rute,
die
;-Ø, -n/-n
;rütlein,
das
;–/-Ø
.1.
›wachsender Teil einer Pflanze; Spross‹; speziell: ›Ast, Zweig‹; ›junge Pflanze‹ (dies offen zu 2); im Plural auch: ›Dickicht‹; ›Strauch‹; mehrfach ütr., dann z. B.: ›dünner Strich‹; ›Rauchfahne‹; in biblisch-genealogischen Kontexten: ›Abstammungslinie König Davids‹; diminutiv speziell auf die Jungfrau Maria sowie auf die Jünger bezogen.Syntagmen:
j. ruten nemen, die ruten auf das feld werfen, in weinberge tun, die ruten des erbes erlösen, ein gewächs rütlein gewinnen
; j. jn. r. nennen, seine jünger als ruten pflanzen
; eine r
. (Subj.) aufgehen / stehen / wachsen, in die erde gezwungen sein, (von Jesse anbegin) erspriessen, zwischen wurzel und frucht stehen, die ruten teil des baumes sein
; eine blüte
(Subj.) aus der r. erspriessen, eine figur
(Subj.) sich in eine r. wandeln, j. jn. in die ruten füren, etw
. (Subj.) von einer r. auserkoren sein
; die r. Jesse, der wurzel Jesse, der jugend, des holzes
; eine r. mit ästlein / nebenzweigen, vom stam (Jesse), von elfenbein (geschnitten)
; die bärende / blühende / edle r
.; im Diminutiv: j. rütlein biegen / gewinnen / nemen / spalten
; die rütlein
(Subj.) vereint werden
; Maria ein rütlein sein
; etw. in einem rütlein vereint werden, aus rütlein gemacht sein
; das rütlein aus der wurzel Jesse
; das dünne / natürliche / zarte rütlein
.Wortbildungen:
rutenfest
Belegblock:
Jsaias tzuweylen sagt er klerlich, Christus werd ein kuͤnig seyn. Darnach nennet er yhn eyn Rute unnd blume vom stam Jesse.
VND ES WIRD EINE RUTE AUFGEHEN VON DEM STAM Jsai / vnd ein Zweig aus seiner wurtzel Frucht bringen.
[Kali] ist ein brauschelechts dickes gewaͤchß / welches vil dünner rüetlein gewinnet [...]. Das ander gewinnet auch vil stengelein.
,Von Jesse an beginne | Sal entspriezen ein ruᵉte,‘ | [...] | ,Uz der rute ein bluete, | Uf der die Gotis guete | Wirt wonen geistlicher macht‘.
Dv irlostist dy ruthen dynes erbis.
Rutlein. virgula. oder straym des rouchs oder iũckfrewlein.
nemet ein glichnisse an eime boͧme, an dem vil kleine zinkelin in eime ruͤtelin vereinet werdent vnd vil ruͤtelin in ein ast.
Flagellũ, dimi. ein kleins zwickle / ruͦtle / knebele / daran die bollen wachßẽ.
und in der arche warent drú ding: da waz inne hymel brot und únseres herren e un ain ruͦte.
Die sechst form ist ein vnguentum vnd heisset marciaten: 6.) [...] roris marini, lorberbletter, ruten, iegklichs j lib., salbinenbluͦst.
die selb figür sich wandeln thuot | vil schon in des holzes ruot.
machend sy [garten krútter] nider rúscht mit rǒren und werffend dar uff ruͦtten und abgeschnaittott ryß.
Die theil des baums sind / die blaͤtter / blu / frucht / naͤstlin / rind / ruten / schelffe / wippel.
wer ain klainez gärtel oder rüetel nimet von dem haselpaum und spalt ez [...] und legt diu zwai tail vonenander [...], sô gênt si wider zuo enander.
Ein bagetta oder rutten von helffenbain geschnitten mit seinen nebenzweyg oder ästlein.
O Maria du bist das Ruͤttlein zarte, | Auß der wuͤrtze Jesse von edler arte.
da wolt er sein pei seinen jungern an seiner lësten zeit, die er gepfhlanczet het als die rüten von seiner jugent.
Luther, WA ;
Schmidt, St. Kastorst.
2, 276, 11
; Sermon Thauleri
13ra, 5
; Bindewald, Texte schles. Kanzl.
51, 37
; Spechtler, Mönch v. Salzb.
6, 19
; 2.
›als Werkzeug genutzter Holzstab, Holzstock unterschiedlicher Beschaffenheit und Zweckbestimmung‹ (allgemein); im Einzelnen: ›dünner Ast (als Bau- und Bindematerial)‹; ›Angel‹; ›Wünschelrute‹; ›Viehtreiber‹; ›Peitsche‹; ›Geißel‹; ›Signum der Macht‹ (von ruten
aus Holz oder Edelmetall); dazu speziell: ›Priesterstab, der Stab Aarons und Moses‹.Phraseme:
rute und apfel
›Zuckerbrot und Peitsche‹; dürre ruten beschaffen
›eine Aufgabe nur unzureichend erledigen‹; mit zwei ruten geschlagen sein
›doppelt gestraft sein‹; j. mit seiner eigenen rute geschlagen werden
›mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden‹.Syntagmen:
j. die r. beischaffen / empfangen / fürchten / machen / stossen, gehen lassen, singen hören, in der hand haben, in die erde zwingen, jm. die r. drohen, auf den ars machen, ruten nemen, auf etw. zerschlagen, in etw. werfen
; die r
. (Subj.) blühen / fruchten / grünen
(bezogen auf das Stabwunder), etw. bedeuten, gehorsame kinder machen, kindern kein bein brechen, zu einer schlange werden
; etw
. (Subj.) aus ruten gemacht sein, erkundigungen
(Subj.) mit der r. geschehen, j. mit der r
. [wohin] reichen, schätze suchen, jn. mit der r. durchjucken / freilassen / hauen / schwingen / strafen / treiben / verschmähen / züchtigen / zwingen, in not bringen, zu tode schlagen, jm. mit der r. leid tun, mit der r. das pferd schlagen, schafe treiben, das bürgermeisteramt übergeben, jn. mit ruten abbutzen / absolvieren / aushauen / quälen, j. wieder die r. treten
, Amor
(Subj.) jm. hut / keusche / scham / stete unter ruten geben
; die r. Aarons / Moses, der stat, der künste
; die birkene / gute / gütige / haselne / minnigliche / priesterliche / richtliche / scharfe / silberne / väterliche / zähe r., starke ruten
; die aussteigung der r., die ausstreichung der ruten
.Wortbildungen:
ruten
rutensamlung
rutenschlag
rutenstiel
rutenstrafe
Belegblock:
Vnd geüst dein bluͦt gantz miltigklich | Durch ruͦtschleg, gaisel, dorenstich.
men ne sal nene rudene tune hir negest tunen binnen der stad.
Swer sinen knecht oder sine Dernen mit Ruͦden Sleit zuͦ tote [...], her ist ir scuͦldich.
Sind halb prediger in domo, zornige und freundliche wort, Rut und apfel.
die Hütte [...] hatte [...] die lade des Testaments / allenthalben mit gold vberzogen / in welcher war [...] die rute Aaron / die gegrünet hatte.
Schlug sie mit eim ruͤtlein jhr Ruͤcken / | Da sie sich anfiengen zu buͤcken.
Ebd.
318, 1799
: Sein Obermann hat jeder Herr / | Der jhm drawet diselbe Ruth / | Da er dem andern leid mit thut.
Amor gaf om onder roeden | Cuysch, Scheymd, Stede und Hoeden.
[der scholtes sall] die perd uf den hof [...] mit der richtlichen roden schlaen.
van der bruggen up den stein ther moelen wert sich utreickende so weit von der bruggen, als der frone, [...] mit der roden reicken kan.
so sal der burgermeister [...] dem nuwen [...] burgermeister [...] dat burgermeisterampt mit der stat silveren roeden [...] oevergheven.
Eynen mestere sal me ere biden, und syne roden vruchten.
got sleicht manchen mit sinre eigener roiden die he doch eime anderen gemaicht hait.
da solches vernommen [...] wird, sollen sie [förster] am leib mit anstellung des prangers und ruthen ausstreigung gestraft werden.
Doch bringen ich in (in) soliche not | bit geiseln vnd bit ruden.
Dingt man einen hirten, [...] so soll, der ihn fürtreibt, [...] die ruten, damit er treibt, in einer hand haben.
Moises rudde zu einer slangen wart: | darnach gab sie sich yn eyns hulczes art, | darumb die rude gegrunet hat.
Eine scharffe ruthe [...] macht frōme gehorsame kinder [...] Ap du es
[das Kind]
mitt gertten haẇest, es stirbt nicht dau̇on. Uber dits alles Christus [...] die laster der breut mit einer gütigen ruten ernstlicher strafet.
Solches wil Gott haben / vnd er lasse gleich die rute gehn wie er woͤll.
Dergleichen sind bereitet dem | Narrn rhutenschleg auff sein rucken.
Des narren muͦß ich warlich lachen, | Der vff syn eigen arß kan machen | Ein guͦtte, zeche, birkin ruͦt.
Virgindemia, Die ruͦten samlung.
ein rüetlin [...] dir [...] dein rucken abschlahen wird.
Nu sol man hie betúten | Den ungelerten lúten | Der dúrre ruͦte bischaft.
Die ruͦt betút [...] | Das Aaron soͤlte wesen | Ain bischoff der alten ee.
wenn einer den andern liblos tät, so [...] werde also einer mit zwei ruͦten geschlagen.
und alle andere mittel, dan die ruͦten und angelschnuͦr, verboten worden.
rutenstiel / m. Le manche des verges Virgarum manipulus.
Desgleichenn hettenn die von Ullm gen Augspurg ettlich thonen bulver geliechenn, die warenn auch vor der statt Ullm fundenn, das sie mitt irer aigenn rutenn geschlagenn wurdenn.
wie in der pfaff mit rueten hab abgebutzet und absolvirt.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
447, 25
; Luther, WA ;
Thiele, a. a. O.,
31, 423
; Skála, Egerer Urgichtenb.
222, 6
; 7; Gille u. a., M. Beheim
97, 85
; Williams u. a., Els. Leg. Aurea
157, 16
; Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Lindqvist, a. a. O.
436
; Rennefahrt, Zivilr. Bern ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 384, 44
; Winter, Nöst. Weist. ;
Rwb (auch für weitere Ausdifferenzierung);
3.
›Stange einer bestimmten Länge, die als Messinstrument verwendet wird‹; ütr.: ›Längen-, Flächen- und Raummaß‹; Spezialisierung zu 2.Zur Sache:
Kahnt u. a., Alte Maße [...].
.1987, 260
Phraseme:
einen schatten mit einer krummen rute gerade machen wollen
›keine Gerechtigkeit erfahren‹.Syntagmen:
etw
. (Subj.) x ruten breit / herdan
›von einem Ort her‹ / lang / weit sein, j. die r. gebrauchen / tragen
, [wo] haben, mit bestimter länge haben, jm. geben, die zehente r. an äckern im zehent geben
; eine r
. (Subj.) x joch / fus / schu (lang) sein, x ellen in der länge / breite / höhe behalten, im quadrat x stein fassen, etw. abmessen
; die niederländische meile 1000 ruten befassen
; dreissig der ruten einen morgen behalten
; j. auf x ruten x fuder mist haben, etw
. (z. B. den acker, die glocke, die fässer / grundstücke / steinwege
) mit der r. eichen / messen / überschlagen / verdingen, nach der r. eine vierung visier halten
›etw. entsprechend der rute
eichen‹; die r. der stat, x ruten acker(s) / erbe(s) / (kalk)stein / weins
; die r. im dom, von gold
; die falsche / gevierte / stäte
(›rechtsgültige, verbürgte‹; vgl. , Adj., 4) / vierkantige r
.; x hufen ane x ruten, x schilling für x ruten
.Wortbildungen:
ruten
rutenmas
Belegblock:
do daden de doimheren binnen Coellen ir nuwe groisse clocke hangen [...]. ouch wart si geicht mit der stede roden, dat si me hielte dan 4 voedericher vas.
das alle wein, so inquemen, am kranen und pforzen sulten geroedet und versiegelt werden mit veirerlei wachs, roit, gel, groin und swarzs, daran sulten die schreder erkennen, was [...] dissem oder dem, zu und ab, gefuirt wurde.
Und welcher gemeindsmann sein ihn vorgezeichnete rutenmaß nicht gebührend außhebt, der solle 2 pfund heller straff erlegen.
Die sechste kunst, ich tu bekant, | Geometria was genant. | die truk ein rut von golde rot, | damit sie sich zu meßen bot.
Uff 4 rutten, das ist 4 rutten lang und eine rutte breit, mus man ein gutt fuder mist haben.
und muest iederman vor seinem haus pflastern ain ruet herdan von seinem haus.
sunste wirt er geleich als der den schaten mit einer krũmen ruͦt gerehen machen will.
Ein ding embsig vnnd fleissig besichten / außmessen vnd rechen / darzu werden besondre Jnstrument vnnd ruͤtten gebraucht.
so Er darumben ersuecht wirdet, alles Getrannckh nach der ruetten, wie sich geburt, visier gehalten werde.
4.
›Züchtigungsinstrument‹; davon kaum trennbar: ›Strafe, Züchtigung‹; tropisch zu 2.Syntagmen:
got
(Subj.) eine r. schicken, j. jm. eine r. schicken
; j. sich r. nennen
; die r
. (Subj.) jn. strafen, durch die leute kommen
; das schwert gottes
(Subj.) eine r. sein
; j. jm. eine r. sein, jn. als r. brauchen
; got
(Subj.) als eine r. gericht bringen
; j. in die r. fallen
; die r. gottes, der pestilenz
; die gewaltige / götliche r
.Belegblock:
So ist das schwerd Gottis rute und rache uber sie.
WEr SEINER RUTEN schonet / der hasset seinen Son.
Ebd.
29, 15
: RUTE VND STRAFFE gibt Weisheit.
Attil / welcher sich ein Rutten vnd Geissel Gottes nennete.
Ebd.
169r, 39
: vnd hertzlichem Gebet GOtt dem HErrn begegnen / vnd in die Rute fallen.
secht wie got braucht ge richt | Den türken früe vnd spate | als sein rutten [...] | [...] | vns da mit zu züchtigen.
Durch disse lut kum die ruͦt der pestilentz vnd erdbidem.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 75
; Niewöhner, Teichner
406, 54
; 5.
›(elterliche) Macht, Verfügungsgewalt über jn., Vormundschaft als rechtsgültiges Mittel‹; Ütr. von 2.Phraseme:
unter der rute sein
›geknechtet werden‹; unter der rute der eltern bleiben
›von den Eltern abhängig bleiben‹; j. aus der rute des vaters wachsen
›unabhängig werden‹.Belegblock:
Die fromen schlecht er [Gott] mit dem fuchs schwantz. und ist aller erst die mütter rute.
Das auch vielleicht were geschehen / | Wenns solt nach vnserm willen gehen / | Vnd nicht einander ohn vermuthen / | Vns vnterworffen seiner ruthen.
die [tire] gab gott all under des menschen rut.
vnder der Ruͦten sein.
der [...] noch vnder sins vatters vnd muͦter ruͦten ist, vnd noch nit vßgestuͥret mit guͦte [...] zu der e.