ruchen,
V.;
zu
mhd.
ruochen
›seine Gedanken auf etw. richten; Sorge tragen, sich kümmern; trachten nach‹
().
– Älteres Frnhd.; in der 1. H. des 15. Jhs. auslaufend.
1.
›auf etw. achten, etw. als wichtig, wertvoll, bedeutsam, bedenkenswert erachten (und entsprechend behandeln)‹; speziell auch: ›etw. (z. B. einen Brauch, Kult) pflegen, in Ehren halten, wertschätzen‹; refl.: ›sich um etw. kümmern, für etw. Sorge tragen‹; häufig mit Negation; in mystischen Kontexten speziell: ›sich e. S. enthalten‹; ›etw. lassen, sich frei von etw. machen‹ (dies tendenziell lexikalisiert; vgl. ); in 1 Beleg (s. u.
Bihlmeyer
) mit expletivem Subjekt: ›etw. jn. kümmern‹.
Bedeutungsverwandte:
1
2, 14, , 1; vgl. 2.
Syntagmen:
j. r
. (absolut, überwiegend mit Negation);
j. sich in e. S. r
.;
j. (sich) r., wer [...], was [...], wie [...], ob [...]
(u. dgl.);
j. e. S
. (Gen.obj., z. B.
des friedens, der kunst, der abenteuer / götter
)
r
.;
j. auf / nach / um etw. r
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Dan.
11, 37
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
den got sinir vetir wirt er nicht achten und wirt sin in begerunge der wibe, noch keinis der gote wirt er ruchen
[hier als Äquivalent zu lat.
curare
],
wen widir alle ding wirt er sich ufleynen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ich enruche uf der bosen haz.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Sie minnent got umbe iht anders, daz got niht enist. Und eht in wirt, daz sie dâ minnent, sô enruochent sie umbe got niht.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Enruoche ouch dich, swaz wesens oder wîse got iemanne gebe.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5058
(
rib.
,
1444
):
Als du dynen wech ouch neit en soeckes | Mit vragen noch zo gaen en roeckes.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
Und Jhêsus sprach zuͦ ime: „Ich wil en alsô habin blibende, biz ich kuͦme: inru̇che du dich!
[
Mentel
1466:
Was zuͦ dir?
; nd. Bibel um 1478 /
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545:
Was gehet es dich an?
]
volge du mir!“.
Gille u. a., M. Beheim
25, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nun sicht man mich uber die achseln an, | der meinen chunst wirt nymer hie geruchet.
Ebd.
82, 360
:
ja westend ir auch nit, wann ich | in meines vater dingen mich | must arbaiten und ruchen?
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
du soͤltist min als flissig sin und din selbs als unehtig, wenne du waist, daz mir wol ist, daz dich enruͦchti, wie es dir giengi.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1193
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wer got recht hat in dem müt, | Der enrücht sich, was die welt tüt.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
unruͦchsam sin zitlicher dinge uswendig und inwendig, aller zuͦ velle und in velle, was du wider in minnest oder meinest und dir doch in bilde, des enruͦche dich; las vallen, las varn; enruͦche dich.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Wärlich, fraw, nun enruͦcht, | Wer die stätt an eüch erfert, | Des huld ist eüch ye beschert.
Pfaff, Tristrant (
Augsb.
1498
):
all schweigende sitzend auff einem banck, und ruͦchten sich, wer wider oder für gieng, so stonden sy doch nit auff.
Die künigin [...] hett iren mitreiter Auctrat wider hynder sich gesendet umb ding, der er nit vinden mochte; sy enruͦchte auch, ob er nymermer wider kem.
Feudel, Evangelistar
6, 29
;
Hübner, Buch Daniel ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
;
2.
›seine Gedanken auf etw. richten‹; ›nach etw. trachten, verlangen‹; ›etw. suchen‹; ›etw. wünschen, begehren, fordern‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 2, 2; vgl. 15, 20, 1, (V.) 11, 9,
1
2, (V.) 3.
Syntagmen:
j. got, den schaden der feinde r., etw. zu wissen r
.;
j. des friedes, der brust der mutter, der abenteuer r
.;
j. nach got, nach dem schaz r
.;
j. r., wie
[...],
das
[...].

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Sô grôze vorchte ûf in wac, | daz er dâ vridis rûchte | unde gnâde sûchte.
Jostes, Eckhart
40, 27
(
14. Jh.
):
Ez sint einerhand leut, di ruchend got [...]. Di leut gent ze der messe und gebent ir almuzen, ir ander leben daz ist der werlt.
Gille u. a., M. Beheim
445, 143
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ab aim ain erb gevelt | an erbschafft, aigen ader gelt, | er rucht, wie es gewunnen sei | mit wucher, spilen, raben.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Daz du furbaz nacht unde dacg | Rucht nach dem schacz der in dir lag.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
schweiz.
1525
):
Im jubeljar Christi wirt geben | die recht freiheit des geists (merkt eben) | Und nit des fleischs die mancher suͦcht | des sin nach got gar wenig ruͦcht.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Do das kint [Jesus] zwai jar als was, | Vil gar von siner muͦter brust | Zoch es allen sinen gelust, | Das es ir nút me ruͦchte | Noch sugen me versuͦchte.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 125, 23
(
halem.
,
1508
/
16
):
die rüchen und uͦnderstuͦndent, den Eignossen das geschüz ab ze luͦfen.
Sappler, H. Kaufringer
8, 140
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mein herz das
[was der Gast sucht]
ser von ew geruocht | ze wissen hie an diser frist | in fraintschaft.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
90, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Wär ich entstrickt ock von ainem pandt, | damit ew̃r süesse minn mich hat gepunden, | ich ruecht der abenntew̃re, | wie die von mir wurd morgen überwunden.
Boos, UB Aarau ;
Primisser, Suchenwirt ; ;
Guth, Gr. Alex. .