stummen,
V.;
häufig, in 3 ausschließlich im Part. Präs. gebraucht.
1.
›stumm, nicht sprechfähig sein; nicht sprechen, schweigen; stumm, sprechunfähig werden; verstummen‹;
vgl. 2.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. (V., unr. abl.) 3, , (V., unr. abl.) 1.

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
das dich alle Creatur duncken dasselbige klingen und aller menschen gesang eitel stummen und toub sein.
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan er [nar] an dem gerichte stat | so stuͦmpt er als ein steyne.
Voc. Teut.-Lat.
ff vr
(
Nürnb.
1482
):
Stummen stum werdē erstūmen.
Sachs (
Nürnb.
1524
):
Wens dar-zu kumpt, | Daß mein mundt stumpt, | Leiplich den tod muß leiden | Dann [...].
Lauater. Gespaͤnste
30v, 2
(
Zürich
1578
):
Sy hiessend jn ein zeichen gebẽ / darby mã spürẽ moͤchte / ob er ein stum̃ender geist were.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Diser kuchenmaister gieng mit seiner hausfrawen, [...], uf den markt und namen ir stumendt sibenjärigs döchterlin auch mit.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
wo unvogtpere kinder, auch plint, gehörloß, stument, ainfaltig leut vor gericht und recht sollen stenn, die [...].
Wackernell, H. v. Montfort (
soobd.
,
A. 15. Jh.
):
Die biderben und die frummen | die gruessent tugentlichen; | gen den pösen sond ir stummen, | wend ir an eren richen.
Kehrein, Kath. Gesangb. .
2.
›jn. zum Schweigen bringen; jn. gewaltsam der Sprechfähigkeit berauben‹; im Unterschied zu 1 transitiv;
vgl. 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 1, (V.) 1, 4, , 4.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
VJel Leut jr gsundtheit sein beraubt, | Gelaͤhmt, geblent, gestumbt, getaubt, | Das offtmals vieln wirdt angethon.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
muͤgt ir gereden, ir wert gestumpt, | und muͤgt ıͤr gen, ıͤr werd chrump.
3.
im Part. Präs.:
stummend
›unsäglich, nicht auszusprechen‹ (auf Homosexualität, Sodomie bezogen);
zu 3.
Gegensätze:
, , 1.

Belegblock:

Fischer, Folz. Reimp.
25, 57
(
Nürnb.
1479
):
Die ander [sünd] ist stumend sund genant, | Durch die der herr funff stet verprant, | Mit swefel und pech.
Ebd.
175
:
[Unkeusch] Ist unschemig, frech, verwegen und plint, | Spruch, lied und gespots sie vil begint, | Ist tirisch, stumend un treibt keczerei.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Die sind beroupt aller furbit dr heligen, [...], vmb der stumenden sund willen.
Die stumend sundt ist kein sundt merr, wan man strofft nitt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
hie ain Predigerminch, und ain lederer, der hieß der Gayssenlawer, die hetten mitainander die stumeden sind wider die natur getriben.
Ebd. :
welche in beiwessen etlicher thomhern an der peinlichen frag selbs bekündt hetten, wie sie mitainander zuͦ schaffen hetten gehept mit der stumede sind.
4.
s. 4.