reich,
Adj.;
zum etymologischen Verhältnis von
reich
(Adj.) und
reich
(
das
) s. ;
Kluge/S.
2002, 753
;
Pfeifer
2000, 1104
.
– Die Bedeutungen fokussieren sowohl vorrangig qualitativ bestimmende Aspekte, die mit zeitgenössischen Macht- und Wertvorstellungen verknüpft sind (1; 3), als auch quantitative und akzidentielle Aspekte, die den (als überdurchschnittlich groß gewerteten) Umfang, die Ausdehnung und weitere Eigenschaften von als
reich
charakterisierten Bezugsgrößen determinieren (2; 4; 5); zwischen beiden Bereichen besteht eine teils starke Überlagerung. – Vgl. zur Bedeutungsentwicklung
Ris, Das Adj.
reich
. 1971; dazu sowie zur Beziehung zwischen Adjektiv und Substantiv s. auch ff.
1.
›mächtig, einem Herrscher, Machthaber gemäß‹; ›edel, vornehm, von hohem Stand‹ (von Personen, insbesondere von personenhaft gedachten Herrschern sowie von Gott gesagt); häufig subst.; vgl. (
das
) 1.
Bedeutungsverwandte:
1, (Adj.) 3, (Adj.) 12; 13, (Adj.) 2, 4; 5; 6; 7, , , 5, 3; vgl. 1, , 1, 3, 1.
Gegensätze:
vgl. (Adj.) 4, 2.
Syntagmen:
j. r. sein
;
der reiche got / graf / herre / keiser / könig / man / mensch, die reiche jungfrau
; subst.:
j. den reichen abfertigen
;
die reichen
(Subj.)
abfaren zu ewiger verdamnis
;
etw
. (Subj.)
den reichen die verdamnis bringen
;
j. sich zu den reichen gesellen
;
die gunst, sünden der reichen
.
Wortbildungen:
reichgeistig
›stolz, hochmütig‹ (dazu ggs.: 2).

Belegblock:

Luther, WA (
1517
):
es kan nit anders seyn, die reychgeystigen mußen vorvolgen die armgeystigen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
10, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Jch bin ein edler Gentelon | Ein gwaltig / reich / herrlicher Mann.
Gille u. a., M. Beheim
70, 164
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der allmachtig gross hoch und reich, | pey dem da nichtz ist unmugleich, | dem nichtz ist wider stende.
Franck, Klagbr.
232, 33
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
ich bin eben so von edelem geschlecht / reich vnd hochgeadelt.
Roloff, Brant. Tsp.
693
(
Straßb.
1554
):
Nun ist diß ein reich mechtig mann.
Goldammer, Paracelsus
7, 34, 11
(
1530
):
herr, gib uns nit den gotlosen in ir hend, das ist den reichen, den mechtigen, beiden stenden und iren anhengern.
Sappler, H. Kaufringer
14, 27
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ain küng [...] | der was edel, jung und reich.
Ebd.
74
:
wann der küng [...] | will sich unverzogenleich | legen zuo der junkfraw reich.
Ebd.
233
:
der edel künig her und reich.
Ebd.
448
:
si claget ser got dem reichen | iren kummer.
Ebd.
27, 16
(Hs.
1472
):
das erst geschlecht sind alle die, | die reich sind und gewaltig.
Klein, Oswald
41, 33
(
oobd.
,
1428
):
Gen Haidelwerg rait ich zu meinem herren reich.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
214, 121
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Auch schol man wetrachten, wye dy lobleichen vnd dy reichen, dy mëchtigen diser welt, dye sich hye gegröst vnd gecziert haben, nach dem tod abgefaren sind czu ewiger verdampnüs.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
den allergeweltigisten reichsten künig Arthabanum.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 189, 30
(
m/soobd.
,
1480
):
so sein der bischof von Gran und der reich her Heinrich von Liechtenstain unains gewest.
Bauer, Imitatio Haller
94, 9
(
tir.
,
1466
):
der mensch der ist reich vnd mechtig, der mensch der ist gros vnd gewaltïg.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
6, 15
;
Vgl. ferner s. v. 1, 2, .
2.
›groß, gewaltig, umfangreich‹ (von konkreten und abstrakten Bezugsgrößen); auch: ›reichlich, großzügig; ausgiebig‹; speziell: ›ertragreich‹ (z. B. von einem Bergwerk); offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
1, 10; vgl. (Adj.) 4.
Gegensätze:
vgl. (Adj.) 15.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r. sein, r. von etw. sein
;
der reiche herbst / nuz / sal / schal / schaz / segen / sieg / sold, die reiche frucht, das reiche almosen / blei / botenbrot / glük
;
r. geziert
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
):
Sich, so reich segen hangt dem an, | wi ynn Gottes furcht lebt eyn man, | Von yhm lesst der allt fluch und zorn, | den menschen kindern angeborn.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Mer woln uch geben richen solt, | beydde silber und golt!
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
169v, 38
(
Leipzig
1588
):
wir [...] bitten / das der ewige / Almechtige / guͤtige Gott / Jhre Key. May. [...] mit reichem Gluͤck vnd Segen kroͤnen vnd zieren wolle.
Engel, Rats-Chron. Würzb.
293, 3
(
nobd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
Mathes Höschlein hat [...] gesagt, daß ihme [...] im reichen herbst des (15)31. jahrs 6 fuder wein getragen.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Die offt loben ein gruben fündig, | Von silberertz reich und außbündig.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
da will selber Gott, | [...] | sein reichen segen geben.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 12, 4
(
Hagenau
1534
):
wie mechtig und reich sein
[Gottes]
schatz unnd gnadenkamer ist.
Brandstetter, Wigoleis
225, 29
(
Augsb.
1493
):
Die genannten zwen grafen brachten jr [der künigin] dise botschafft. eyschent von ir reych botenbrot.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
42, 21
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
wir [...] | [...] | [...] loben dich [herre got] mit reichem schall.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1508
(
oobd.
,
1607
/
11
):
gürtl oder ketten von carniol, alles reich mit goldt geziert.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1254
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 155, 4
;
Klein, Oswald
40, 36
;
Veith, Bwb. ;
Patocka, Salzwesen.
1987, 131
.
Vgl. ferner s. v. 11, 3, 1, , 3, (V.) 4.
3.
›prächtig; wertvoll, kostbar; von hoher, das Normalmaß übersteigender Qualität bzw. Güte‹; speziell auch: ›hervorragend, edel‹; im Anschluss an 2 stärker die überdurchschnittlichen (positiv gewerteten) Merkmale einer (meist sachlichen) Bezugsgröße fokussierend.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
124, 32
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Ach Constantinopel / du riche stat wie bin ich in dir gar zart erzogen worden.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 31
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wie sie [menschen kint] [...] edel gesteines, reiches gewandes und allerlei anders habe heuser und kisten vol haben.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
164
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Der tempel pezaichent daz himelreich, | daz an gezirde ist so reich.
Merzdorf, Historienb. (
alem.
, Hs.
2. H. 14.
/
A. 15. Jh.
):
zwene botten [...] hettent rieche cleider an.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
722
(
schwäb.
,
1455
):
Ein umhang [...] | [...] | Gemalet meisterlich, | Von goldbuochstaben rich.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 1
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Richer schatz der höchsten freuden, | [...] | pist du, keusche Maria.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
51
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
das ein Ied(er) wirt vnnd wirtin auff Ihr Khind(er), dienstpoten vnnd Ingesindt ein Vleÿsigs, guets, Christlichs aufsehen hab damit sÿ sich mit aller andacht zu dem raichen gotlichen wort finden.
Engel, Rats-Chron. Würzb.
135, 2
;
Vgl. ferner s. v. 2, 1, , (V.) 4, .
4.
›wohlhabend, vermögend, reich an Besitz, materiellen Gütern‹ (meist von Personen gesagt); auch subst.; die Paarformel
arm und reich
bezieht sich häufig auf eine Gesamtheit von Personen, insbesondere die Einwohnerschaft einer territorialen Einheit; mehrfach in sprichwörtlichen Redewendungen; meist neutrale, teils kritische Bewertung.
Gegensätze:
(Adj.) 1.
Syntagmen:
j. / etw. r. sein / werden, j. reicher sein denn [...]
;
jn. r. machen
;
der reiche bürger / kaufher / kaufman / knecht / man, die reiche abtei, das reiche weib
; subst.:
ein reicher antworten, jn. verachten, sich etw. dünken, in den himmel kommen, die reichen ire kleider auswerfen, teilen sollen mit den armen
;
j. der reichste sein
;
dem reichen (etw.) nemen, den reichen (etw.) geben / schenken
;
mit einem reichen mitleiden haben, got es mit den reichen halten
;
die gunst der reichen
.
Wortbildungen:
reichfar
›vielfarbig, leuchtend‹ (dazu bdv.: vgl. , Adj., 6, ),
reichmachen
(dazu bdv.: , V., 1, 3),
reichmachung
(dazu bdv.:
1
1).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
289, 11
(
Lübeck
1639
):
Man gibt vnd schenckt den Reichẽ / an Armen kan man nichts gewinnen.
Ebd.
685, 25
:
Kraͤmer vnd Handwercker haben so gute Privilegia reich zu werden als die Gelehrten.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
manic tûsent der sint, hæten sie sehzic mark [...], sie diuhte, [...] daz sie vil rîche wæren.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
150, 32
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Lieber geselle / nü sage mir wer ist der reichst in dieser stadt.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1602
):
Ich will Christum dieweil hinder die thür setzen, biß ich reich werde.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
71, 10
(
omd.
,
1487
):
ein reich man ein kinth funff iar alt gehabtt.
Thür. Chron.
5v, 25
(
Mühlh.
1599
):
Die Buͤrger Reich vnd Arm / Trachteten nicht noch eigenem [...] nutze.
Opitz. Poeterey
4, 20
(
Breslau
1624
):
einer erzehlete wie Rom so gewaltig / Venedig so groß / Florentz so reich / Meilandt so Volckreich were.
Langen, Myst. Leben
173, 18
(
nobd.
,
1463
):
daz ein yczlicher mensch / sterben muß, er sey alt oder junck, reich oder arm.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
Auch bin ich gewesen in der reichen abtei zu St. Michael.
Voc. Teut.-Lat.
aa vijr
(
Nürnb.
1482
):
Reichmachen. locupletare. [...] helffen beraten.
Dietrich. Summaria
26v, 35
(
Nürnb.
1578
):
Wie ein vnmuͤglich ding es fuͤr der Welt sey / das ein Reicher inn Himel komme.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Locupletatio, Ein reichmachung / ein mehrũg.
Wickram
4, 12, 4
(
Straßb.
1556
):
Es hatt vor jaren gewonet ein reicher tugentsamer Kauffherr / inn der statt Antdorff.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 19, 29
(
Hagenau
1534
):
man findet manchen reichen man von gelde / von welchem man sagt / er halt weder glauben noch trewe.
Ebd.
91, 7
:
Es ist besser arm mit ehren / denn reich mit schanden.
Ebd.
167, 7
:
Es soll keyner mit ander leüt schaden reich werden.
Ebd.
2, 50, 17
([
Augsb.
]
1548
):
Ain armer redet mit flehen / aber ain reicher antwort stoltze.
Ebd.
149, 29
:
Ain Reicher dunckt sich weise sein / aber ain Armer verstendiger mercket in.
Thiele, Minner. II,
6, 30
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
da nam ich gar eben war | wie gar richfar | stund die heid mit vlis.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
die Templary [...] worent rich und hattent das ertrich vast besessen.
Sappler, H. Kaufringer
8, 17
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
es was ain reicher burger.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Arm leut sollen nit reich sein.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1559
, Hs.
16. Jh.
):
dem armen als dem reichen durchauß gleich ainem jeden nemen und geben.
Heydn. maister
26r, 19
(
Augsb.
1490
):
damaratus / ist eĩ reicher kaufmã gewesen.
Österley, Steinhöwels Äsop (
Ulm
1474
/
82
):
Die rychen söllent miltiglich tailen mit den armen.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1210
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Die dritte sache was die begier die di armen hetten wie si der reichen gunst gewünnen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Vernempt allgeleich, | paid arm und reich: | [...].
Piirainen, Stadtr. Sillein
35a, 19
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
pitte dich herre daz dv an sehest daz dv pist reych vnd ich pin arm.
Mieder, a. a. O.
684, 11
;
686, 8
;
688, 12
;
Quint, Eckharts Pred. ;
Reichert, Gesamtausl. Messe
3, 1
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
144, 6
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ; ;
Voc. Teut.-Lat.
aa vijv
;
Vgl. ferner s. v. 1, 1, 1.
5.
›über etw. in hohem Maße, in großer Menge verfügend‹; in Verbindung mit spezifizierenden, genitivischen oder (meist) präpositionalen Attributen.
Gegensätze:
(Adj.) 1, (Adj.) 4.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
7, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
mein tugenthafte fraue [...] was edel der geburt, reich der eren, schöne.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
97, 795
(
Zwickau
um 1540
):
Ein Herr / an guͤtern reicher denn sie all.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
jhr seyd noch ein junges Weib, | Reich im vermögen, schön von Leib.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Wie reich auch eine Wittib an allen Mitlen sein mag, so ist sie doch ein armes elendes Weib.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 266
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
der bache ist grǒss vnd klain nah dem vnd der brunne rich an wasser.
Wyss, Luz. Ostersp.
9128
(
Luzern
1545
):
du bist eim küng on land gelych, | inn schand vnnd laster bist du rych!
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 266, 10
([
Augsb.
]
1548
):
Reich werden an guͦtten wercken.
Weber, Füetrer. Poyt.
281, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
der küene ward vil zornes reich.
Opitz. Poeterey
42, 10
.