überbein,
das
;
-s/
auch
–Ø
.
– Obd.
1.
›Überbein, Geschwulst, beulen-, kropfartige Wucherung auf der Haut, speziell im Bereich der Gelenke (von Pferden); Höcker auf dem Schnabel der Vögel‹; vgl. (Präp.) 1,
1
9.
Oft fachliche Texte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 1; 3, ,
1
1, , , .
Syntagmen:
ein ros ein ü. haben, ein pflaster
(Subj.)
das ü. vertreiben
;
ein ü
. (Subj.)
wachsen
(z. B.
dem ros
),
vergehen, ausgewelbt sein, an einem pferd liegen, aus der mutter überbeine wachsen
;
ein ei auf das ü. binden
;
das gekrümte ü
.

Belegblock:

Eis, Albrants Roßarzneib.
114, 13
(
schles.
,
2. H. 14. Jh.
):
Welch ros eyn oͤbir beyn hot, so [...].
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Über bain noch kain galle lag | An dem pfertt runzitt.
Sudhoff, Paracelsus (
1526
/
7
):
also sind auch vil ubergewechs und der gleichen, die wir irer vile halben nicht melden, als kröpf, drüsen, uberbein ec.
Ebd. (
1531
/
5
):
so könen sie es in der mutter auch machen, daraus kröpf und anders wachsen, drüsen und uberbein.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Vberbein / hŭgel und beinen an den augenlieden / eminentiæ, excrescentiæ agnatæ.
Weitz, Albich v. Prag
155, 18
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
das pflaster vertreibt auch das pain gewaͤchs vnd vber pain.
Deinhardt, Ross Artzney
341
(
oobd.
,
1598
):
Für das vberbain Nimb ain ayr, wol haiß gepraten vnnd auf dz yberbain mit ainem wullen thuech gebunden. [...] so vergeet das uberbein.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
180
(
oobd.
,
1607
/
11
):
fast den erst nechstbeschribnen phoenixkopffen und schnäbeln gleich, allein das oberhorn oder überbain ist nidergedruckht brait außgewelbt.
Rohland, Schäden
550
;
Bauer u. a., a. a. O.
177
;
2.
›jm. zustoßendes Unglück, ärgerliches missliebiges Widerfahrnis, Unfall, schwere Last‹; extensional bezogen sowohl auf unspezifisch angedeutete missliche Geschicke wie auf spezifisch angegebene Bezugsgrößen (wie schadhafte Handelswaren, den Verfall des sozialen Wertesystems) und pathologisierend auf Bezugspersonen (wie die Bauern, Juden, Hussiten); dies als kühne Ütr. zu 1 auffassbar.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
3.
Syntagmen:
jm. ein ü. überbinden
(z. B.
im heiraten
),
eine stat ein ü
. ›Übermaß‹ (z. B.
der Juden schar
)
haben
;
j
. (z. B.
weiber, ein man
)
js
. (z. B. der
geistlichen, aller
)
ü
. ›Auswuchs‹
sein
;
jm
. (auch: einem
ros
)
ein ü
. (Subj.)
schiessen / wachsen / zukommen
;
des überbeins abkommen
;
das geistliche / schwere ü
.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1557
):
Bald nam sich des die freundschafft an, | Das sie abkemen des uber-beins.
Lemmer, Brant. Narrensch.
102, 84
(
Basel
1494
):
Keyn kouffmanschatz stat jnn sym werdt | Jeder mit falsch vertriben bgert | Das er syns kroms moͤg kumē ab | Ob es Gall / vberbeyn / joch hab.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
So schüst im
[dem
rosz
]
bald ain überbain
(bei Überlastung).
Wiessner, Wittenw. Ring
6947
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
cher viel endlich wider haim, | Ald dir wächst ein überpain.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Ire weiber sind mit vech beschnitten, | [...] | Den adel tautzen sy gemain, | Vnd sind gaistlicher über pain; | Es möcht In pringen laide.
so spoten mein die chind, | Auch achten mein die friund gar clain, | Ich bin ir aller überpain. | Ich bin ain verschmächter man.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1541
):
Gleichfalls hat auch Augspurg, die statt, | Zwei schwere überbein gehabt: | Das erst, das war der juden schaar.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie manchem gueten gesellen auch ein überbain in seinem heiraten überbunden.
Weislich ist es aber gehandlet, welcher, da im gleich was überbain zukompt und das nit mer endern kan, sein schmerzen verdrucken kan.
Ich waiss ein andern, dem ist dergleichen ein überbain überbunden worden, aber dermasen verquantet und verstrichen, das [...].