rolle,
die
;
–/-n
.
1.
›Schriftrolle, Schriftstück; Urkunde‹; speziell auch: ›Statuten, Dienstinstruktionen‹;
zu 3.
Gehäuft rib.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , , 10, 1; vgl. 1, .
Syntagmen:
die r. aufsuchen / hören / lesen, besehen, ob [...]
;
die rollen
(Subj.)
aus der kanzlei kommen
;
j. laut rollen
[wo]
erscheinen
;
die alte r., die aufgerichteten / besiegelten rollen
.

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1572
):
Ob die alte rollen und ordnong, wie tirmhern und heubtleut mit den burgern in noitfellen gerust samen mochten komen, uffzusoichen.
Ebd. (
1585
):
das also ein alt copienboich aller statprivilegien und ein alt gescriben cronica der stat Coln und rollen und ander jura in siner zit aus der canzeleien weren komen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 5 (
mosfrk.
,
1565
):
ein scholteß von wegen des junkern und ein vogt haben rollen und register, also nach inhalt der register sich verhalten und heben.
Aubin, Weist. Hülchrath ; ; ;
Koeniger, Sendgerichte ;
2.
›walzenförmiger Gegenstand; Walze, Rad, Scheibe‹; speziell auch: ›Teil eines Flaschenzugs‹; ›Glocke, große Schelle‹; im Plural: ›Rollwagen‹;
vgl. 1; 2.
Phraseme:
durch die rolle faren / laufen
u. Ä. ›übel mitgenommen werden‹;
jn. durch die rolle ziehen
›jn. prüfen, läutern‹.
Bedeutungsverwandte:
1; 2; 3; 4, 2, 1, 1, ; vgl. 16.
Wortbildungen:
rolbank
›Folterbank‹ (a. 1596),
˹
rolbet
,
röller
˺ ›Bettgestell auf Rollen‹ (dazu bdv.: ),
rolgestel
›Unterbau eines Wagens‹ (a. 1537),
roller
›Kutscher‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
[er wil] solche leute, die zuvor wol durch die rolle gezogen
[hier wohl: ›Foltergerät‹],
versucht und gebrochen sind und solchs wissen und bekennen muͤssen.
Ebd. (
1537
):
Do hat er [Christus] durch die Rollen musßen lawffen, daß er unnß gleich wurde unnd zw helffen wuste.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1566
):
1 hulzen roltgin zum hantringe.
Hulsius (
Nürnb.
1596
):
Roll damit man ebnet.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
wie es der Roller oder Fuͤrman anschluͦg, also gieng es.
Goedeke, Fischart. Flöh Haz
632
(
Straßb.
1594
):
Ja laider, das seh ich zu wol, | Das wüst bist gfaren durch die roll.
Maaler (
Zürich
1561
):
In die Rollen oder scheyben werdend eyngefasset zwey raͤdlin die in jren zapffen rings vmbgen moͤgend. [...]. Rollen (die) Grosse schaͤllen so man den wagenrossen anhenckt. [...]. Rollen / Karren / Schlitten.
Roll [...] das ronde raͤdlein am Bronnen / darinn die Kerfe oder Seyl gehet. [...]. Roͤller [...] ein Bettlade / so in jeglichem stollen ein rollen hat / das man sie vort schuben kan / schubbet.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1478
):
vi petstaten. [...] i rolpetẹl.
Goedeke, a. a. O. Schiff/Kehrab
43
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v.
2
.
3.
›Rolle, auf die Stoffe aufgewickelt oder zu der Stoffe, Papier u. dgl. zusammengewickelt und gelagert werden‹; ›Spule für Draht‹; auch als Maßeinheit;
zu 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 5.
Wortbildungen:
rollemeister
›für die Tuchbleiche zuständiger Handwerker‹.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
9, 15
(
preuß.
,
1404
):
eine rolle berwers.
Ebd.
655, 5
(
1420
):
4 hanttucher uff der rolle, die man under die achseln sleet.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
51, 31
(
preuß.
,
1410
):
3 rullen hares.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
101, 4
(
Frankf./M.
1568
):
Den Drat [...] | Zeuch ich auff meiner Scheiben klein / | Mach Roͤllen Drat / Zin jn vnd Wid.
Ermisch, UB Chemnitz (
osächs.
,
1477
):
sal uns von iezlicher ganczer leymet x pfenninge [...]. wenne die auff die rolle bracht, von dem rollemeister zcu unnßers amptmans henden der pflege. darinne die rolle sein wirdet, gegeben werden.
Bastian, Runtingerb.
2, 177, 9
(
oobd.
,
1395
):
umb ain rollen zu ainem umbslag 4 Reinisch guldein.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
830
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 rollen zusamgewickelt allerley geferbt türckisch papir.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 245
.