sang,
der
;-es/-e
+ Uml.1.
›Gesang, Lobgesang‹; im Einzelnen: ›Gesang der Engel‹ (Gesang, der den Klangraum aufspannt, in dem die Engel gemäß ihrer Hierarchie die Himmelfahrt Christi oder Mariens begleiten); ›Jubilus, der Gesang, den die Engel zum Lob Gottes erschallen lassen‹; daran unmittelbar anschließend: ›menschlicher Freudengesang, Lobgesang, den der Einzelne ggf. als Ausdruck seiner mystischen Erfahrung und im Einstimmen in den Engelsgesang erklingen lässt‹; ›Chorgesang als Teil der Liturgie der Heiligen Messe und des Stundengebetes‹ (im Unterschied zu 2 als das allgemeine Singen im liturgischen Kontext verstanden); häufig in der Fügung der neue sang
: ›das neue Lied, das Menschen (z. B. Adam, die klugen Jungfrauen), auch Engel als Antwort auf Gottes Heilswirken im Alten oder Neuen Testament und zum Lob Christi anstimmen‹ (vgl. Psalm 149).Gehäuft älteres und mittleres Frnhd., Belegung insgesamt im späteren Frnhd. auslaufend; Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Phraseme:
der neue sang
›das neue Lied‹.Syntagmen:
die jungfrauen einen s. singen, die selen
(Subj.) got einen s. singen, eine schwester
(Subj.) in dem chor den s. sinken lassen
; der s
. (Subj.) ewig sein, den lobgesang bezeichnen, aus dem grunde hoch gehen
; die engel
(Subj.) mit s. auffaren, j
. (z. B. die engel / potestates
) mit s. jubilieren
, die tröne
(Subj.) Maria mit s. warnemen, die engel
(Subj.) Christus mit s. zu füssen fallen, j. zu dem s. auferstehen
; der s. des lobes
(gen. objectivus), der s. / die sänge der engel
(gen. subjectivus); der süsse / wonnigliche s
.; das süsse getöne des sanges
.Wortbildungen:
sanglich
sangweise
Belegblock:
Sie [die engel] betten all in einen [Cristus] an | mit sunderlichen gruzen | und vielen im zun fuzen | mit lobe und mit sange.
Do Adam daz cruze sach | in Jesus Cristes henden | in zu der helle wenden, | do rief er lute disen ruf: | „[...] | [...] singet gote nuwen sanc, | wend er hat wunder getan.“
Sant Johannes sach ein lamp stân ûf dem berge Syon [...] und hâte bî im stânde hundert vier und vierzic tûsent [...] juncvrouwen und sungen einen niuwen sanc, den nieman gesingen mohte dan sie.
de heilge engel quamen | unde croinden de selen
[der elftausend Jungfrauen]
algeliche | unde voeren up zo hemelriche | mit groisser vreuden unde mit sange. Got thuͦt mir guͦts, daß ich bei tag | Sein gnad empfindlich spuͤren mag, | Dafuͤr bei nacht sein ehrenzier | Sangweis gefuͤret wirt von mir.
ßo prufe auch der seitten klangk, | das da ist ein susßer sangk!
min sank was ewik von der meit, | durch die dem menschen leben teit: | min don der sluk und brach die luft, | biß das ich in der herzen gruft | lokte got, als es im zam, | und menscheit von der meide nam.
Sancliche waren mir dine rechtikeide in der stat mines enelendes.
Vber die engel sante vnser herre daviten mit siner harfen vnd alle die harfer von dem himelischen ierusalem; die brachten die sele alle von ir lichnamen mit irme suzem sange.
dannen gedenke ich vf den himel an die wunderlichen schone der engele, wie sie alle stunde gote singen den svzen sanc.
der [engel] dinst, wille und werk | ist ein teil jubilus | ze loben den sußen Jesus. | Wer saget uns von dem neuwen sanch, | des susen don und wunnenklanch | neur junchfravn singen.
Jesus ist oren suezzer sang, | nie süezzer don in oren klang.
Und geviele das eine swester stuͤnde in dem kore und súnge und befúnde das das si Got manete [...]: si solte den sang lossen sinken unde volgen Gotte und losse die anderen gar vaste singen. [...]. Der sang us dem grunde der gienge gar hoch.
Der sang der do beschiht bezeichent den froͤlichen lobesang mit dem die engel Cristum zuͦ himmel fuͦrtent
(offen zu 2). Als sú [die Potestates] do das vernament, | Gegen ir [Maria] sú balde kament | Mit sange jubilieren, | [...] | Alse sú wol kundent alle, | Mit lobe sanges schalle.
Die Throͤne kament och zehant, | Do in ir
[Marias]
komen wart bekant, | [...] | Gen ir sú schone kament | Und war mit sange nament. | Sú sprachent mit gedoͤne. durch dich
[den Heiligen Geist]
hant stimm der engel seng.2.
›liturgischer Gesang, Messgesang, geistliches Lied, Kirchenlied‹; auch als pars pro toto: ›Gottesdienst, Messfeier‹.Vorwiegend Texte aus dem Umfeld der Organisation von Liturgie und Kirchenmusik.
Syntagmen:
j. einen s. singen
, das domkapitel
(Subj.) den s. legen
›die Messfeier untersagen‹; ein s
. (Subj.) [wie, wo] sein
, der s. auseinandergezogen / fruchtbar sein
; die lateinischen worte
(Subj.) der s. sein
; j. x schilling um den s. geben
; ein s. der betrübung
; der s. mit einer jubilation, zu
[+ Name einer Kirche]; der gemeine s
.; die kunst des sanges
.Wortbildungen:
sangbuch
sanggeld
sanghaber
sanghammel
sangherre
sangkorn
sangleger
sangmesse
sangnote
sangwein
Belegblock:
Das schloß up der orgel ußgerissen und zerbrochen, die bare und pulpt zerbrochen, [...] ein Sangkbuech ist weggenommen von der Orgel.
Vnd ists auch noch wol werd, das er bey vns ein gemeiner sang odder rhumspruch sey, so offt wir aus noͤten erloset werden.
Henken van Diest gesant zu Colne [...] umb den sanck zu Se(n)t Cornelius mu(n)st(er) geg(even) 16 Schilling.
weist der sender, das ein itwider haus in der pfaren Loich dem pastoir jairlich an haber schuldig sey 1 sumber, welche haber genant wird die ,sankhaber‘; ebenmessig ist jeder raedt ein sumber haber schuldig, genant die ,bigthaber‘.
ob not beschehe soll die gemeyne daselbst taufbücher bestellen, so soll die kirch ob noth were, sangbücher bestellen.
sangnoten machen.
Ach lieber gott, wie jemmerlich kompt die arme stadt von ihrer freyheit! Dis geschach under der ersten sanckmesse nach dem evangelio vor der stilmesse.
Hernach volgen die bucher, so auch in der sacristey sint: [...] Ein pirgamens sankbuchlein, [...], mit weissen leder halb uberzogen.
Do von so singet man in dem anefange der messen einen sang der betruͤbunge: ,Circumdederunt me‘.
wann in dem vnd annderem aͤinhelligs gesanck dem Herren aygeneme ist, vnd dissonantze oder irrsal zu uermeiden sind, dauon gepieten wir, daz ir ewr sanckpucher lasset corrigiern vnd gleich oder ainhellig machen.
Auch ist zwͦ merkchen daz wir im ampt der mess [...] nuzzen dreyerlay (sprach): chrıͤchischen, ebrayschen und latein [...]. Die latein wort sind die epistel, ewangelii, pet und der sankch.
Ebd.
162, 25
: Auch wıͤrt gesungen daz offerent wann man opphert zwͦ einer gedechtnuͤzz der freͦwd dez volkch von Ysrahel [...]. Der sang auz einander zogen ist und ist fruchtpaͤr mit versen, recht sam mit einer langen jubilacion
(melismatischer Gesang zum Offertorium). der pfarrer zu Wamasfeld sol haben ain sankherrn von ainem sand Jorgen tag auf den andern. darumb hat ain ieder sankherr in der ganzen (gemain) von eim ieden haus [...] jarlich 1 virtail habern.
3.
›Lied, Gesang, Musikvortrag, Melodie‹ (Liedvortrag weltlichen Inhalts, z. B. durch Spielleute); als Zeichen der Ferne von einem religiösen Leben teils negativ bewertet; positiv im Kontext höfischer Kultur: ›höfisches Lied, Minnelied‹; häufig im Orientierungsfeld mit 2, , 1
1, 5.Syntagmen:
j
. (z. B. die meister / pfeifer / spielleute
) den s. füren, die königin
(Subj.) den s. vernemen
; j. dem s. gegeben
›ergeben‹ sein
; j. der frauen lob mit s. bänken, die törichte jungfrau
(Subj.) jn. mit s. durch die oren lassen
.Wortbildungen:
sanggezeug
Belegblock:
Unde waz he [ein monich von den barfußen orden] sang, daz songen di lude alle gern, unde alle meister, pifer unde ander spellude furten den sang unde gedichte.
Der provincien [Famul] inwoner dy dinen alle den abgotin [...] unde sint alle mit luste bevangin unde gegebin der ytelkeit und der hobischeit und deme sange unde seytin spyl und pfyfin.
nu spricht diu alt geschrift, daz der künig Porus derlai stain [Achat] ainen trüege an dem vinger, der wær sô schœn, daz neun saitenspil oder sanchgezeug dar ein gegraben wæren.
gesangdon uel sangspil [...] sayttenspil [...] sangdon.
Elisabell dye küniginne | sein [Persibein] sannck het wol vernumen. | [...] | zúe hanndt dy súesse mynne kam | vnnd thet ir hertz zu verche gar verhawen.
4.
›Gesang von Vögeln‹ (markiert die ästhetisch angenehme Auszeichnung eines Ortes als locus amoenus oder der anbrechenden Heilszeit); in 1 Beleg unterschieden vom gemeinen schal
aufgrund seiner Qualität der Süße; auch: ›Hahnenschrei‹.Belegblock:
Fruͤe stehets [ein Vogel] auff, setzt sich etwo auff einen zweig und singet den sang, den es gelernet hat.
is ist eins meyen tyt, | [...] | ein vogel den anderen gruͤest | met also rechten, suessen sanghe.
ir wizzet nicht wanne der herre des hûsis kuͦmet: spête odir zuͦ mitter nacht odir zuͦ des hanen sange
[
zuͦ dem hanen kreenMentel
1466: ; Var. 1470-1490:
hanenkreú;
hanen gschreyFroschauer
1531: ;
HanenschreyEck
1537 / Luther
1545: ]
odir vruͦ. die lerchen mit dem guge, | der us lat in gemainen schal, | so dú liep nahtegal, | buͦchvinken, zinsel, distelzwank | erschellent, singent súessen sank.