riese,
der
;-n/-n
.1.
›streitbares Fabelwesen in Menschengestalt von außerordentlicher Körpergröße und übernatürlicher Kraft‹; häufig als aggressive, den Menschen feindlich gesinnte Gestalt der Vorzeit gedacht; in den Wortbildungen Tendenz zum Präfix mit verstärkender Funktion.Zur Sache:
Lex. d. Mal.
f.9, 727
Gehäuft literarische Texte.
Phraseme:
riese Eck
Spottname für Johannes Eck, Luthers theologischen Gegner, auf dessen vierschrötige Erscheinung hier (mit Anspielung auf den Riesen des heroischen Eckenliedes) Bezug genommen wird; vgl. .Syntagmen:
den riesen anfangen / beheben / bezwingen / darniederlegen, laufen lassen, Adam den riesen Seth gebären
; der r. / die riesen
(Subj.) schwarz, auf der erde, in allen landen sein, gräulich zu sehen, lang bis in die wolken sein, erschlagen liegen, hut bedeuten, berge unterstürzen, hergesprungen, in einem schif kommen, nur ein auge haben, nichts als fisch / fleisch essen, zwölf winde durch den mund lassen, wald und berg auf einen ort tragen, zur hut vor der burg, vor dem tor liegen / stehen, jn. begraben / davontragen / enteren / hinausnemen / verbrennen, gefangen nemen, jm. nachsteigen, auf jn. schlagen
; j. gros wie ein r. sein, als / wie ein r. ausziehen / laufen / springen, sich aufrichten, sich wie ein r. freuen
; j. sich einem riesen vergleichen
; j. mit riesen streiten, unter den riesen sein, von einem riesen sagen hören
; der arge / grosse / grosmächtige / starke, menschen fressende r
.; der magen, die beine eines riesen
; der held über alle riesen
.Wortbildungen:
riesenbein
riesengeschlecht
riesengros
riesenhand
riesenkrieg
riesenmässig
riesenstärke
riesenstreit
riesin
Belegblock:
DJe Poeten schreiben vns diß / | [...] | Das fuͤr etlichen tausent jahren / | Grosse Riesen auff Erden waren.
Er spranck | als ein riße vnd liff an | dem wege von dem | obersten hymel waß sein | außfartt.
[die meid] ilten an das dritte tor: | da stund ein ander rise vor, | [...] | zwelf wind er liß durch sinen mund.
Er vrouwete sich als ein rese an den wec zcu louffene.
Trebetta war ein groß Man vnd Riesen geschlechte.
Do sach er einen risen, der was lanc vncz in die wolken vnd swarcz.
Wer hat zue vor auch nicht von riesen hoͤren sagen / | Die Waldt vnd Berg zuegleich auff einen orth getragen.
Risen, lewen und hunde, | Die da ligen zu aller stund | Zu hut vor der burge.
Jungfraw, deins keuschen plutes safft | Erweicht dez himel risen crafft, | Do er in deynem keuschen leib behafft.
Rysenstreit wieder die gotter. gigantimachia.
er entpfindet in im [...] risensterke.
er hat mit vil Würmen gstritten, | Deßgleich mit großmächtigen Risen.
Ein Rieß ist in das Schiff nein kommen, | Hat mein Vatter herauß genommen | Vnd mit sich gar davon getragen.
Do Adam 230 jor alt was, do gebar er Seth den rysen.
Grobianer [...] | Der eyns ryssen magen hat.
Rysenkrieg / Gigantomachia.
Die hochfart Golie hab ich zerstoͤrt / | Und den starcken Rysen darnider geleit.
Sy waren ruch
[›behaart‹]
über all, | Ryssen gross. sollent ir auch wissen, das etlich leut sich in hülen der bergen erhalten haben etlich hundert jar, als dan vil under den risen und zwergen seind gewesen.
die vier geschlecht der geistmenschen [...]. dorbei auch begriffen werden under denen vier geschlechten die risen, die melosinen, der venusberg und was denen gleich ist, die wir als menschen ansehen zu sein, und doch nicht aus Adam.
ain ynsel, da sind rysen inn, und die sind gar grúlichen ze senhen, und hond nun ain oug an der stirnen, und essent núntz wann flaisch und visch.
bey jr sassen zwen starck risen die wolten sy [...] enteret haben.
im ist allz wuͤrchen also ring | als ein veder in risen hant.
dem singt er auch daz selb lob, | er sey allen fursten ob | und ein helt uber all risen.
mein vatter [...] | den hat gefanngẹn ain rise arck | vnd wil in yecz verprennen.
Ebd.
240, 1
: Mit grymm der riß dick schlúege | auf disen kúenen iungen.
Awentewr, wie Poytislier aber mit zwayen risen vnnd ainer risin [...] streitten mŭesst.
2.
›Mensch von exorbitanter Körpergröße und Körperkraft‹; ütr.: ›Machthaber‹; speziell, mit positiver Konnotation: ›Held, mutiger, starker Kämpfer‹; mit negativer Konnotation: ›Aufschneider, Prahlhans, Säulenheiliger‹; auch als Kuriosität, Gegenstand des Staunens; bei Luther speziell als Spottname für seine Kontrahenten, vor allem Zwingli, den er diesbezüglich auch mit dem heiligen Christophorus vergleicht, der der Legende zufolge trotz seiner Körpergröße, vom Gewicht des Jesuskindes auf seinen Schultern niedergedrückt, im Fluss unterzugehen drohte.Wortbildungen:
riesin
Belegblock:
Und sollen sein, wie die Riesen, die den kot tretten auff der gassen ym streit.
Jch halt warlich, das dieser geist nicht anders ynn seim hertzen dencke denn also: Wir Zwingel von Gotts gnaden, Riese und Roland, Hellt und Siegman ynn Welschen und deudschen landen.
Ebd.
374, 33
: hie reisst der grosse Christoffel von Zuͤrch eitel bewme umb und wirfft berg und tal ynn einander [...] der grosse Riese von Zuͤrch.
war dis nicht auch ein lesterlicher jarmarckt jnn aller welt, alles umbs gelt erfunden? Gerade, als hette Got solche stuͤcke alle nicht vorhin durchs Euangelion [...] frey geschenckt, odder, als hette es Gott verboten und sie weren die Risen, die Gottes gebot moͤchten umb gelt verkeuffen.
und lag weltliche oberkeit gantz und gar unter den geistlichen Riesen und tyrannen.
S. Paulus zu den Roͤmern [...] spricht, das das Fleisch als ein grosser Riese und gewaltiger Kriegsman wider jn streite.
Ryß / ein groß gestalt eines Menschen.
Man vindet groze und kleine lude in hymelrich, alse man vindet groze man und risen.
Riese / ein sehr grosser Mann. [...]. riesin / ein vngehewer groß Fraw.
da wassen auch [...] verordnet für ain mirackel 2 man von kinig Ferdinandus hoff, ain langer riß und starcker man und fast ain kurtzer zwerg.