reiten,
V., unr. abl.;
gerundet auch
reuten
;
zu
mhd.
rîten
›reiten‹
();
Präsensformen häufig kontrahiert.
1.
›reiten, sich mittels eines Reittieres fortbewegen‹; auch als standesgemäße bzw. Stand und / oder Wohlstand anzeigende Art der Fortbewegung (Mönche sollen aus Gründen der Demut nicht reiten): ›im Besitz eines Reitpferdes, beritten sein‹; generalisierend: ›fahren, reisen‹; trans.: ›etw. (in der Regel: ein Reittier) reiten, führen‹; dies im Alem. alle Arten der Fortbewegung mittels eines Reittieres oder mit / auf einem Gefährt (z. B. mit einem Wagen, in einer Sänfte, auf einem Schlitten) einschließend: ›etw. (ein Gefährt; auch: ein Schiff) lenken, steuern, führen, fahren‹.
Phraseme
(etw.) zu reiten haben
›ein Reittier besitzen, bei Bedarf auf ein Reittier zugreifen können‹;
auf dem arsch reiten
›etw. widerwillig tun‹;
zu fus, auf der kuhaut reiten
›vorgeben, ein Reittier zu besitzen‹;
eitel esel reiten
›sich zum Gespött machen‹;
jn. mit beiden sporen reiten
›jn. übermässig belasten‹;
ein pferd zu boden reiten
›ein Pferd verschleißen, zuschanden reiten‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.
2
1, (V., unr. abl.), 1.
Gegensätze:
1, (V.) 1, (V.) 1.
Syntagmen:
j. r
. (absolut);
j. etw
. (z. B.
den büffel / esel / wolf, das pferd
)
r
.,
das weib
(Subj.)
Aristotelem r
.,
das pferd sich r. lassen
,
j
. [wie] (z. B.
demütiglich / gefärlich / gesport / lange / sanft / sicher / ungehindert, ane sattel, für sich, in js. kosten, in rechter masse, mit scharfen sporen, mit ganzem ernst / fleis
), [worauf, womit] (z. B.
auf dem esel / pferd / schlitten / stecken / wagen, auf den böcken / kameltieren / krücken, auf seltsamen wundern, mit pferden
), [wo] (z. B.
auf dem mer, über tiefe baufelder, zwischen den herzögen
)
r
.; subst.:
den weg mit reiten niessen, mit reiten durch das land wandeln
,
j. wegen des reitens krank werden
;
das ärgerliche reiten
.
Wortbildungen:
reitbare
›Sänfte‹ (Gw zu 1; dazu bdv.: vgl. 7),
reitende
(
der
) 1 ›Reiter‹,
˹
reithengst
,
reitpferd
,
reitros
˺ ›Reitpferd‹ (dazu bdv.: ; ggs.: , ),
˹
reitkappe
,
reitmantel
,
reitrok
(dazu bdv.: ),
reitsocke
˺ Reit- bzw. Reisekleidung,
reitknecht
1 ›Bursche, dem die Aufsicht und Pflege von Reitpferden obliegt‹ (dazu bdv.: vgl. , ),
reitrüstung
›Reitzeug‹ (dazu bdv.: vgl. ,
das
, 1),
reitsattel
,
reitschmied
›Hufschmied, der auch Aufgaben eines Tierarztes übernimmt‹ (dazu bdv.: vgl. ),
reitwätschger
›Satteltasche‹ (dazu bdv.: vgl. 1).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
857, 25
(
Lübeck
1639
):
Wenn man die Hund zum Jagen noͤthigt / so reiten sie auffm Arß.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
11, 15
(
preuß.
,
1389
):
9 wagenpferd und 2 reytepfert.
Ders., Gr. Ämterb.
618, 40
(
preuß.
,
1416
):
Ins kompthurs stalle: 8 rithengste, 8 sweiken, 5 folen.
Luther, WA (
1528
):
sie hatten beschlossen [...], er [yhr Messias] solt mit einem grossen prangen und ynn aller herrlickeit einher faren, koͤstliche pferde reitten.
Ebd.
155, 7
:
kinderwercke [...] wenn die knaben auff dem stecken reitten.
Ebd. (
um 1535
):
Wer n̂icht zu reiten hat / der mag gehen.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
1542
):
Franciscus aber reid auff einem Esel / vnd Lenhart gieng zufus.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
551, 1415
(
Magdeb.
1608
):
Als ich
[der Wolf]
aber der Thuͤr einnam / | Vnd mit grosser gefahr entkam / | Sitzt der Reitschmid hinder der Thuͤr / | Greifft mit der gluͤenden Zangn herfuͤr / | Jn meinen Schwantz.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
ein erzebischof zu Collen [...], der reit mit ganzem ernste unde vliße zuschen dem konige unde den vurgenanten herzogen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 384, 13
(
hess.
,
1439
):
Zum ersten so setzen und ordenneren wir, daß man eyn igklich ridesattel sal vorbyngen mit langen adern.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Frankf.
1546
):
da het der Kauffmann ein grossen Reitwetschger, den setzt er neben sich auff die Banck.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1563
):
Zuͦ fuͦß reihtet ein edelmann
(über einen verarmten Adligen, der in der Öffentlichkeit Reitkleidung trägt, obwohl er sich kein Pferd leisten kann).
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 14
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Die bilwis und die zaubrerinne [...] hilfet nicht, das sie reiten auf den krücken, das sie reiten auf den böcken.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Penula Kriegskleidt / Reitrock.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1384
):
daz die raiz kost [...] unsern reytenden und genden soldnern und den awz soldnern mit den wegen [...] 764 ₰. hl.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
die heiligen 3 könig auff grosen camelthiren und auff andern selczamen wundern reidend.
Bell, G. Hager
376, 1, 11
(
nobd.
,
1588
):
wan er rith, ging, oder dett stane, | hett kein stifel noch schu nith anne.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
Das wirt nü mit dem gut verzinst und dick verbannet man es, dannoch stewret man sye nü, man reyt sye [baüman] mit beyden sporen; darzü tregt man yn ab und müssen tag und nacht dinst thünn.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1380
):
er wil, daz ich varen sol, und er wol weis, daz ich von des riten wegen krang worden bin.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do men in fuͦrte uf einre reyteboren, do wart er von sime sweher erslagen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 279, 20
(
Hagenau
1534
):
Wer zuͦvil gäch ist zuͦ unzeitten / der selb soll eittel Esel reitten.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
vͥnser rätherren suͥllent sweren, daz ir ieglicher dis jares ein pherit habe in der gemeinde botschaft, vnd gienge ime daz pherit abe oder vnnuͥtz wurd ze ritenne, daz er ein anders gewunne.
Ebd. (
1491
):
die nachgenemten burgknecht sol ein jegklicher han ze burgknechten, vnd wil ir deheinr deheinen ritknecht han, den sol er uͥber die burgknecht vff sinn costen han.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
663, 19
(
halem.
,
1462
):
sy [Louffenknechte] rytend oder seilent dasselb schiff
(hier speziell: ›ein Schiff an Seilen über Stromschnellen führen‹).
Maaler (
Zürich
1561
):
Der Arßwolff / Ein abgeriben faͤl oder auff geribne haut im gesaͤß / als wenn einer ein mager rossz on ein sattel ritet.
Reyten / Zuͦ rosß seyn. [...]. Er mocht alters halb kaum Reyten.
Sappler, H. Kaufringer
2, 290
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
damit müeß uns got bewaren, | wau wir reiten und auch faren.
Ebd.
10, 104
:
den weisen man | Aristotilem gewan | ain weib listig und gemait, | das si in gesporet rait
(bezogen auf das Exempel vom Liebesnarren).
Wolf, Norm im sp. Ma.
39, 32
(
schwäb.
,
15.
/
16. Jh.
):
Und
[die Mönche]
sullent nit reiten, es ensi das offenbarliche not oder kranckhait si zwinge.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1553
):
An rossen und vieh ain und zwainzig ziechross, zway reitross, sibenzig khüe.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1559
):
und seind [...] die knecht aber mit schwartzen reitröcken beclaidt gewest.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Der [...] het heimlich achtung, an welchem ort herr Wilhelm Wernhers reitrüstung war, und wie sein niemandt war nam, besetzt er die reitkappen mit leusen und macht sich darvon.
Bauer, Geiler. Pred.
316, 26
(
Augsb.
1508
):
Man lißt von dem grossen Allexander / das er ain pferd gehaben hab / das was so hochfertig / das es sich kaynen menschen reyten ließ / dann allain in selber.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1993
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein kupfer von A. D. geschnitten, ist ein ritter zu pferd, neben ihme reit der todt mit einer sanduhr.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 550, 9
(
moobd.
,
1469
):
dy durch das lande mit reiten vnd farn hin vnd herwider wandeln.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1520
):
es ist auch verpotten, daß man nit unflat auf die gassen schütten soll [...], weder zu prunen noch zu wegen wo man reuten oder gehen soll.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1624
):
allerley messer und gschmeidt, reuttsocken, schuech [...].
Bauer, Imitatio Haller
55, 28
(
tir.
,
1466
):
Der mensch der reitet gar sicher vnd sanfft, den da tragen ist die genad gottes.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1493
):
ain plawn wullin reytmanttel.
Piirainen, Stadtr. Sillein
56b, 25
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
dem babst ist auch gesaczt czu reyten oͤf eyn weyzzen rozze.
Ebd.
95r, 13
:
Der reyttent weicht auch dem wagen Vnd der gende dem reyttende Seyn sy ineynem engen wege.
Ebd.
113r, 23
:
Vier fuͤz gender geben eynen phening Eyn reytender man eyn halben
(Brückenzoll).
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
146, 16
;
Gille u. a., M. Beheim
107, 47
;
349, 27
;
Dietrich. Summaria
27v, 40
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Welti, a. a. O. ;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 505, 6
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Bauer, Geiler. Pred.
82, 21
;
316, 9
;
30
;
317, 2
;
Piirainen, Igl. Bergr.
27b, 4
;
Rwb ff.; ;
Vgl. ferner s. v. .
2.
›sich (reitend) an einen in größerer Entfernung befindlichen Ort begeben, wohin reiten, reisen‹; ›zu einem bestimmten Zweck, mit einem bestimmten Ziel (zu Pferd) aufbrechen‹; auch: ›eine räumliche Bezugsgröße (z. B. einen Weg, eine Straße, einen Fluss) entlangreiten, durchreiten‹; fokussiert in Abgrenzung zu 1 die Richtung und / oder den Zweck der Fortbewegung; beides wird in der Regel durch präpositionale Ausdrücke näher bestimmt; im Einzelnen: ›die Obrigkeit (im Sinne einer ehrenvollen Verpflichtung) begleiten und damit seine Nähe zum Herrscher demonstrieren‹; ›im Land umherziehen (z. B. auf der Suche nach ritterlicher Bewährung, nach einem Dienstverhältnis)‹; ›in js. (z. B. des städtischen Rates) Auftrag unterwegs sein, (vom Aufenthaltsort des Auftraggebers aus gesehen) auswärtige Angelegenheiten erledigen‹ (dies die Ausübung rechtlich relevanter Handlungen implizierend); ›im berittenen (Boten)dienst stehen‹.
Phraseme
(die) post reiten
›Post befördern‹;
(js.) botschaft, in botschaft reiten
›als Gesandter unterwegs sein‹;
auf den geleit reiten
›Geleitmann sein‹;
jm. in die stube reiten
›jm. zu nahe kommen, jn. bedrängen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
1, , 1; 3; 7, .
Syntagmen:
den flus / weg, die fart, eine strasse, das wasser r
.;
j. an das gejägede, an eine grenze, auf den berg, auf die vogtei, aus der stat, durch den wald, (bis) gegen
[+ Ortsname],
in den burgfrieden / hof, in die stat, in das gebiet / schlos, über den
[zugefrorenen]
se
,
über die befriedung der stat, über das feld, um den ban, unter die antlas, von dem geleit, von den leuten, von
[+ Ortsname],
zu jm., zu wald, zu dem feuer r
.;
j
. [wie, wozu] (z. B.
durch notdurft / geschaft, im dienst der stat, mit dem könig, nach einer geldschuld, von einer sache wegen
)
r
.,
j. abenteuern / jagen r
.;
j. r
.,
um zu [...]
; als part. Adj.:
der reitende amptman / bote / diener / knecht
.
Wortbildungen:
reitknecht
2 ›reitender Bediensteter, Bote‹ (a. 1569; dazu bdv.: vgl.
1
1,
1
, ),
˹
reitgeld
,
reitlon
˺ ›Kostgeld, Reisegeld für städtische Bedienstete, die in auswärtigen Angelegenheiten (zu Pferd) unterwegs sind‹ (dazu bdv.: vgl.
2
2),
reitgeleit
›berittene Begleitung der Herrschaft‹,
reitwagen
›leichter Reisewagen‹.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
282, 38
(
preuß.
,
1412
):
1 fird. Cunczen dem molwerkmeyster ken Danczk czu ryten, umbe molsteyne czu kowfen.
Ders., Gr. Ämterb.
184, 13
(
preuß.
,
1507
):
2 reisewagen, 1 reitwagen.
Luther, WA (
1533
/
4
):
Furwar ein schoͤner verdienst, Da wir jnn des Teuffels dienst zur helle geritten.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
159, 2
(
1438
/
9
):
dich mitsampt deinen dienern, pferden, habe und gut durch unsere und ire stete [...] ungehindert ziehen, reyten, faren und komen lassen.
Ebd.
185, 11
:
das der von Plawen in unserer egenanten oheim von Sachsen hofe reiten und solich wort und bete in vorgeschribener form personlich fur in vernewen und tun sol.
Karnein, Salm. u. Morolf
223, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
der rich konig Fore | reit jagen zu hant.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
5, 10
(
omd.
,
n. 1474
):
Vnde wir reten furder des selbin tages czwo myle geyn Rockhusen.
Küther, UB Frauensee
282, 7
(
thür.
,
1496
):
Nhest vor vaßnachtt ist Herman Rudiger von Saltzungen geritten und ist wol bezcechtt gewest.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
60, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der kunig [...] het gros gesinde, knechte unde geselleschaft, di do stetis mit ym essin und ritin.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
47, 39
(
schles.
,
1345
):
Do reyt Shrolle von dem geleyte vnde wolde nicht me dor czu horen.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Zu mercken, daz dy herschafft ein reittgleit hat zu Lauff.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
Do kam ein groß sturmwind, das wir bauer pferd tingten und reiten an sadel biß gen Herzog Pusch.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Alle die, so die Post reitten, führen ein Post⸗Horn an der seitten zu bezeugung jhrer Freyheit.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1461
):
wenn er vnd ein knecht an ander end fuͥr die stat Berne us riten muͦß, denn sol im sin rittgelt von der stat [...] werden.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1494
):
einem jeden botten [...] fuͥnf tag rytlon, wie dann das des lands gewonheit ist.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
um 1530
):
Desgleichen solle den, die in eins rats gescheften ausreiten und das reitgelt entpfachen, auch weiter kain rhatsplaphart volgen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Eins tags er abentewrn rait | Mit tzwelif glaͤfen.
Klein, Oswald
18, 53
(
oobd.
,
1416
):
Die weil ich rait und süchet ritterliche spil | und dient zu willen ainer frauen.
Mollay, H. Kottanerin
13, 29
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Da nuͤ [...] die vngrischen herren, die in potschaft reiten solten zu dem von Polan, gefertigt worden [...].
McClean, Havich
4837
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
Dy poten pald dann riten | des chaisers potschaft.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Da füegt sich also, das der künig ains tags zu wald an das gejaid rait und all da verharrte, bis [...].
Munz, Füetrer. Persibein
353, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
was man in pat, man múestt in reyten lassen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
52b, 3
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Dysem keyser otten wart vorgeben von einem seinem manne vnd starb do er von rome reit.
Bindewald, a. a. O.
47, 37
;
Gille u. a., M. Beheim
124b, 580
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
Bastian u. a., Regensb. UB
126, 11
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Rwb ff.; ;
3.
›(zu Pferde) in den Kampf, (gegen jn.) zu Felde ziehen‹; ›Heerfolge leisten‹; ›jn. angreifen‹; ›wo eindringen, ein Gebiet überfallen‹; speziell: ›einen Zweikampf reiten (im Sinne einer sportlich-wettkämpferischen Betätigung)‹.
Phraseme:
das glük reiten
›das Schicksal herausfordern‹;
zu schimpf und ernst reiten
›sich auf Aventiurefahrt begeben‹.
Syntagmen:
j., der herre / keiser r
. (absolut);
j. an die heiden, auf jn., auf js. leben, in waffen, mit dem könig, wieder die ungläubigen leute r
.; subst.:
ein reiten fürnemen / rennen, auf jn. tun
.
Wortbildungen:
˹
reitarmbrust
,
reitglän
(Gw zu 1),
reitschwert
˺ Waffen für den Kampf zu Pferd,
reitende
(
der
) 2 ›berittener Bogenschütze‹.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
867, 9
(
Lübeck
1639
):
Das Gluͤck wil geritten vnd nicht gefuͤrcht seyn.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
[Abrahâm] ûznam | sîner knabin gesundirt | wol achzên und drîhundirt, | mit den er an dî heiden reit.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
143, 29
(
preuß.
,
1393
):
8 rytarmbrost ym snyczhuse dy sint ingebunden.
Luther, WA (
1527
):
nicht alleine wil er [der HERR Zebaoth] seine herd, sein volck heymsuchen gnediglich, sondern auch wol geruͤste rosse draus machen, darauff er wil reiten und streiten.
Karnein, Salm. u. Morolf
345, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Er möcht anders nit sin komen hin, | wan die heiden ritten uff daz leben sin.
Goedeke u. a., Liederb. (
um 1512
):
hebt es mit freuden ane! | seit ir dan angewapet seid | so reitet frölich auf die bane!
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
):
so stießen sie die sib hinauß und bliesen die feint an, so riten den die geraisigen und lieffen die fußknecht.
Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
(
Nürnb.
1482
):
Reytender. pogenschutz. arquiritus.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
So sindt auch auff deiner reittglennen | Langzeyt gesessen han und hennen.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
do zog er sin schwertt uß und reyt uff Gergis. Aber Ollyfier behuob inn.
Sappler, H. Kaufringer
5, 91
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
darzuo harnasch, schilt und sper | und was ain ritter haben sol, | damit ward er versorget wol, | der zuo schimpf und ernst reit.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1559
):
Und hat [...] der Hillbrand [...] ain beschlagens reitschwert [...] gewunnen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die frawen haizent amazones und die reitent in den wâpen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz er ny nimpt ain reiten fuͤr | Durch ritterschafft, durch ere.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Da wolt der dinstlewt kainer reiten und sprach, wann man yn gellt geb, dan so wollten sy ziehen.
UB ob der Enns (
moobd.
,
1378
):
vnwill vnd vngenad di der Erwirdig fuͤrst [...] Her Pilgreim Erczbischof ze Salczburg [...] hintz vns gehabt hat vnd besunderleich von des Raittens wegen, das wir yeczund in sein Lant getan haben.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. I, ;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Koppitz, Trojanerkr. ; ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
141, 25
;
Guth, Gr. Alex. ;
Müller, Stadtr. Ravensb.
113, 7
;
4.
›jn. überkommen; jm. widerfahren‹; mit negativ bewerteten (teils personifizierten) abstrakten Bezugsgrößen in der Subjektposition; mit Betonung des durativen Aspekts: ›jn. anstacheln, antreiben‹; ›jn. führen, kontrollieren, (dauerhaft) beherrschen‹.
Phraseme:
˹
der teufel jn. reiten, j. vom teufel geritten sein / werden
˺ ›Böses im Schilde führen‹;
die missesucht
(Subj.)
muss euch reiten!
(als Fluch).
Bedeutungsverwandte:
(V.) 6; vgl.
2
1, 2, 4, 7, (V.) 4, 6, 5, (V.) 5, 4, 2.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der fürwiz / geiz / unfal, die eifersucht / geilheit / missesucht / mondsucht, das unglük
)
jn. r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Wenn doch die mond sucht nur eyn stund sie
[die
secten der verterbniß
]
nicht ritte, ßo wurden sie selbst erkennen, [...], daß sie nit an gotlichen, ßondern alleyn an menschlichen spruͤchen hiengen.
man gibt euch darumb so gute wort, das man hoffet, der teuffel so euch reitet, solle weichen.
So solten nu billich Amptleute [...] gewis sein, das sie solche Schleicher musten verdechtig haben [...] falscher lere, [...] weil sie wissen, das solche leute vom teuffel geriten werden.
Ders. Hl. Schrifft. Offb. Vorr.
2468, 20
(
Wittenb.
1545
):
er spricht / der Engel aus der Hellen / genant Verderber / sey jr König / Als wolten sie sagen / Der Teufel reite sie selbs.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
ich enkan uwers klaffen numme gelyden! | die missesucht muß uch riden.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
wer weis wie lang mich der unfal reit.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Dann es ist gar ein schweres leiden, | Wer sich die eyffersucht lest reiten.
Mein Mutter reit die geilheit hart, | Ist in der Lieb brünstig vnd heiß.
Wickram
4, 17, 5
(
Straßb.
1556
):
wann einen unglück reiten will / so kumpts hauffenweis.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
29, 9
;
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III, ;
Niewöhner, Teichner
438, 10
;
5.
›ein weibliches Tier decken, bespringen‹; nur subst. belegt.
Bedeutungsverwandte:
17.
Wortbildungen:
2
reitung
›Akt der Deckung‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Das Angon / oder ryten / So die thier loͤuffig vnd traͤbig sind.
Rot
287
(
Augsb.
1571
):
Admissur, zulassung / oder reytung des vichs / die zeit / so man die maͤndle zu dem weible last.