redner,
der
;
-s/-Ø
.
1.
›Person, die spricht‹; speziell: ›Person, die sprechen kann, in den Redekünsten bewandert ist, damit dem Ideal eines guten Redners, des
vir bonus
, entspricht‹, die im Einzelnen aber auch dem Verdacht unterliegt, das Wohlreden höher als die (christliche) Wahrheit zu achten; in 1 Beleg mit Tendenz zu: ›Schauspieler‹; offen zu 2;
vgl.
1
1; 4.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Wortbildungen:
rednerin
›Rhetorik, Redekunst‹ (dazu bdv.: vgl. , , 2, ).

Belegblock:

Voc. inc. teut.
o iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Lesterlichʼ redner Oberactator.
Opitz. Poeterey
55, 18
(
Breslau
1624
):
Das ist Demosthenes: Welcher ob er zwar als der vornemeste redener in hohen ehren gehalten worden.
Dasypodius A (
Straßb.
1536
):
Insinuatio, [...]. Solliche hoffliche ableynung vnd beguͤtigung / brauchent die redner gewonlich am anfang so sy von ungewissen / oder etwas vneerlichen vnd schandtlichen [...] dingen reden woͤllen.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
6v, 18
(
Zürich
1521
):
Der redner ist zwitraͤchtig mit dem Dialectico / der in der heyligen gschrifft gelert ist.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein redner Anteren / Eim redner geleych thuͦn [...]. Einen Anteren / reden wie ein anderer.
Ein Redner vor dem volck. [...]. Geschwinder vnnd diffiger wolberedter Redner. [...]. Ein guͦter Redner / der sich auff reden wol verstadt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 161, 11
([
Augsb.
]
1548
):
Wer ain trew hertz und liebliche rede hat / des freünd ist der Künig. [...] das ain Orator / das ist / ain Rath ains Künigs [...] ain Redner sein soll / Vir bonus, Ain frummer man.
Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Action [...] weiß vnd perd / thuͦn vnd lassen eines Redner oder Spilhalters / so er im reden vnd Spilhalten braucht.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Die ander kunst, so mit worten nur umbgêt, ist ,rhetorica‘ kriechisch, lateinisch ,oratoria‘, teutsch ,rednerin‘: lernt, wie man von einer ieden sach schön hübsch zierlich wol reden kün.
v. Birken. Erzh. Österreich ;
2.
›Person, die für eine andere Person, eine bestimmte Gemeinschaft oder eine Institution spricht, Vertreter, Beauftragter‹ (allgemein); im Einzelnen: ›Fürsprecher vor Gericht, juristischer Beistand, Anwalt‹; ›(z. T. amtlich vereidigter) Vertreter einer Person, einer Obrigkeit oder einer Organisation bei Verhandlungen aller Art (auch bei Kaufverhandlungen) oder in der Administration, Verkünder obrigkeitlicher Anordnungen oder Informationen‹; ›Bote, Gesandter‹;
vgl.
1
9; 12.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
einen r. bestellen / haben / nemen / schicken, antworten / irren lassen, mit sich bringen, den r. bei der hand behalten, des urteils anfragen, jm
.,
der gemeine
einen r. vergönnen
;
der r. antworten / schwören, etw. ankünden
(z. B.
krieg / frieden
),
jn. irren, gewalt haben, keinen assessor haben sollen, gut von jm. nemen
;
eines redners bedürftig sein
;
j. durch den r. klagen, antworten (lassen), etw. (mündlich) fürbringen (lassen), jn. zu einem r. erwälen
;
der r. des bundes, der stat, des kamergerichts
;
der angedingte / eigene / gesandte / geschworene r
.;
die belonung der redner
.
Wortbildungen:
rednerlon
(a. 1496; dazu bdv.:
1
).

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 149, 21
(
preuß.
,
1453
):
Auff das antwurt des bunts anwelten redner: diser artickl sey nit anders gesatzt, dann [...].
Köbler, Ref. Franckenfort
69, 12
(
Mainz
1509
):
Es mag auch ein iglicher burger hie seßhafftig [...] ein frembden fürsprechen stellẽ / doch dz die rechtsetze durch die geschwornen redener geschehen.
Laufs, Reichskammergo.
97, 11
(
Mainz
1555
):
soll ein procurator, redner oder advocat des cammergerichts keinen assessorem [...] in der kost haben.
Ebd.
112, 19
:
Ob die partheyen eygne redner haben mögen.
Köbler, Ref. Wormbs
31, 14
(
Worms
1499
):
Des glychen die redner ye zuzyten die den gemeinen fürsprechẽ Eydt zuuor nit geschworen hetten.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
das sie auf iren gewanten vleiß ein redner zu iren sachen bestalt, der ir handel eingenomen.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
Wellicher aber einen Redner vsserhalb den geschwornen gerichtsscheffen nympt.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
gesandter Redner / der frid odder krieg ankündet.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1463
):
Da zü die von Núwemburg durch iren redener antwurten laßen hand des galgen halb.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Belonung der Redner. [...] ordnen wir ouch / das die fürsprechẽ / die parthien so vor vnserm rat oder dem Stattgericht zuͦ handlen haben in der belonung nit überschetzen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, o. J.):
daß ain erbere gmaind iren rödner bei der hand behalten sollt. [...] haben die erberen sechs der gmaind gesanten [...] von dem handwerck der weber und kellermaister zu ainem rödner erwöllet, wölicher die sachen von wegen der gantzen gmaind gehandlet hat.
Rot
341
(
Augsb.
1571
):
Procurator, Schaffer / verweser / amptmann / Redner / verwalter in frembden dingen / Fürsprecher / Werber.
Klein, Oswald
112, 119
(
oobd.
,
1438
):
Ain redner, der da nimet güt | von ainem, dem er reden tüt, | der ist ain argkwönleicher man, | den solt man nicht ertailen lan.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swenn der richter oder der stat redner zuͦ einem fewr choͤment, an swelher gassen daz sey, so habent sy payd gewalt.
UB ob der Enns (
moobd.
,
1376
):
vmb den vorgenanten chauf. dez Egenanten Erbrechtz. sind Zewgen vnd auch redner gewesen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
101, 32
(
moobd.
,
1453
):
der richter und der rat sol der gemain ainen redner vergunnen, als offt in des not geschiecht.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1492
):
Ich Ludwig Peuntner [...] bekhenne, [...] dasz fuͤr mich kham der ehrwuͤrdig und geistlich herr, herr Thoman [...] mit seinem weisszer und angedingten retner.
Mell, Steir. Weinbergr.
135, 3
(
smoobd.
,
1543
):
es soll kainem clager [...] gestatt werden, das er sich ainen redner irren lass.
Hertel, UB Magdeb. ;
Laufs, a. a. O.
155, 6
;
Kisch, a. a. O. ;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
Thiel u. a., Urk. Münchsm.
179, 27
;
Dirr, a. a. O. ;
Thiel u. a., a. a. O.
226, 22
;
Brunner, a. a. O.
167, 21
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Bischoff, Steir. Landr. Anh. ; ;
Wopfner, Bauernkr. Tirol ;
Schmitt, Ordo rerum
110, 18
;
Vgl. ferner s. v. , 2.
3.
›Vokal, Selbstlaut‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Die Teutschen und Winden pflegen viel puechstaben (der kainer der fünfen, so die Teutschen die redner nenne, einer ist) zam setzen.