ruder,
das
;der
;–/-Ø
.1.
›Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes, Bootes; Steuerruder‹; meist bildlich; dann speziell auch: ›Person, Sache, Vorstellung u. dgl., die jn. (wohin) lenkt, steuert, jm. Halt gibt‹; zum Teil nicht klar abgrenzbar von 2.Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
ane ruder über den Rhein faren
›etw. Leichtsinniges, Riskantes tun‹.Syntagmen:
das r. füren / halten / umkeren, der sele senden, in der hand füren, in die hände nemen
; das r
. (Subj.) jn. gen helle füren
; j. ein r. sein
; ein schif
(Subj.) ane r. sein, mit dem r. lenken / umkeren
; das r. der bescheidenheit, des lebens
; das kleine r
.Belegblock:
Sihe / die Schiffe / ob sie wol so gros sind / vnd von starcken winden getrieben werden / werden sie doch gelenckt mit einem kleinen Ruder / wo der hin wil / der es regieret.
si
[die Hl. Jungfrau]
ist den weisen ein adelmuder, | si ist ein schif und ouch ein ruder | und ein adelanker zu der not. Genaden vol, du Godes moder, | [...] | Beware also myns levens roder | Dat ich zo Gotz Genaden kome.
man bedenckt aber nicht / daß der schmertz hierinnen
[bei Aussagen, die unter Folter erfolgen]
das Ruder fuͤhret. Es [das Lebn] fuͤhrt ein Ruder in der Hand / | Als wen es Regier alle Land.
als ein schyf in den fluchten des mers ist an ruder, also wirt er getriben, gestoßen und geworffen in die anfechtigung aller sunde und missetat.
volge mir; ker din ruͦder umbe; ich wil dich fuͤren und wisen uf ein wunnekliche vart.
Zuͦm stad der wißheyt yeder yl | Vnd naͤm den ruͦder jnn die hend | Do mit er wiss / wo er hyn lend.
Mich duncket wol an diner gestalt, | Und werst du nit der jar als alt, | Du fürst aͮn ruͦder über Rin.
geytichait daz sechst rueder | daz vil sel gein hell fuͤret.
2.
›Gerät (Stange mit Ruderblatt, zum Abstoßen usw.) zur Fortbewegung, zum Antreiben eines Schiffes‹; eng anschließbar an 1.Syntagmen:
ein r. in der hand haben, ein schif
(Subj.) x ruder haben, j. die ruder beseits legen
; am r. ziehen, an den rudern arbeiten, an dem r. zu sich ziehen, mit dem r. das eis brechen, mit rudern faren / ziehen
; die ruder auf dem stadel
; das mittere r
.; die bewegung der ruder
.Wortbildungen:
ruderbank
ruderbaum
ruderer
ruderknecht
ruderloch
ruderstange
ruderzug
Belegblock:
[ich] ließ Baͤnck dareyn
[Schiffe]
machen / da die Ruderer auff saͤssen. Und sach si erbeiten an den ruͦderen, wan der wint was en widerwertik.
Pey dem floss auff dem wasser tiff | da warn zwai wol verdeckter schiff. | Yglichs sechczehen ruder het.
Ruderlaff odʼ das vorderteyl eins riemen. palmula.
Scalmus, Ein schiff brett / daran man die ruͦder bindet / oder ruͦderstang.
Aber zu förchten, das wir [Schiffleuth] bald werden vnsere Ruder vnd Riemen beseits legen vnd was anders anfangen.
Ruͦderbenck (die) Darauff man sitzt wenn man am ruͦder zeucht / Ziebenck. [...]. Ruͦderknecht / Die im schiff ziehen muͤssend. [...]. Ruͦderschiff, die man mit ruͦderen vnnd nit allein mit saͤglen fergket. [...]. Ruͦderung / Ruͦderzug / Das faren oder ziehen.
Ruderloͤcher [...] Troses par les rames.
koch so was ich doch und marstaller, | auch an dem rüder zoch ich zu mir, das was swër.
Struppus bandseil laitsail zugseilband [...] rudersayl [...] Struppus(/-pi) est funis, quo remus alligatur naui, ut equaliter dependeat versus aquam.
wenn die vischer das eys auf dem winkchel zw Muschaw [...] mit einem mittern rueder brechen mugen, so sullen se vischen.
‒
Vgl. ferner s. v. .3.
›Schwimmhaut‹.Belegblock:
Er [Storch] kan [...] | [...] | Nicht schwimmen / vnd tauchen geschwind / | Weil seine Fuͤß ohn Ruder sind.