rute,
die
;
-Ø, -n/-n
;
häufig diminutiv:
rütlein,
das
;
–/-Ø
.
1.
›wachsender Teil einer Pflanze; Spross‹; speziell: ›Ast, Zweig‹; ›junge Pflanze‹ (dies offen zu 2); im Plural auch: ›Dickicht‹; ›Strauch‹; mehrfach ütr., dann z. B.: ›dünner Strich‹; ›Rauchfahne‹; in biblisch-genealogischen Kontexten: ›Abstammungslinie König Davids‹; diminutiv speziell auf die Jungfrau Maria sowie auf die Jünger bezogen.
Bedeutungsverwandte
(einschließlich der tropischen Gebräuche): 1, 1, 2, 5, 2, 1, , 1, 1, .
Syntagmen:
j. ruten nemen, die ruten auf das feld werfen, in weinberge tun, die ruten des erbes erlösen, ein gewächs rütlein gewinnen
;
j. jn. r. nennen, seine jünger als ruten pflanzen
;
eine r
. (Subj.)
aufgehen / stehen / wachsen, in die erde gezwungen sein, (von Jesse anbegin) erspriessen, zwischen wurzel und frucht stehen, die ruten teil des baumes sein
;
eine blüte
(Subj.)
aus der r. erspriessen, eine figur
(Subj.)
sich in eine r. wandeln, j. jn. in die ruten füren, etw
. (Subj.)
von einer r. auserkoren sein
;
die r. Jesse, der wurzel Jesse, der jugend, des holzes
;
eine r. mit ästlein / nebenzweigen, vom stam (Jesse), von elfenbein (geschnitten)
;
die bärende / blühende / edle r
.; im Diminutiv:
j. rütlein biegen / gewinnen / nemen / spalten
;
die rütlein
(Subj.)
vereint werden
;
Maria ein rütlein sein
;
etw. in einem rütlein vereint werden, aus rütlein gemacht sein
;
das rütlein aus der wurzel Jesse
;
das dünne / natürliche / zarte rütlein
.
Wortbildungen:
rutenfest
›Schülerspaziergang im Frühling, wenn die Bäume ausschlagen‹ (a. 1543).

Belegblock:

Jsaias tzuweylen sagt er klerlich, Christus werd ein kuͤnig seyn. Darnach nennet er yhn eyn Rute unnd blume vom stam Jesse.
Ders. Hl. Schrifft.
Jes. 11, 1
(
Wittenb.
1545
):
VND ES WIRD EINE RUTE AUFGEHEN VON DEM STAM Jsai / vnd ein Zweig aus seiner wurtzel Frucht bringen.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Virgula, ein ruͤttlein / strichlein.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
[Kali] ist ein brauschelechts dickes gewaͤchß / welches vil dünner rüetlein gewinnet [...]. Das ander gewinnet auch vil stengelein.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
,Von Jesse an beginne | Sal entspriezen ein ruᵉte,‘ | [...] | ,Uz der rute ein bluete, | Uf der die Gotis guete | Wirt wonen geistlicher macht‘.
Eggers, Psalter
172, 17
(
thür.
,
1378
):
Dv irlostist dy ruthen dynes erbis.
Voc. Teut.-Lat.
bb vr
(
Nürnb.
1482
):
Rutlein. virgula. oder straym des rouchs oder iũckfrewlein.
Illing, Albert. Sup. miss.
421
(
els.
,
n. 1380
):
nemet ein glichnisse an eime boͧme, an dem vil kleine zinkelin in eime ruͤtelin vereinet werdent vnd vil ruͤtelin in ein ast.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Flagellũ, dimi. ein kleins zwickle / ruͦtle / knebele / daran die bollen wachßẽ.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
und in der arche warent drú ding: da waz inne hymel brot und únseres herren e un ain ruͦte.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
78v, 30
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die sechst form ist ein vnguentum vnd heisset marciaten: 6.) [...] roris marini, lorberbletter, ruten, iegklichs j lib., salbinenbluͦst.
Sappler, H. Kaufringer
28, 65
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
die selb figür sich wandeln thuot | vil schon in des holzes ruot.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
machend sy [garten krútter] nider rúscht mit rǒren und werffend dar uff ruͦtten und abgeschnaittott ryß.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Die theil des baums sind / die blaͤtter / blu / frucht / naͤstlin / rind / ruten / schelffe / wippel.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wer ain klainez gärtel oder rüetel nimet von dem haselpaum und spalt ez [...] und legt diu zwai tail vonenander [...], sô gênt si wider zuo enander.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1030
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein bagetta oder rutten von helffenbain geschnitten mit seinen nebenzweyg oder ästlein.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
München
1586
):
O Maria du bist das Ruͤttlein zarte, | Auß der wuͤrtze Jesse von edler arte.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
13, 6
(
tir.
,
1464
):
da wolt er sein pei seinen jungern an seiner lësten zeit, die er gepfhlanczet het als die rüten von seiner jugent.
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Schmidt, St. Kastorst.
2, 276, 11
;
Sermon Thauleri
13ra, 5
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
51, 37
;
Rieder, a. a. O. ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
126
;
153
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
6, 19
;
2.
›als Werkzeug genutzter Holzstab, Holzstock unterschiedlicher Beschaffenheit und Zweckbestimmung‹ (allgemein); im Einzelnen: ›dünner Ast (als Bau- und Bindematerial)‹; ›Angel‹; ›Wünschelrute‹; ›Viehtreiber‹; ›Peitsche‹; ›Geißel‹; ›Signum der Macht‹ (von
ruten
aus Holz oder Edelmetall); dazu speziell: ›Priesterstab, der Stab Aarons und Moses‹.
Phraseme:
rute und apfel
›Zuckerbrot und Peitsche‹;
dürre ruten beschaffen
›eine Aufgabe nur unzureichend erledigen‹;
mit zwei ruten geschlagen sein
›doppelt gestraft sein‹;
j. mit seiner eigenen rute geschlagen werden
›mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden‹.
Bedeutungsverwandte:
2
, 2; vgl. 1, 1, .
Syntagmen:
j. die r. beischaffen / empfangen / fürchten / machen / stossen, gehen lassen, singen hören, in der hand haben, in die erde zwingen, jm. die r. drohen, auf den ars machen, ruten nemen, auf etw. zerschlagen, in etw. werfen
;
die r
. (Subj.)
blühen / fruchten / grünen
(bezogen auf das Stabwunder),
etw. bedeuten, gehorsame kinder machen, kindern kein bein brechen, zu einer schlange werden
;
etw
. (Subj.)
aus ruten gemacht sein, erkundigungen
(Subj.)
mit der r. geschehen, j. mit der r
. [wohin]
reichen, schätze suchen, jn. mit der r. durchjucken / freilassen / hauen / schwingen / strafen / treiben / verschmähen / züchtigen / zwingen, in not bringen, zu tode schlagen, jm. mit der r. leid tun, mit der r. das pferd schlagen, schafe treiben, das bürgermeisteramt übergeben, jn. mit ruten abbutzen / absolvieren / aushauen / quälen, j. wieder die r. treten
,
Amor
(Subj.)
jm. hut / keusche / scham / stete unter ruten geben
;
die r. Aarons / Moses, der stat, der künste
;
die birkene / gute / gütige / haselne / minnigliche / priesterliche / richtliche / scharfe / silberne / väterliche / zähe r., starke ruten
;
die aussteigung der r., die ausstreichung der ruten
.
Wortbildungen:
ruten
(Adj.) ›aus Ruten gemacht‹,
rutensamlung
›Züchtigung‹,
rutenschlag
(dazu bdv.: ),
rutenstiel
,
rutenstrafe
(a. 1616).

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (o. O.
1517
):
Vnd geüst dein bluͦt gantz miltigklich | Durch ruͦtschleg, gaisel, dorenstich.
v. Bunge, Livl. UB
4, 278, 40
(
nrddt.
,
um 1400
):
men ne sal nene rudene tune hir negest tunen binnen der stad.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swer sinen knecht oder sine Dernen mit Ruͦden Sleit zuͦ tote [...], her ist ir scuͦldich.
Luther, WA (
1535
/
6
):
Sind halb prediger in domo, zornige und freundliche wort, Rut und apfel.
Ders. Hl. Schrifft.
Hebr. 9, 4
(
Wittenb.
1545
):
die Hütte [...] hatte [...] die lade des Testaments / allenthalben mit gold vberzogen / in welcher war [...] die rute Aaron / die gegrünet hatte.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
65, 671
(
1608
):
Schlug sie mit eim ruͤtlein jhr Ruͤcken / | Da sie sich anfiengen zu buͤcken.
Ebd.
318, 1799
:
Sein Obermann hat jeder Herr / | Der jhm drawet diselbe Ruth / | Da er dem andern leid mit thut.
Thiele, Minner. II,
26, 149
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
Amor gaf om onder roeden | Cuysch, Scheymd, Stede und Hoeden.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1549
, Hs.
A. 17. Jh.
):
[der scholtes sall] die perd uf den hof [...] mit der richtlichen roden schlaen.
Lau, Qu. Neuß Var. (
rib.
,
um 1580
):
van der bruggen up den stein ther moelen wert sich utreickende so weit von der bruggen, als der frone, [...] mit der roden reicken kan.
Ebd. (
um 1480
):
so sal der burgermeister [...] dem nuwen [...] burgermeister [...] dat burgermeisterampt mit der stat silveren roeden [...] oevergheven.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Eynen mestere sal me ere biden, und syne roden vruchten.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
got sleicht manchen mit sinre eigener roiden die he doch eime anderen gemaicht hait.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
1593
/
4
):
da solches vernommen [...] wird, sollen sie [förster] am leib mit anstellung des prangers und ruthen ausstreigung gestraft werden.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
902
(
mrhein.
,
um 1335
):
Doch bringen ich in (in) soliche not | bit geiseln vnd bit ruden.
Kollnig, Weist. Schriesh.
127, 12
(
rhfrk.
, o. J.):
Dingt man einen hirten, [...] so soll, der ihn fürtreibt, [...] die ruten, damit er treibt, in einer hand haben.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Moises rudde zu einer slangen wart: | darnach gab sie sich yn eyns hulczes art, | darumb die rude gegrunet hat.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Mit ruten si en
[Jesus]
gulen
(›quälen‹).
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
72, 35
(
omd.
,
1487
):
Eine scharffe ruthe [...] macht frōme gehorsame kinder [...] Ap du es
[das Kind]
mitt gertten haẇest, es stirbt nicht dau̇on.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Merckt wie die dur rut Aaron | Dur plüen gan!
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
94
(
Nürnb.
1517
):
Uber dits alles Christus [...] die laster der breut mit einer gütigen ruten ernstlicher strafet.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 30
(
Nürnb.
1548
):
Solches wil Gott haben / vnd er lasse gleich die rute gehn wie er woͤll.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Dergleichen sind bereitet dem | Narrn rhutenschleg auff sein rucken.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Owe, wie ist din vetterlichú ruͦte so minneklich!
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
vnd nam starke rvͦten vnd zerslvͦg si vffe mime lichamen.
Spanier, Murner. Narrenb.
87, 1
(
Straßb.
1512
):
Des narren muͦß ich warlich lachen, | Der vff syn eigen arß kan machen | Ein guͦtte, zeche, birkin ruͦt.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Virgindemia, Die ruͦten samlung.
das von Ruͦten ist.
Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
ein rüetlin [...] dir [...] dein rucken abschlahen wird.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Nu sol man hie betúten | Den ungelerten lúten | Der dúrre ruͦte bischaft.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
449
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die ruͦt betút [...] | Das Aaron soͤlte wesen | Ain bischoff der alten ee.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
wenn einer den andern liblos tät, so [...] werde also einer mit zwei ruͦten geschlagen.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1591
):
und alle andere mittel, dan die ruͦten und angelschnuͦr, verboten worden.
rutenstiel / m. Le manche des verges Virgarum manipulus.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1552
):
Desgleichenn hettenn die von Ullm gen Augspurg ettlich thonen bulver geliechenn, die warenn auch vor der statt Ullm fundenn, das sie mitt irer aigenn rutenn geschlagenn wurdenn.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie in der pfaff mit rueten hab abgebutzet und absolvirt.
Solche erkundigung, die schetz zu suchen, ist [...] beschehen mit einer hesslin rueten.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
447, 25
;
Thiele, a. a. O.,
31, 423
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
222, 6
; 7;
Gille u. a., M. Beheim
97, 85
;
Mayer, a. a. O. ; ;
Kehrein, a. a. O. ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
157, 16
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Lindqvist, a. a. O.
436
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 384, 44
;
Winter, Nöst. Weist. ;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Rwb (auch für weitere Ausdifferenzierung);
3.
›Stange einer bestimmten Länge, die als Messinstrument verwendet wird‹; ütr.: ›Längen-, Flächen- und Raummaß‹; Spezialisierung zu 2.
Zur Sache:
Kahnt u. a., Alte Maße [...].
1987, 260
.
Phraseme:
einen schatten mit einer krummen rute gerade machen wollen
›keine Gerechtigkeit erfahren‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1; vgl. 1.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
x ruten breit / herdan
›von einem Ort her‹
/ lang / weit sein, j. die r. gebrauchen / tragen
, [wo]
haben, mit bestimter länge haben, jm. geben, die zehente r. an äckern im zehent geben
;
eine r
. (Subj.)
x joch / fus / schu (lang) sein, x ellen in der länge / breite / höhe behalten, im quadrat x stein fassen, etw. abmessen
;
die niederländische meile 1000 ruten befassen
;
dreissig der ruten einen morgen behalten
;
j. auf x ruten x fuder mist haben, etw
. (z. B.
den acker, die glocke, die fässer / grundstücke / steinwege
)
mit der r. eichen / messen / überschlagen / verdingen, nach der r. eine vierung visier halten
›etw. entsprechend der
rute
eichen‹;
die r. der stat, x ruten acker(s) / erbe(s) / (kalk)stein / weins
;
die r. im dom, von gold
;
die falsche / gevierte / stäte
(›rechtsgültige, verbürgte‹; vgl. , Adj., 4)
/ vierkantige r
.;
x hufen ane x ruten, x schilling für x ruten
.
Wortbildungen:
ruten
(V.) ›etw. messen‹,
rutenmas
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1438
):
do daden de doimheren binnen Coellen ir nuwe groisse clocke hangen [...]. ouch wart si geicht mit der stede roden, dat si me hielte dan 4 voedericher vas.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1594
):
das alle wein, so inquemen, am kranen und pforzen sulten geroedet und versiegelt werden mit veirerlei wachs, roit, gel, groin und swarzs, daran sulten die schreder erkennen, was [...] dissem oder dem, zu und ab, gefuirt wurde.
Kollnig, Weist. Schriesh.
107, 11
(
rhfrk.
,
1569
):
Und welcher gemeindsmann sein ihn vorgezeichnete rutenmaß nicht gebührend außhebt, der solle 2 pfund heller straff erlegen.
Jahr, H. v. Mügeln
371
(
omd.
, Hs.
1463
):
Die sechste kunst, ich tu bekant, | Geometria was genant. | die truk ein rut von golde rot, | damit sie sich zu meßen bot.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
64, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Uff 4 rutten, das ist 4 rutten lang und eine rutte breit, mus man ein gutt fuder mist haben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
und muest iederman vor seinem haus pflastern ain ruet herdan von seinem haus.
Heydn. maister
9v, 4
(
Augsb.
1490
):
sunste wirt er geleich als der den schaten mit einer krũmen ruͦt gerehen machen will.
Rot
359
(
Augsb.
1571
):
Ein ding embsig vnnd fleissig besichten / außmessen vnd rechen / darzu werden besondre Jnstrument vnnd ruͤtten gebraucht.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 133, 7
(
moobd.
,
1524
):
so Er darumben ersuecht wirdet, alles Getrannckh nach der ruetten, wie sich geburt, visier gehalten werde.
Mendthal, Geom. Culm. ;
Kollnig, a. a. O.
240, 4
;
Wolf, Gesetze Frankf.
306, 1
;
Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
349, 34
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob ;
Ermisch u. a., a. a. O.
42, 2
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
32, 49
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 725, 34
;
Auer, Stadtr. München Anh. ;
Piirainen, Stadtr. Sillein
170, 7
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 417, 35
;
Rwb ; –52;
4.
›Züchtigungsinstrument‹; davon kaum trennbar: ›Strafe, Züchtigung‹; tropisch zu 2.
Bedeutungsverwandte:
2
,
1
1, 2 .
Syntagmen:
got
(Subj.)
eine r. schicken, j. jm. eine r. schicken
;
j. sich r. nennen
;
die r
. (Subj.)
jn. strafen, durch die leute kommen
;
das schwert gottes
(Subj.)
eine r. sein
;
j. jm. eine r. sein, jn. als r. brauchen
;
got
(Subj.)
als eine r. gericht bringen
;
j. in die r. fallen
;
die r. gottes, der pestilenz
;
die gewaltige / götliche r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
):
So ist das schwerd Gottis rute und rache uber sie.
Ders. Hl. Schrifft.
Spr. 13, 24
(
Wittenb.
1545
):
WEr SEINER RUTEN schonet / der hasset seinen Son.
Ebd.
29, 15
:
RUTE VND STRAFFE gibt Weisheit.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
166r, 47
(
Leipzig
1588
):
Attil / welcher sich ein Rutten vnd Geissel Gottes nennete.
Ebd.
169r, 39
:
vnd hertzlichem Gebet GOtt dem HErrn begegnen / vnd in die Rute fallen.
Bell, G. Hager
396, 3, 5
(
nobd.
,
1593
):
secht wie got braucht ge richt | Den türken früe vnd spate | als sein rutten [...] | [...] | vns da mit zu züchtigen.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Durch disse lut kum die ruͦt der pestilentz vnd erdbidem.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1548
):
wann ein kind ein vatter schlagenn will, so schiktt gott der her ein ruttenn.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 75
;
Niewöhner, Teichner
406, 54
;
5.
›(elterliche) Macht, Verfügungsgewalt über jn., Vormundschaft als rechtsgültiges Mittel‹; Ütr. von 2.
Phraseme:
unter der rute sein
›geknechtet werden‹;
unter der rute der eltern bleiben
›von den Eltern abhängig bleiben‹;
j. aus der rute des vaters wachsen
›unabhängig werden‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
) 6; vgl. , 2, , 5, .

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
Die fromen schlecht er [Gott] mit dem fuchs schwantz. und ist aller erst die mütter rute.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
274, 424
(
Magdeb.
1608
):
Das auch vielleicht were geschehen / | Wenns solt nach vnserm willen gehen / | Vnd nicht einander ohn vermuthen / | Vns vnterworffen seiner ruthen.
Gille u. a., M. Beheim
3, 222
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die [tire] gab gott all under des menschen rut.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
vnder der Ruͦten sein.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1437
):
der [...] noch vnder sins vatters vnd muͦter ruͦten ist, vnd noch nit vßgestuͥret mit guͦte [...] zu der e.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1594
/
1630
):
und die kinder, so noch under des vaters ruoten, spys und trangk gehörend, ouch one ir vorwüssen und willen schulden machtend, [...], das alles sol kain craft nit haben.