sünen,
V.
1.
›sich mit jm. versöhnen, aussöhnen, vertragen; sich vertraglich mit jm. vergleichen; (Streitende) miteinander versöhnen‹; mit Akk.obj. d. S.: ›einen Konflikt schlichten, durch einen Vertrag beenden‹;
zu 1.
Gehäuft berichtende sowie Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
j. jn., den has / krieg / neid s., jn. mit jm
. (z. B.
mit dem könig / landgreben
),
mit dem rat s., sich in jn., mit jm
. (z. B.
mit den feinden, mit den kölnern
)
s
. (z. B.
gütlich / lieblich
),
die fürsten mit dem rate gesünt sein
.
Wortbildungen:
sunde
1 ›friedliches Verhältnis (zwischen vorher im Streit Befindlichen)‹ (Suffix
-de
hier als deverbativ aufgefasst; dazu bdv.: ),
sunmonat
(s. u.
Alberus
).

Belegblock:

Luther, WA (
1529
/
30
):
von den wercken und wundern, die dein son thut gegen die seelen, [...], [er] kan die betrubten trosten, rat geben, boͤse sachen schlichten, jrrige gewissen entrichten, fride helffen halten, suͤnen, vertragen.
Ebd. (
1535
):
Wenn jr [...], jn [mennern] wichet und gehorchet oder mit freundlichen worten suͤnet, so bliebt jr wol ungeschlagen.
Wyss, Limb. Chron. U (
mfrk.
,
1393
):
unde mogent dẏ vurgenante unse burgere sich zuͦ iren willen frẏden unde sonen mẏt iren vigenden.
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
dat geschach alda vnd ward gesoynt vnd geslicht.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
moicht ich is bliven in allen eren, | ich soinde mich mit den Colneren.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
zulest handleten sin gesellen tuschen uns, das er mir friden zusagt und soinde.
Alberus (
Frankf.
1540
):
Februarius [...], der hornung / est in tutela Neptuni, apud gentes piaculares erat, monat der reynigung / ein suͦnmonat.
Schmidt, UB Halberst. (
omd.
,
1403
/
05
):
des kriges solde uns unser herre von Halb. bilegin und sich hinder uns nicht abefriden sunen richten noch tedinge uffnemen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
19, 25
(
schles.
,
1330
):
gelobe w
s
, daz w
s
vns mit vnsin vindin nicht sunin sullin.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
wann unser herren die fürsten mit unsern herren vom rate auch anderen steten auf rechtlichen austrag für [...] den römischen küng gütlich gericht und gesönet sein.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
wann sie schon yetz mit aim rat gesont und gericht wern, so wurd in doch solichs von aim rat nit vergessen.
Unger, Richtes Stig (o. O.
1474
):
er globt mir ein gewer, do ich mit im sunte vor euch.
Adrian, Saelden Hort
2044
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
der kayser nach in baiden | sant und jach: ‚min hertze gert, | sit dis schier ist ain jar gewert, | daz ich ú samet suͦne‘.
Ebd.
7795
:
du súenest mich, so kum ich nit | an mines bruͦders angesiht.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do der künig von Behemen sach, daz er künig Ruͦdolf nüt moht widerston, do enpfinge er sine lehen von im und suͦnde sich mit ime und gab alle vesten [...], in kunig Rudolfs hant.
Dierauer, Chron. Zürich
30, 8
(
halem.
,
1415
/
20
):
Also kam der kúng von Behem und suͦnde sich in kúng Ruͦdolf und enpfieng sin lehen von im.
soͤhnen / Vertragen / Vereinigen.
Wyss, a. a. O. ; ; ;
Unger, a. a. O. ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
2.
›jm. eine Sühneleistung, Buße erbringen‹ (vom Leistenden aus gesehen); ›jm. etw. als Buße / Lohn zufallen‹ (vom Empfangenden aus gesehen);
vgl. 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 3, 5, 9, 7.
Wortbildungen:
sunde
2.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
192, 29
(
preuß.
,
1420
):
39 m. dynstgelt minus 1 fird., item sunde 105 m.
Ebd.
194, 10
:
30 m. dynstgelt item 54 m. sunde.
Thiele, Minner. II,
32, 600
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
syn lyden das wert sicher guet, | of hi mit stedem moede mynt. | hem wert der loen des hi gesynt, | want syn lief wert hem vereint.
Ebd.
612
:
weir sich lief intjegen lief vergist, | das soenen ich mit myner list | und stoken dat si werden me | sich mynnen dan si daden e.
Ebd.
619
:
als herden lieflich dat gesoint, | und wat vreuden si dan roint, | des enwes kein hertze niet.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 321
(
rhfrk.
,
1357
):
und hat der scheffin gedeilet, daz Heincze Koch sal sonen mim herren 10 phunt und ydem ratman 1 lb.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di loͤst daz hochgeparne plŭt | Mit suͤnen und mit guter pet.
3.
›jn. (einen als Sünder Verstandenen) mit Gott, Gottes Zorn versöhnen‹; von Jesus Christus aufgrund seines Kreuzestodes sowie der Gottesmutter Maria aufgrund der ihr zugeschriebenen Heilsfunktionen als Handelnden gesagt;
zu 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Denn ob wyr gleych widderumb fallen und sundigen, so sind wyr doch gewis, das Christus blut nicht fellet noch sundiget, sondern bleybt fur Gott feste und suͤnet ymer und ewiglich, das wyr drunter ymer widder zur gnade komen on unser werck.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
darumb wart mer
[dem
Salvator
]
der doit erkorn, | das ich solde sonen myns vatter zorn.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
luͦg, wie dú muͦter der erbarmherzikeit dú oͮgen, [...] hat so milteklich gekeret gegen dir [...], und wie gewaltklich si schirmt und sünet ir geminten kinde.
Din [reinú vroͮw] trutlichs kússen siner wunden si mir gegen im ein liepliches súnen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Basel
1497
):
Jesus ware hostia, | suen vns der maiestat, | sacramentlich gratia, | heil vns in sorgen stat.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 50
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
süen, trawt vrawe, ker dein kindt | gein den, die da gelawbig sint, | treib die sünden weite.