ruchlos,
rolos,
Adj.;
nrddt. und md. auch
rauchlos
;
zu
mhd.
ruochelôs
›unbekümmert, sorglos‹
().
›ohne Ehrfurcht, Respekt vor Bezugsgrößen, die als werthaft, bedeutsam, in normativer Hinsicht verpflichtend erachtet werden‹; im Einzelnen mit je spezifischer, durch die Bezugsgröße beeinflusster Nuancierung: ›sorglos, unbedacht, unachtsam‹; ›ohne Sorgfalt‹; ›in übertriebener, gefährlicher Weise selbstsicher‹; ›leichtsinnig‹; ›skrupellos, gewissenlos‹; ›rücksichtslos‹; ›gottlos‹; ›sündhaft‹; ›(potentiell) böse, verbrecherisch‹; vgl. 1; 2; 1; 2, (Adj.) 5.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 4, , 1, 3, 6, , , ; vgl. , 3.
Syntagmen:
das auswendige leben
(Subj.)
r. bleiben, j. jn. r. jagen, ein werk r. machen, jn. r. befinden
;
j. / etw
. (Subj.)
r. dahingehen / leben
;
der ruchlose haufen / sin, das ruchlose leben, die ruchlosen christen / leute
; subst.:
die ruchlosen
(Subj.)
die lere hassen
.
Wortbildungen:
ruchlose
›Unachtsamkeit‹ (dazu bdv.: vgl. 2),
ruchlosen
›sich auf gewissenlose Weise verhalten‹,
ruchlosigkeit
hier ›Sorglosigkeit, mangelnde Sorgfalt‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Wie ein rauchloses leben du ein zeitlang mit Fressen, Sauffen, Vnd Huren geführet hast, ist dir wol bewust.
Luther, WA (
1544
):
Denn es wird hie nicht gesagt von dem andern grossen hauffen in der Welt, die da [...] weder suͤnde noch gnade gar nichts achten, sondern dahin gehen, sicher und ruchlos, fragen nach keinem Gott, Himel noch Helle.
welche die warheit verachten und ruchlosen, kan der Teuffel nicht verfuͤren, Sie sind bereit sein.
Ebd. (
1530
):
ein boses gewissen kan nicht anders, was aber gar ruchlos leute sind, wolan die werdens ein mal auch finden.
Ebd. (
1531
):
Dohehr kommen die verechter, rohelose undt sichere leuthe, den schaden thut allein die vernunfft undt verfhuret die sichern leuthe also.
Ebd. (
1544
):
Aber weyl wir das wort nit gleuben, gehen wir dahin rohlos in sunden und schanden.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
manicherleie werk, dat gemacht wirt roiklois.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6883
(
rib.
,
1444
):
Want ich in dan roekeloys ind bitterlichen | Durch de hegge soulde yagen dapperlichen.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
51, 15
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Welcher aber so gar rauchlos und unvorschampt befunden, diesen unsern bitten und gepot vorechtlich widersein und fornen mit aufgedecktem oberkleit, rock ader mantel befunden wirde, der [...].
Böhme, Morg.R.
15, 8
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
O jhr Maͤnner ich schreye zu euch und ruffe den leuten / wie lange wolt jhr [...] ruchlosen die lehre hassen.
Bell, G. Hager
177, 3, 22
(
nobd.
,
1597
):
vnd wo mit klag | Eltren sint von rohlosen sinen, | Die / nach gott fragen nichte, | Die ziehen auf al hie | jre kinder ent wichte, | Das sie schant vnd spot sehen miesen recht | an inen.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
7, 18
(
Coburg
1626
):
die Verfolger der Kirchen / vnd die ruchlosen Christen / welche solches nicht achten / werden gleichen Lohn haben.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
wo der mensche dis nút in ime envindet, denne daz sin herze blibet ital und sin uswendig leben ruͦchlos, lachen und klaffen [...], das ist ein soͤrgklich ding.
Rieder, Gottesfr. (
els.
, Hs.
15. Jh.
):
do es
[das Kloster]
die von Altdorff ouch wol uff hundert ior geregieret hetten in sollicher unachtsamer ruchelosikeit und zerfallen und verwuͤstet was [...].
Thiele, Minner. II,
12, 439
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
nun ich sust fry unnd rochlas leben, | so kann ich nyemants finden | der mir zu wibe wol sin dochter gebenn.
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
65, 27
(
önalem.
,
v. 1478
):
Die regel gab er sinem vicario zuͦ haltende [...], vnd vnlang dor noch sprach er, daz er si von ruͦchlosi hette verlorn.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
3, 325,
Anm. 2;
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 13, 4
;
Voc. Teut.-Lat.
bb ijr
;