rübe,
die
;
–/-n
;
große Formenvielfalt, z. B.
rabe,
räf,
riebe,
die
;
–/-n
+ Uml.
1.
›Gemüsepflanze, Futterpflanze mit dicker, runder, spitz zulaufender, fleischiger Wurzel‹; meist: ›Brassica rapa, Rübenkohl‹; auch: ›Brassica napus, Repskohl‹; ›Beta vulgaris, Runkelrübe‹; selten speziell: ›Daucus carota, Möhre‹; ›Bryonia, Zaunrübe‹.
Zur Sache:
Marzell
1, 636
ff.; 657ff.; 683f.; 2, 52f.; 5, 464; 589.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 3, ,
1
, 2, , .
Syntagmen:
rüben bauen / pflanzen / säen / ziehen
;
rüben
(Subj.)
aus irem eigenen samen werden, in dem feld wachsen
;
jn. in rüben zu schaden ergreifen
;
rüben im satfeld
;
die lange / wilde / zame r., gelbe / rote / welsche rüben
;
das kraut von rüben
.
Wortbildungen
(im Bw sowohl
rüb(e)-
als auch
rüben-
belegt):

˹
rübeland
,
rübenacker
˺ ›Ackerland, auf dem Rüben angebaut werden‹,
rübherbst
›Jahreszeit der Rübenernte‹.

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh.
308, 13
(
rhfrk.
,
1557
):
die zehend ruth an rüebeneckern wirdt im kleinen zehenden geben und vom dorf hinauß gemeßen.
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
147
(o. O.
1558
):
Also die fraw irer geytzigkeyt betrogen ward, und dem pfarrer biß in rübherbst die red verhielt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
130, 34
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Rüben werden aus ihrem eigenen samen.
Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
das kraut von gelben rüben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Rübleland (das) Platz oder ort da man ruͤben saͤyet.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1552
):
sonder so ainer [bawmann] kraut oder rüeben in ainem theilwingart zeucht, würdt er nach vermög der herbstordnung gestraft.
Eis, Gesundheitsl.
144, 15
(
oobd.
,
1520
/
30
):
Von den Rüben. Die seyn czweyerley, wilde vnd die yn dem gebawten felde wachsen.
Staub, Qu. Wien (
moobd.
,
1490
):
welcher oder welche jemands [...] im feld in rieben, kraut oder erbissen zu schaden funden und ergriffen werden, der oder die sollen jedes 5 ß h straf verwürkt haben.
Ermisch u. a., a. a. O.
130, 8
;
Schmitt, Ordo rerum
387, 4
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 236
.
Vgl. ferner s. v. , , , .
2.
›dicke, runde, spitz zulaufende, fleischige Wurzel der Gattung Brassica als Nahrungs- und Futtermittel‹; totum pro parte auch: ›Nahrung‹; häufig im Orientierungsfeld mit anderen Gemüsesorten und einfachen Speisen wie , , , 2, , (
das
) 2,
pfebe, retich, weiskraut
; gelegentlich als Arznei, Badezusatz u. dgl. gebraucht; in Rechts- und Wirtschaftstexten meist unter abgaberechtlichen sowie ernte- und handelsbezogenen Aspekten behandelt; Metonymie zu 1.
Phraseme:
beschorene rübe
›geschorener Kopf‹ (als pars pro toto für ›Mönch‹);
eidschweren
(Subj.)
sanfter sein als rüben graben
(sprichwörtlich).
Bedeutungsverwandte:
, , , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
rüben abschneiden / (aus)graben / ausziehen / einbringen / essen / herausraufen / kochen / stelen / umfüren, gerne fressen, feil rufen, in einen keller einschütten, in den zehenten zälen
;
die r
. (Subj.)
blähen, an der art feucht / kalt sein, die rüben teuer sein
;
js. antliz als eine r. sein
;
bilder aus rüben schnitzen, jn. in rüben sieden, sich mit rüben behelfen, der zusaz (von den bädern) von rüben sein
;
rüben für die haushaltung, mit butter
;
eine verdorte r., braune / ganze / gedörte / gekochte / geschälte / geschnittene / kleine / kurze / weisse rüben
;
x scheffel / tonnen rüben
;
ein napf vol rüben, balneum von rüben
.
Wortbildungen
(im Bw der Zusammensetzungen sowohl
rüb-
als auch
rüben-
belegt):

reps
eine Ölpflanze, Gemüsepflanze der Gattung Brassica (dazu bdv. bzw. Orientierungsfeld: , ; vgl. ),
rübenhechel
›Küchengerät zum Hobeln von Rüben‹,
˹
rübenkräuticht
,
rübgras
,
rübkraut
˺ ›die Blätter einer Rübe‹,
rübenöl
,
rübensaft
›Saft aus den Blättern einer Rübe‹ (15. Jh.),
rübensak
,
rübenschale
,
rübenzehent
,
rübgräbel
›Stichel zum Ausgraben von Rüben‹,
rübkuchen
,
rübnoppe
›Rübe‹ (Gw aus lat.
napus
›Rübe‹; vgl. ),
˹
rübscharbe
,
rübscherre
˺ ›Krauthobel, Krauthacke für Rüben‹,
rübschniz
›Schalenstück einer Rübe‹,
rübwasser
.

Belegblock:

Blümcke, Hans. Gesandtsch. (
nrddt.
,
1603
/
05
):
Vor Reps 1 Den.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
138, 34
(
preuß.
,
1432
):
44 tonnen baischsalcz, rubenole von 6 scheffel.
Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
411, 5
(
rib.
/
westf.
,
1590
):
1000 ruebkoecken 20 st., buten dubbelt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
18, 29
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Sonderlich auch das kraut und rübenkreuticht im herbst an treuge ende dünne aufgeschüttet, das es nicht vorfaule, mit rath furs vieh von tag zu tage vorfüttert.
Skála, Egerer Urgichtenb.
218, 3
(
nwböhm.
,
1577
):
Sein Mutter hab In Zu Ruben stelen geZogen.
Euling, Kl. mhd. Erz. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
Vil leut Got nach lauffen mit red und gewesch | als ein gans nach jrem genesch, | nach dem wagen umb ein rubschnicz.
Weitz, Albich v. Prag
170, 25
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
in allen dingen der werld, so habt lieb jung ding, new vnd frischz, ez sey an huͤnern, [...], an weibern ader an crewten ader an ruben.
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Rubgras oder rubkraut. rabaculus.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Weyl die alten gesaget haben, | Sänfftr sey eyd-schwern, denn ruben graben. | Kein eyd-schwern sol mir sein zu schwer.
Ebd. (
1562
):
Der vor nit wolt die ruben essen, | Muß endtlich den rubgräbel fressen | Und leiden mancherley ungmachs.
Eis u. a., Asanger Aderl.
3, 28
(
sböhm.
,
1531
):
Gurglwasser machen. Recipe ruebn schal, sawber geschelt [...] vnd las dj wol siedn.
Thiele, Minner. II,
18, 270
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
es ist nit guͦt rieben graben mit kappen zippfeln
[›Mönchskutte‹],
als man sait
(hier doppeldeutig als sexuelle Metapher).
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 17, 22
(
Straßb.
um 1514
):
Ein Korb mit ruͤb noppen sint gesotten | Sie wend wir dan yn den kumpost legen.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
[Wie man] die beschornen buͦben | Sieden solt in braunen ruͦben.
Das wort schmutzkolb | vnd hippenbuͦb, | Vnd auch darzuͦ ein beschorne ruͦb, | Vnd andere woͤrter [...] | Die tütschen sprachen bringen her, | Die lassen sich gar latinischen nit.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1438
):
doch ist zewüssen, das man kein embd, noch ruͤben zenden gitt.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
910, 6
(
halem.
,
1493
):
von der raͤben und ruͤben wegen, so sy umbfuͤren und in der statt veil ruͤffen.
Wiessner, Wittenw. Ring
1523
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Do zoh in [Bertschi] Fritzo durch die äschen | Mit ruobwasser heiss gewäschen | Und fartz im dristund in den mund; | Also ward der minner gsunt.
Sudhoff, Paracelsus (
1537
/
41
):
der zusaz [von den gemachten bedern] sol sein von rübenkraut, rübschnizen oder von ganzen rüben, von pastinak, von mörlin kraut.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
110
(
schwäb.
,
1453
):
Das zwerglin trat mir mit aim fuͦs | Untugentlich uff minen nack | Und wielcz mich als ain rüben sack.
Eis, Gesundheitsl.
140, 19
(
oobd.
,
1520
/
30
):
[Spenacz] ist besser narung dann die byessen oder der repeß.
Ebd.
149, 6
:
wann man sy [lynsen] sewdet mit gersten, byessen, spenacz oder ryepeß, so seyn sy eyn gute speyß.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[sein her und haubtleut] stalen sich wider haim durch die land, behalfen sich mit den raben, so noch auf dem veld stuenden.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1644
):
Von holtz- und träxelwerch. [...] maußfallen, rubenhächel, kochlöffel.
Schottenloher, Flugschrr.
50, 19
(
Landshut
1523
):
auff das sollichs [...] also zuͦ einer teglichen speyß als Retich und ruͤben unerlich gehalten und gar verachtet werde.
Meisen u. a., J. Eck
58, 21
(
Ingolst.
1527
):
so sollicher grüel seins beckenbrots oder riebschnitzs nit allein unns berauben wolt des hoͤchsten schatz des fronleichnamß und bluͦts Jesu Christi.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1462
):
i rabscharben kottin.
Ebd. (
1478
):
i ruͦbscherrẹn.
Ziesemer, a. a. O.
691, 25
;
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 127, 33
;
Hajek, Guͦte spise
48
;
Brinkmann, Bad. Weist. ;
Kollnig, Weist. Schriesh.
199, 25
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth ; ;
Ermisch u. a., a. a. O.
18, 31
;
25, 33
;
26, 4
;
Gille u. a., M. Beheim
107, 43
;
236, 124
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Menge, Laufenb. Reg.
2743
;
Sudhoff, Paracelsus ;
Goldammer, Paracelsus
2, 429, 13
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Rwb ; ff. (mit weiteren Wortbildungen);
Lehmann, Rezeptb.
244
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 236
.
Vgl. ferner s. v. 11.
3.
in phrasematischen Wendungen meist bildlich als Vergleichsgröße: ›Minderwertiges, Wertloses‹.
Phraseme:
etw
. (Subj.)
keine rüben sein
›nicht viel wert sein‹;
rüben
(Subj.)
in den bauern gehören
(sprichwörtlich);
jm. die rüben unversengt lassen
etwa: ›jm. kein Haar krümmen‹;
rüben birnen sein lassen
›es gut sein lassen, nachgeben‹; ˹
rüben für feigen essen
;
rüben den feigen vergleichen
˺ ›etwas Minderwertiges für etwas Kostbares halten‹;
etw
. (Subj.)
nicht um eine rübe war sein
als Verstärkung einer Negation;
nicht wissen, was die rüben gelten
›noch nicht einmal das Nächstliegende (nämlich den Preis eines Grundnahrungsmittels) kennen‹.
Wortbildungen:
˹
rübendrescher
›Wichtigtuer‹ (dazu bdv.: 2),
rübendunst
(dazu bdv.: )˺ Schimpfwörter.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
damit dem Propheten Heliseo kein leid widerfuͤre und sie [feinde] jm (nach gemeinem sprichwort) die Ruben unversenget liessen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
105, 1938
(
Magdeb.
1608
):
ES geht nach dem sprichwort der Buben / | Jnd Scheun gehoͤrt Hew / in Bauwren Ruben.
Ebd.
169, 3870
:
So viel bekemen frembde Leut / | Auff einen Kuchs quartal außbeut / | [...] | Das weren warlich keine ruben.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Deswar nicht um eyne rube! | Wan der tote lichnam nicht | Hat der lebende sinne phlicht.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Der [freyhart] in [bawer] noch mehr fatzt an den ortn; | Wann er hett der spötterey kunst, | Hießn ein sewbayrn und rubendunst.
Spanier, Murner. Narrenb.
3, 14
(
Straßb.
1512
):
Darumb londt wir vns doctor schelten | Vnd wissendt nit, was die ruͦben gelten.
Bächtold, N. Manuel. Barb.
191, 162b
(
Zürich
1526
):
Ach armen rüebentröscher, ir schumkellen, | Hörend uf, die eselsoren regen! | Ir könnend weder gagsen, noch eier legen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
do name er sich selbs ganz güetlich von seinem zorn und liesse rueben pieren sein.
Du ist noch wol rueben für feugen.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
214
;