täding,
teding,
teg(e)ding;
die Varianten verteilen sich wie folgt: wobd. und wmd. fast ausschließlich
täding, teding
, wobd. daneben im 14. Jh. auch
teg(e)ding
; oobd. und omd. überwiegt bis ins 15. Jh.
teiding
, dort nehmen die
täding/teding
-Belege dann aber zu;
zu
mhd.
tagedinc, tegedinc, teidinc
›auf einen Tag anberaumte gerichtliche Verhandlung, Gerichtstag (usw.)‹
(
).
– Weit häufiger im Wobd. und Oobd. belegt, dort im späten Frnhd. auslaufend; im Nobd. und Md. weniger häufig und schon gegen E. 15. Jh. kaum noch belegt.
1.
›Gerichtsverhandlung, Gerichtsversammlung; Gerichtstermin‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
I,
5,
9;
10; vgl.
15.
Syntagmen:
t. gebieten, die teidinge füren
;
zu dem t. kommen, in den teidingen sitzen
;
das dritte / eliche / gebannene
›einberufene‹
/ nächste / rechte t
.
Wortbildungen:
›Gerichtsbuch‹ (a. 1553),
Belegblock:
Große, Schwabensp.
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
SWa gerichte ist, da sal eyn bodel sin oder me dan eyn, der sal gebieten des vogotes degedinc.
Helm, Maccabäer
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
huben sie den lichamen
[des Kaisers],
[...] brahten en mit eren siten | uf den teidincmarket mitten; | (daz was ein groz plan da man pflac | niht wan teidingen uf beiac).
Ermisch, Sächs. Bergr.
(
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
wenne der fryde darobir geworcht unde gebotyn yst, zo kan den gewerkyn [...] keynerley orteyl, daz dy teydyng anruret, danach zcu schaden komen.
Ders., UB Chemnitz
(
osächs.
,
1412
):
Sub anno domini M
o
CCCCXII
o
[...] haben sich dy rethe mit den schepphen geeynt von den vorsprechen wegen, dy do pflegen der luͤte tedige tzu fuͤren.
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 125, 30
(
halem.
,
1479
):
Nachdem Trüllikon in ir graffschaft Kyburg gelegen, widerwertig gewesen und darumb von inen an beid parthyen gesuͦcht ist, inen früntlicher tagen und täding zuͦ verfolgen.
Müller, Nördl. Stadtr.
(
schwäb.
,
1348
/
50
):
Auch haben wir gesetzet, wenn man ze tag oder ze tegdingen riten sol mit luͤtzel oder vil, die der raͧt dann riten haißet, wer denn versezze mit geverden und nicht rite [...], der git ain pfunt haller.
Swie ain purger ainen totslachk tuͤt oder ain ander man, chumpt der ze taiding, der sol daz der stat und dem gericht pezzern mit 30 ℔ Saltzburger pfenning.
Winter, Nöst. Weist.
(
moobd.
,
1404
):
daß drei gepanne teiding sein im jahr, alß die ausgenenten täg hernach geschriben stehent.
Hör, Urk. St. Veit
225, 7
(
moobd.
,
1442
):
dauon schol sew vnuerzogenleich richten vnd weren hawbtguecz vnd aller scheden ain yedew herschaft [...] an klag, an tayding vnd an alles berechten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
(
smoobd.
, Hs.
1673
):
Item wer haimblich tädting auf dem land macht ohn der richter willen und urlaub, was der darumb schuldig seie? zu peen 60 und 5 ℔ ₰.
Bischoff, Steir. Landr.
(
m/soobd.
, Hs.
v. 1425
):
Man schol alle taiding volfuren als man sew angehebt hat.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
;
Geier, Stadtr. Überl.
;
;
Kläui, Schweiz. Urbare
3, 220, 8
;
Dirr, Münchner Stadtr.
;
;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
233, 24
;
335, 2
;
Piirainen, Stadtr. Sillein 70, l
16
; 74, r
35
;
3.
›Verhandlung, Beratung‹; in vielen Belegen ist nicht eindeutig erkennbar, ob eine Verhandlung oder das Ergebnis einer Verhandlung, ein Vertrag, gemeint ist; daher offen zu
4.
Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Syntagmen:
das t. angehen / ansetzen / aufnemen / haben / halten / nemen / suchen / treiben
;
die t.
(Subj.)
sich zu ende geben
;
in t. stehen / abreden, sich in ein t. geben
,
zu t. kommen
;
tag und t
.;
das freundliche / offene / wissende / wissenhafte t
.
Wortbildungen:
›schriftliche Aufzeichnung einer Verhandlung‹ (a. 1437).
Belegblock:
Loesch, Kölner Zunfturk.
(
rib.
,
1412
):
sodat vaste vele dadingen an beiden siden sich darumb ergiengen, dar unse herren die clagemeistere bi geschickt wurden.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 85, 29
(
omd.
,
1424
):
aldo wir mit unserm hern bischoffe obenbenumpt die sachen [han]delten und wugen, so wir beste mochten, ee denne wir die tedinge angingen mit den Polan.
Bernoulli, Basler Chron.
(
alem.
,
A. 15. Jh.
):
das min her der marggraͧffe und die vorgenanten stette die teͣdynge tribent drye gantz wuchen und drye tage.
also wart do noch vil deding ein fride gemacht zwischen dem boͤsen folch un der stat von Basel.
Geier, Stadtr. Überl.
(
nalem.
,
1332
):
Wir Ludwig [...] tuͦn chunt allen den, die disen brief ansehent oder horent lesen, daz wir under andern theidingen, die wir mit den burgern ze Uberlingen gehabt haben [...] also semlichet und getheidinget haben.
Merk, Stadtr. Neuenb.
(
nalem.
,
1510
):
als diser gutlicher vertrag [...] in offner, wissender täding abgeredt und uns demnach zuͦ baidersits furbracht ist.
Merz, Urk. Lenzb.
134, 23
(
halem.
,
1605
):
Nach eingenommenem Augenschein hätten die Sprücher ersucht, daß sie mit wüßenhaffter thädung in fründtligkheit harinnen vßsprächen dürften.
zuͦletzst do komen hern und stet in täding mit dem kaiser und komen uberain.
er haut auch geredt, wie das ain cardinal von unsers heiligen vatters des baubstes wegen zu Costentz mit im redte umb ain tädinge uffzunemen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
als er [...] in tayding mit den inderen was, do khamen die Turkhen.
Darumb muesten die lanndtlewt sich, die dy tayding mochten, swarlich auff eyn kurtze zeyt zu bezallen, als sechs wochen, verschreyben.
Lippert, UB Lübben
2, 109a
;
4, 175, 2
;
Leisi, Thurg. UB
8, 7, 6
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
;
Mollay, H. Kottanerin
9, 19, 25
;
5, 559, 19
;
4.
›Vertrag, Übereinkunft (z. B. Ehe- oder Kapitulationsvertrag)‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
(
die
)
2,
1,
(
der
)
3,
4,
1,
2,
,
.
Syntagmen:
die t. abreden / annemen / beschliessen / besiegeln / halten / machen / nemen / treffen
;
die t.
(Subj.)
beschehen / geschehen
;
der t. überkommen
,
nachkommen
;
aus der t. gehen, jn. um etw. durch t. vereinen, etw. mit t. begreifen
›abmachen‹
/ erfordern / übergeben
;
t. und gelübde, t. und friede
;
die ehafte / freundliche / offene / schriftliche / wissenhafte t
.
Belegblock:
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
101, 40
(
thür.
,
1474
):
Petern Wolkensteyns kinder [...] komen unde gefallen von sollicher clausulen wegen, dy in den teydingen geschen ist.
Ez ist zu wissen, daz wir ein teyding und ein geding gemacht haben zwischen der geselschaft von sant Joͤrgen uf ein seit und uns, den von Windshain und den von Weissenburg uf ander seit.
daz sloß ward auch mit teiding übergeben als die stat, also daz auch kein sturm da geschahe.
und wann nu diese bericht und teiding [...] mit unserer vorgemelten marggraff Albrecht und des von Heideck und der von Nürmberg willen und wissen zugangen und beschehen ist.
Boos, UB Aarau
(
halem.
,
1415
):
Harum wir [...] mit den obgenanten unsern lieben herren von Berne und von Solottren [...] in frúntlich guͦt und danckber teyding komen sin.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
110, 14
(
halem.
,
1488
):
Da vergich ich hiemit wissentlich, dz us kraft einer fruͥntlichen bericht und taͤding, so dann deswegen zwischen uns abgeret und beschlossen ist, mir der obgenant junkherr Felix Schwend umb und fuͥr soͤlich ansprach 34 rh. Gl. [bezahlt hat].
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 192, 28
(
halem.
,
1490
):
Zwüschen Hannsen Wyssen und siner swester, der Waldmannin, ist erkennt, das es bliben sölle by der abred und täding.
da raitt der bischoff herauß und traf ain täding mit im [Ludwig von Lantzhuͦt].
Darnach ward der gemayn krieg mit tayding in fride gesaczt.
Hör, Urk. St. Veit
181, 28
(
moobd.
,
1414
):
Desselben tadig vnnd vertragsbrief mit sein Wallers vnd Hartprecht Stahels beder aigen anhanngenden innsigiln besiglt.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
68, 23
(
moobd.
,
1408
):
Wir emphelhen [...], daz ir [...] zu uns gen Wienn schikchet von solher taiding wegen, die zwischen unser yeczund ist beschehen durch unsrer land und leutt nutz und fromen willen, und dieselben tayding damit versigelt und des mit nichte lasset.
alda endt sich die bibel, die alt ê, punt und schriftlich teiding und vertrag.
die elter Jsabella was Graf hansen im Zips der sich nach Khuͤnig Ludwigs tod in das Khuͤnigreich Hungern eingedrungen / Vnd dan mit thaͤding bey ainem thail des Reichs Khuͤnig belibē.
Grosch, a. a. O.
225, 6
; 8; 9;
Leisi, Thurg. UB
8, 242, 32
;
Merz, Urk. Wildegg
33, 14
;
Welti, Urk. Rheinfelden
354, 8
;
Müller, Lands. St. Gallen
23, 16
;
38, 21
;
ders., Alte Landsch. St. Gallen
;
;
Thiel u. a., Urk. Münchsm.
166, 38
;
Dirr, Münchner Stadtr.
;
;
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
6, 4
;
‒
Vgl. ferner s. v.
5,
10,
.