasil, 2 rocke, 2 korkappen, 2 obirhenge obir das pulbt, 2 tepte, 2 korrockil.
4.
›Macht, Oberhand‹ (als jeweils geschehens- oder handlungsbestimmende Größe); semantisch deutliche Überlagerung mit
überhand
1, auch hinsichtlich der Syntagmen.
Syntagmen:
freundschaft / geiz / has / krankheit / (un)recht ü. nemen, der siechtag ü. haben
(jeweils ansatzweise phrasematisiert).

Belegblock:

Menge, Laufenb. Reg.
5929
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
So werkett ettlicher alle tage So stäte / das kein siechtag mag An yme yoch úberhang han.
Lemmer, Brant. Narrensch.
38, 12
(
Basel
1494
):
Dann artzeny muͤß würcken langk | Wann kranckheyt vast nymbt vberhanck.
Ebd.
66, 105
:
Dye boͤß gwonheyten waͤrent lang | Was vnrecht ist nymbt Vberhang.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .