2
reichen,
V.;
zu
mhd.
rîchen
›herrschen, reich werden, reich machen‹
().
1.
›über jn., ein Gebiet herrschen, Macht ausüben‹; ›(an einem Ort) regieren; jn., ein Gebiet beherrschen‹; ütr. auch auf das Herrschen Gottes sowie (vereinzelt) gottgefälliger Menschen im Diesseits wie im Jenseits bezogen; vgl. (
das
) 1; 2.
Älteres Frnhd.

Belegblock:

v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe Vorr. (
thür.
,
1421
):
[Nemroth] zwangk die lewte unde slugk sie tot | unde richete zu Babilonia.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1407
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das ist das si [di kuschen] ewiglichen | mit got bliben unnd richen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Got rastet und richet und berichtet alle die welt und alle creature.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
vber die kinder israhel die do wonten in den steten iuda: reicht
[Var. 1475
2
–1518 /
Luther
1545, 2. Chr. 10, 17:
regierte
]
roboam.
Menge, Laufenb. Reg.
867
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Wenn er mit kraft rychet | Sine kind.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
dornach nam in [Machmet] der chönig zu im und gab im vollen gewalt über das landt und dornach richat er das gantz chönigreich.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
.
Vgl. ferner s. v. 1.
2.
›jn. reich (im materiellen wie im religiösen Sinne) machen‹; ›jn. / etw. bereichern, mit etw. (z. B. mit Geld, Ausstattung, göttlichen Gnadengaben) versorgen‹; auch: ›zunehmen‹; ›sich / etw. (z. B. den eigenen Nutzen) steigern, vergrößern, (Zölle) anheben‹; vgl. (Adj.) 4.
Gegensätze:
1
1; 2, 1.
Wortbildungen:
reichend
(dazu bdv.: ),
reichern
›etw. erhöhen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
sô wil ich dich rîchen | und hî den mînen glîchen | an hôen wirden wirdiclîch.
Luther, WA (
1544
):
Da leret er
[Christus]
erstlich, das wir sollen des, so Gott uns bescheret, brauchen [...], Und wissen [...], das es sol wol gedeien und reichen, ja auch unter handen mehren.
Karnein, Salm. u. Morolf
31, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
wer mir des gehilffet, | den wil ich richen iemer me.
Strauch, Par. anime int.
44, 6
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz andere heizit ein richinde oder ein zuleginde bekentnisse.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
darin ir euren eigen nutz ubermesslich und mit unbillikeit gesucht und euch zugezogen und damit gereichet und [...] gemeine bestes geschwecht habt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Got hat mich gereicht
[Var. 1475
2
–1518:
reych gemachet
;
Eck
1537:
begabt
;
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Luther
1545, 1. Mose 30, 20:
wol beraten
]
mit einer guͦten gab.
Sappler, H. Kaufringer
14, 505
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
darumb gib ich dir ze lon, | das ich dich immer reichen wil.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
do reichet er daz selbe chloster [...] mit milter gab.
das münster [...], das sein vater [...] gestift und rätenlich gereychet het.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[die geistlichen] haben kain fürsten, der si nit gereicht hat, ân ein clämperl hin lassen.
[Herzog Albrecht] reichert zöll und meut.
Opel, a. a. O. ;
Kurrelmeyer, a. a. O. ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Leidinger, V. Arnpeck ; ;
Voc. Teut.-Lat.
aa vijv
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 149
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 500
.
Vgl. ferner s. v. , 1, .