ruder,
das
;
vereinzelt
der
;
–/-Ø
.
1.
›Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes, Bootes; Steuerruder‹; meist bildlich; dann speziell auch: ›Person, Sache, Vorstellung u. dgl., die jn. (wohin) lenkt, steuert, jm. Halt gibt‹; zum Teil nicht klar abgrenzbar von 2.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
ane ruder über den Rhein faren
›etw. Leichtsinniges, Riskantes tun‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. 8, , .
Syntagmen:
das r. füren / halten / umkeren, der sele senden, in der hand füren, in die hände nemen
;
das r
. (Subj.)
jn. gen helle füren
;
j. ein r. sein
;
ein schif
(Subj.)
ane r. sein, mit dem r. lenken / umkeren
;
das r. der bescheidenheit, des lebens
;
das kleine r
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jak. 3, 4
(
Wittenb.
1545
):
Sihe / die Schiffe / ob sie wol so gros sind / vnd von starcken winden getrieben werden / werden sie doch gelenckt mit einem kleinen Ruder / wo der hin wil / der es regieret.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
si
[die Hl. Jungfrau]
ist den weisen ein adelmuder, | si ist ein schif und ouch ein ruder | und ein adelanker zu der not.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10962
(
rib.
,
1444
):
Genaden vol, du Godes moder, | [...] | Beware also myns levens roder | Dat ich zo Gotz Genaden kome.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
man bedenckt aber nicht / daß der schmertz hierinnen
[bei Aussagen, die unter Folter erfolgen]
das Ruder fuͤhret.
Gajek, Seidelius. Tych.
8, 24
(
Breslau
1613
):
Es [das Lebn] fuͤhrt ein Ruder in der Hand / | Als wen es Regier alle Land.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
9, 56
(
Nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
als ein schyf in den fluchten des mers ist an ruder, also wirt er getriben, gestoßen und geworffen in die anfechtigung aller sunde und missetat.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
volge mir; ker din ruͦder umbe; ich wil dich fuͤren und wisen uf ein wunnekliche vart.
Lemmer, Brant. Narrensch.
108, 138
(
Basel
1494
):
Zuͦm stad der wißheyt yeder yl | Vnd naͤm den ruͦder jnn die hend | Do mit er wiss / wo er hyn lend.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
375
(
schwäb.
,
1453
):
Mich duncket wol an diner gestalt, | Und werst du nit der jar als alt, | Du fürst aͮn ruͦder über Rin.
Niewöhner, Teichner
300, 36
(
moobd.
,
1360
/
70
):
geytichait daz sechst rueder | daz vil sel gein hell fuͤret.
Vetter, a. a. O. ;
Thiele, Minner. II,
12, 287
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 114
;
2.
›Gerät (Stange mit Ruderblatt, zum Abstoßen usw.) zur Fortbewegung, zum Antreiben eines Schiffes‹; eng anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
2
, ; vgl. .
Syntagmen:
ein r. in der hand haben, ein schif
(Subj.)
x ruder haben, j. die ruder beseits legen
;
am r. ziehen, an den rudern arbeiten, an dem r. zu sich ziehen, mit dem r. das eis brechen, mit rudern faren / ziehen
;
die ruder auf dem stadel
;
das mittere r
.;
die bewegung der ruder
.
Wortbildungen:
ruderbank
(dazu bdv.: ),
ruderbaum
›Balken, der zur Erzeugung eines Ruders geeignet bzw. für diese bestimmt ist‹ (a. 1451),
ruderer
,
ruderknecht
,
ruder|
1
laffe
›Ruderblatt‹ (Gw zu
1
4),
ruderloch
›Öffnung am Schiffsrumpf, durch die das Ruder geführt wird‹,
ruderschif
(dazu bdv.: vgl. , 1),
ruderseil
(dazu bdv.: 1, , ),
ruderstange
,
ruderzug
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
[ich] ließ Baͤnck dareyn
[Schiffe]
machen / da die Ruderer auff saͤssen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk. (
osächs.
,
1343
):
Und sach si erbeiten an den ruͦderen, wan der wint was en widerwertik.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Nauis actuaria Ruderschiff.
Remex Ruderknecht.
Gille u. a., M. Beheim
188, 1122
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Pey dem floss auff dem wasser tiff | da warn zwai wol verdeckter schiff. | Yglichs sechczehen ruder het.
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Ruderlaff odʼ das vorderteyl eins riemen. palmula.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Scalmus, Ein schiff brett / daran man die ruͦder bindet / oder ruͦderstang.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Aber zu förchten, das wir [Schiffleuth] bald werden vnsere Ruder vnd Riemen beseits legen vnd was anders anfangen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ruͦderbenck (die) Darauff man sitzt wenn man am ruͦder zeucht / Ziebenck. [...]. Ruͦderknecht / Die im schiff ziehen muͤssend. [...]. Ruͦderschiff, die man mit ruͦderen vnnd nit allein mit saͤglen fergket. [...]. Ruͦderung / Ruͦderzug / Das faren oder ziehen.
Ruderloͤcher [...] Troses par les rames.
Klein, Oswald
18, 14
(
oobd.
,
1416
):
koch so was ich doch und marstaller, | auch an dem rüder zoch ich zu mir, das was swër.
Bremer, Voc. opt.
28065
(
mbair.
,
14.
/
15. Jh.
):
Struppus bandseil laitsail zugseilband [...] rudersayl [...] Struppus(/-pi) est funis, quo remus alligatur naui, ut equaliter dependeat versus aquam.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1483
):
ettlich lántzenschäfft vnd rueder auf dem stadel.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
40, 12
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
wenn die vischer das eys auf dem winkchel zw Muschaw [...] mit einem mittern rueder brechen mugen, so sullen se vischen.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Schwimmhaut‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
469, 6434
(
Magdeb.
1608
):
Er [Storch] kan [...] | [...] | Nicht schwimmen / vnd tauchen geschwind / | Weil seine Fuͤß ohn Ruder sind.