übeltätig,
Adj.;
vereinzelt
übeltätisch
.
charakterisiert eine (soweit beurteilbar, stets männliche) Person, die nach dem Urteil der Zeit charakterlich böse ist, sich gotteslästerlich, ohne religiöse Rückbindung, sündhaft, verbrecherisch, gewalttätig, mordend, raubend, notzüchtigend verhält, Aufruhr inszeniert, andere schädigt, in ihrer gesamten Gesinnung, Haltung und Handlung außerhalb der natürlichen, religiösen und moralischen Ordnung steht, damit straffällig geworden ist und weltlichem Recht unterliegt;
vgl. 1; 2.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘ sowie rechtsbezügliche Texte.
Syntagmen:
der übeltätige bösewicht / knecht / leie / ˹man / mensch˺
(mehrfach),
die übeltätige diet / person
; subst.:
den übeltätigen rädern / brennen / zerreiben
;
die übeltätigen
(Subj.)
jm. zu seiten hangen
;
der heimliche übeltätige
;
die erschreckung der übeltätigen
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Improbus. Vnfrumm vntugentsam vnerbar tugendloß vngerecht lasterhafft lästerlich suͤndhafftig boͤß boͤßhafftig vbelthetig verrucht boͤßthätig schalckhafft schelmig boͤßfärig.
Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
1, 28
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
und er wirt di obiltetigen
[
Mentel
1466:
die maintetigen
;
Wormser Proph.
1527:
schelmen
;
Eck
1537:
die laͤsterlichen
;
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Luther
1545:
Vbertretter
]
und di sunder gliche zuriben.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz eine volk heizet Gog, | Daz ander heizet Magog | Und ist ein ubeltetic diet, | Wen iz enweiz von Gote niet.
Kollnig, Weist. Schriesh.
295, 2
(
rhfrk.
,
1430
):
erwuste jmans, were der wer, einen ubeltedigen, schadbarn man ine der zente, so sol man denselben [...] zu stunt unserm gnedigen heren in sin sloß antwurten.
Köbler, Ref. Wormbs
355, 9
(
Worms
1499
):
die vbeltetige menschen enthalten. verbergen. oder verlaugenen vnd [...] nit melden oder anzeigen die soͤllen schuldig syn der Pene die der vbelteter verwürckt hat.
Ders., Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
es sol aber zuͦ vnser erkantnuß stan / weñ die kind übeltaͤttig oder vngepürlich zeachten syent.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Die ubeltediger soln dir [konigk der Judden] hangen zu beiten sijten.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
102, 18
(
nobd.
,
1382
):
daruͤmb, daz er von Got uͤbel geredt hat und ein ubeltetig kneht ist.
Voc. Teut.-Lat.
ii vr
(
Nürnb.
1482
):
Ubeltetiger. maleficus. od’ zaubrer.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Auch zwen übelthätisch bößwicht | Wurden auch da mit im gericht.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel Var. (
Straßb.
1466
):
Wann waz ist mailtetiger
[Var. 1475
2
–1518:
úbeltaͤtiger
;
Eck
1537, Sir. 10, 9:
ergers
]
den der arg.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
da ein Tiran einem Tirannen, einem Kuͤnig ein nuͤwe Martir erdacht het, die uͤbelthetigen Menschen zuͦ foltern und zuͦ peinigen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1571
):
wann man ein übelthätigen möntschen abthuͦn wirt, uff der waltstatt.
Wyss, Luz. Ostersp.
7378
(
Luzern
1545
):
welchen ich küss, den gryffend an. | derselb ist der v̈belthättig man.
Sappler, H. Kaufringer
3, 150
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das ich in meiner pfarre han | gar ain übeltätigen man, | dem gottes dienst ist gar unwert. | got und die welt er lützel ert.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei der äuln verstê wir all pœs übeltætig läut, sam diep, schâcher, êprecher, die hazzent daz lieht der wârhait.
der pischof schol alleu vergiftigeu tier in seinem pistuom, daz sint ketzer, wuochrær und alle übeltætige laien und pfaffen, vertreiben mit seinem geschrai.
des widhopfen herz ist den zaubrærn gar nütz und den haimleichen übeltætigern.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
46, 21
(
tir.
,
1464
):
Warum pistu das leiden, das tu dich souil pist diemüetigen herab zu chömen von dem himel zu dem v̈beltetigen menschen vnd offen sünder?
Quint, Eckharts Trakt. ;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 4;
Brinkmann, Bad. Weist. ;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
Welti, Stadtr. Bern :
Rennefahrt, Recht Laupen ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Bastian u. a., Regensb. UB
100, 21
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
167, 44
;
168, 7
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Öst. Wb.
4, 927
.