strafung,
1.
›Kritik, tadelnde bis beleidigende, schmähende oder wohlwollend belehrende, mahnende Äußerung, die ein Urteilender gegenüber einem Missstand (z. B. dem
,
das
,
3) oder e. P. äußert‹; konvers: ›üble Nachrede, Zurechtweisung, Tadel, Verweis, Belehrung, die j. von einem anderen erfährt‹; offen zu
2;
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
,
2
6,
4,
1;
3,
; vgl.
1.
Syntagmen:
s. leiden, jm. s. tun, e. S
. (Gen.)
s. haben
;
die s
. (Subj.)
mit lob / sanftmütigkeit vermischt sein
;
in js. worten keine s. sein, etw. strafung genant sein
;
sich jm. durch s. willen offenbaren, jm. mit s. ein vater sein, jn. um s. gefangen legen, von der s. sich erheben, das [...]
;
die s. der brüder, des übels
;
die wunderbare s
.;
die verhinderung an s
.
Belegblock:
Da bi was er alle zit | Ein vater ouch der jungen | Mit lere und ouch mit strafungen.
Loesch, Kölner Zunfturk.
(
rib.
,
1449
):
of einich man of wijf, [...], unsen herren v. r. of den meisteren des amptz herumb einche straifonge dede mit worden of mit werken, der of die soilen einen maint in eime der steide turne lijgen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Die frauwe die da dreit die fyle, | Ist genant Straffonge by der wyle.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
19, 6
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wer übel tut, wil nicht undertan sein und strafung leiden.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4585
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das virde stucke ist der hass. | van der straffunge erhebet sich das | das si di fromen affterkosen.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
(
Bamb.
1507
):
damit die rechtvertigung jr endung auff denselben endthafften rechttagen nit erreychen koͤnten: das were ein schedliche verhinderung an straffung des vbels.
Straffung rugung. argumentum correctio.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
557, 9
(
els.
,
1362
):
Vmb dise stroffunge leite Herodes Johannem gefangen.
Alle ding die du hast geredt die sein gewer: vnd kein straffung ist in deinen wortten
[Jdt. 8, 28].
Fischer, Eunuchus d. Terenz
(
Ulm
1486
):
es ist ain wunderbere straffung. wann sie ist mit lob und senfftmütigkait vermischet.
Wolf, Norm im sp. Ma.
56, 65
(
oobd.
,
1486
):
Von der vermanung vnd straffung der bruͤder.
Gille u. a., M. Beheim
98, 55
;
2.
›kritisch-bissiger Tadel, wohlgemeinte Ermahnung‹; ›schwere Strafe‹; wie sie in religiösen Zusammenhängen zur Aufrechterhaltung einer höheren Ordnung erteilt (und erlitten) wird; oft von Gott als Strafendem gesagt; am ehesten hier als Metonymie anschließbar: ›Sträflichkeit‹ (der
2;
3); s. u. Beleg
Warnock
;
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
der herre, das schwert, die simonei s. tun
(z. B.
um den unglauben
),
j. s. e. S
. (Gen.)
haben, j. jm. eine s. schreiben
;
die s
. (Subj.)
beschehen, die s. (gottes)
(Subj.)
über jn. ergehen
;
etw
. (Subj.)
eine s. sein
;
der teufel mit s. kommen, von der s. sich erheben, das [...], got ein tier zu s. geschaffen haben
;
die s. der sünde, der leute
;
die s. von gotte
;
die grosse / geistliche s
.
Belegblock:
das und ander mehr straffen seyn yhr vordienter lohn, wilchen wider streben ist nit anders, dan gottis straffung widderstreben.
Dubizmay, kurß zu Teutze
35, 10
(
hess.
,
1463
):
Das die [swerte] rechung thun in den geslechten die straffung in den leutten Das sie ir kung binden bey den peÿnnen.
Thiele, Chron. Stolle
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
dy musse [...] frossen on zu tode. Das was eyne grosse straffunge von gote.
Gille u. a., M. Beheim
109, 9
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sein [gottes] strauffung uber uns ergaͮt | von seim urtail vil strengen.
mit gewalt offenperlich sy | dy upekait nun treiben. | Und wellen des kain strauffung han.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
1359
):
Dise stroffunge die tuͦt unser herre noch alle tage und alle stunde umbe den ungeloͮben und die hertikeit des hertzen.
Rieder, Gottesfr.
(
els.
,
1382
/
91
):
die hinderste stroffunge und frúntliche warnunge, die uns der selbe Ruͦleman Merswin [...] us goͤttelicheme tribende [...] schreip.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
138, 25
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Falena ist ain tier, [...], daz hât got beschaffen zuo ainer strâfung hôchvertiger läut, wan daz tier versmæht und hazzet des menschen hôchvart von seiner aigener nâtûr.
Warnock, Pred. Paulis
21, 72
(
önalem.
,
1490
/
4
):
darumb, won er also in súnd gefallen ist durch daz, won er am anfang bösi und strafung der súnd nit betrachet hát und also in ain verzwyflen am end ist gefallen.
Koller, Ref. Siegmunds
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
Es getar schyer kein geistlich straffung mer beschehen, wann ir eygene symony tuͦt das.
do er súben tag in der grossen bitterkait was gelegen do kǎmend die túfel aines nahtes mit grosser straͮffung vnd mit spot / vnd sprachend [...].
3.
›Bestrafung e. P. durch einen Befugten, z. B. durch die Eltern, einen Vorgesetzten, auch durch den Ehemann, mittels der
2,
, des Entzuges von Nahrung‹; konvers: ›das Erleiden der Bestrafung‹; Weiteres zu den Strafbefugten und Betroffenen sowie zur Art des Vergehens und der Strafe, auch zur Strafideologie in den Belegen sowie s. v.
2;
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1,
6,
2,
1,
.
Syntagmen:
s. anlegen / tun / leiden, j. s. auflegen
(z. B.
der oberhauptman
)
j. s. überkommen
›ertragen‹ (z. B.
eine frau
),
dem kind die s. nicht entziehen
;
die s
. (Subj.)
über den meister gehen, weisheit geben, ein exempel sein
;
ane s. niemand lernen, j. durch s. gemanigfaltigt
›erhöht, berühmt‹
werden
;
die s. eines mannes / oberen
(jeweils gen. subjectivus);
die s. nach rechte
;
die angstliche / härte / leibliche s
.
Belegblock:
Loesch, Kölner Zunfturk.
(
rib.
,
2. H. 15. Jh.
):
dat man dairup ernstlichen sien und wairden sall, dat broit, bier und keute zo nemen und die straifonge zo doin.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
72, 37
(
omd.
,
1487
):
Eine scharffe ruthe (.gloub mir.) macht fröme gehorsame kinder. darūb spricht der weise man Jm buche der spruͥche am xxix ca. dÿe gerte vnd straffung gibt weisheitt [...]. Entzcew nicht dÿe straffung deÿnem kinde.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
208, 6
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Strafung werden nach erachtung der verwirckung, unthaten, betrugk undt argelist durch den oberhauptman, [...] aufgelegt.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
(
osächs.
,
1523
/
4
):
also peinlichs gerichts recht ist umb leibliche strafung nach rechte.
ir
[
der schädlichen
] straffung
sol sein ain exempel allen menschen so vrteilen wir dich zuo ewiger gefengnüs mit wasser vnd brot.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
344, 24
(
els.
,
1362
):
vnd seitent ir wie die frowen muͤstent den mannen vnderton sin vnd dicke grosse betruͤbnicz vnd streiche liden vnd sprochent wie sú moͤhte úbertragen die herte stroffunge eins mannes.
Strauch, Schürebrand
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
So úch anefallent etteliche ussere liden, betruͤpnisse von uwerme nehsten, stroffunge uwere obern, misseval aller uwerre wercke [...], so [...].
also ein lerekint zuͦ jüngest ein meister wurt [...] durch vil angestberer correctien und herter streiche sins meisters
[Var.:
angstlicher straffung
].
Warnock, Pred. Paulis
10, 178
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Ze dem andren sol er [der grecht] gemanigfaltiget werden durch gerechtikait und straffung.
Lemmer, Brant. Narrensch.
6, 23
(
Basel
1494
):
Zymlich stroff / brĩgt kein soͤrglich gschrey | Die rüt der zücht vertribt on smertz | Die narrheit vß des kindes hertz | On straffung seltten yemens lert | Alls übel wechßt das man nit wert.
Welti, Stadtr. Bern
(
halem.
,
1457
):
die vorgemeldet straffung sol vͥber den meister gon vnd sol darzuͦ die person, es were sin wybe, knecht oder gesinde, die da hetten solichs getan oder gehandelt, nutzit dester minder in sunders gestrafft werden.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Weliche dohin nicht komen, sindt von dem kunig und hertzog Philippen (...) straffung und verliesung leibs und guets.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
203, 6
;
4.
›rechtlich begründete Anfechtung eines Gerichtsurteils mit der Verpflichtung, das ergangene Urteil zu prüfen und danach zu billigen oder aufzuheben‹;
Omd.; Rechtstexte.
Belegblock:
Behrend, Magd. Fragen
(
omd.
,
um 1400
):
Hiruff sprechen wir scheppin zcu Magdeburg recht: Das ortel, das der scheppe funden hat, ist recht unde dy stroffunge ist machtelosz.
Hertel, UB Magdeb.
(
omd.
,
1494
):
sulche beswerend urteil [...] mit erfyndung eynes bessern urteils und straffunghe an die hoher banck nemlichen an den pfaltz dozu aufgesatzt zw traghen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
135, 35
(
thür.
,
1474
):
So ir uns durch uwer schriffte irsucht unde rechtiß gefraget habit, ap icht solliche straffunge des gethanen rechtspruchs der schephin [...] by macht bliebin solle.
daz daz orteyl, daz der schepphe [...] alleyne funden hette, recht unde unstrefflichen were, unde dy part, die dy straffunge gethan hette, nicht beweren mochte in rechte, waz [...].
Wir fallen auch sollichem orteyl der schepphin im rechten gancz zcu unde Hanßen Weber syner straffunge gancz abe.
5.
›Reue über eine begangene Straftat, Gewissensbisse, quälendes Bewusstsein menschlicher Sündenverfallenheit‹;
Älteres und mittleres Frnhd.; meist Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
(
die
)
2,
1;
2,
2 (ütr.),
; vgl.
1,
1
3,
,
.
Belegblock:
Quint, Eckharts Trakt.
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Sô ist ez
[Kontext:
lîchamen nemen
]
zimelich und sêre nütze, daz man vor bîhte, ouch ob man keine strâfunge hât, umbe die vruht des saccramentes der bîhte.
Strauch, Par. anime int.
132, 15
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz geschehe wol, alse ein mensche cleinlichir
[›scharfsinniger‹]
wirt, daz he minnir befulichir
[›fühlbarer‹]
bewegunge hait di un reize zu Gode, und auch minnir strafunge, ob he etwaz tede oder forsumite waz he for gehait hait.
Straffung oder nagung. Rosoriū.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die einen die bekennent sich und voͤrhtent sich und hant ein we do
[in
menschlicher minne
›Selbstliebe‹]
inne und ein angest mit wiederbissende, und hant do straffunge umbe. Das ist ein edel guͦt zeichen.
6.
›Strafrecht, Strafgerechtigkeit, Strafgewalt als aus der Machtpraxis abgeleitetes sowie diese bestimmendes Prinzip mit allgemeiner Gültigkeit‹;
Belegblock:
her glöubete alles des das eyn rechter cristen man zu rechte glöuben sulde, unde wo des nicht an om were, do gebe her sich yn die straffunge der bischoufe unde den es von der heiligen cristenheit befolen were.
Koller, Ref. Siegmunds
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
dis hant nuͦ aber byschoff vast vertriben und zerstoͤrt; sy wend die stroffung in irem gewalt han, als durch den git; sy nement gelt und verhengent das unrecht.