rabe,
›Rabe, Corvus; großer Singvogel aus der Familie der Rabenvögel mit kräftigem Schnabel und schwarzglänzendem Gefieder‹; als seine Eigenschaften gelten: sein Krächzen, seine schwarze Farbe, seine räuberische Art, seine Ernährung von Aas, insbesondere Leichenteilen, sein liebloser Umgang mit seinen Jungen; auch auf andere Vögel bezogen sowie pejorisierend auf Personen (in 1 Beleg: auf den Teufel) übertragen.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
f.; 7, 381
Suolahti, Die dt. Vogelnamen.
ff.1909, 174
Phraseme:
das mich / dich die raben fressen!
(Fluch/Verwünschungsformel); jn. / etw. den raben empfelen / geben, (hängen) lassen
u. Ä. ›jn. / etw. tot den Raben zum Fressen überlassen‹; jm. einen raben machen / reissen
›jm. eine Lektion erteilen‹; dem raben mus
›leichte Speise‹ einstreichen
in etwa: ›jm. Honig ums Maul schmieren‹; der rabe sich gogel bedunken
›sich mit fremden Federn schmücken‹; kein rabe hakt dem anderen die augen aus
(sprichwörtlich); kein rabe bringt einen distelvogel
›kein Rabe gebiert einen Stieglitz‹; vgl. auch Tpma
ff.7, 161
Syntagmen:
Noah
(Subj.) einen raben aus der arche senden
; jn. wie die raben schmähen
; der r. krank / schreiig / schwarz, ein schreiender vogel, mit as erzogen, von natur zu rauben geneigt sein, einen adler fangen, schwarze wolle tragen, das küchel lassen, die kinder aus dem nest werfen, die veränderung des wetters erkennen, die art haben, das [...], sich mit pfauenfedern bekleiden, die raben
(Subj.) reden können, am galgen speisen, auf ein as warten, einander tot beissen, selenmessen über jn. singen
; j. / etw. schneweis
(als Adynaton) / schwarz wie ein r. sein, j. wie die raben stelen
; jn. dem raben gleichen, j. / etw. den raben gehören
; jm. wieder den raben helfen
; der schwarze r., die bösen / jungen / schädlichen raben
; das küchel
›Küken‹ des raben, das kräen der raben
; die anzeigung / prophecei mit dem raben
.Wortbildungen:
rabächtig
räbel(ein)
rabenas
rabenei
˹, ˺ ›von schwarzglänzender Farbe wie ein Rabe‹ (dazu bdv.: , , , , ),
rabenfarb
rabenschwarz
rabenfeder
rabenfittich
rabengesang
rabengeschrei
rabennest
rabenspeise
rabenvogel
rabenzagel
Belegblock:
vnd das klein Rabenaas das Eudocia lag auch dabey vnd wahr Todt.
und verstehen doch nichts von der aufferstehung, wie ein Rab oder Dolen, die reden konnen.
wir pflegen zu sagen, wen ein golckrabe auff einem hause sitzet undt schreiet, das es eine prophecei undt anzeigung sei mit dem raben, das eins aus demselbigen hause sterben werde.
Ebd.
607, 2
: Wir pflegen sonst zu fluchen den boͤsen buben, [...]: Ei, das dich die raben fressen, das ist: das dich der hencker an galgen knupffe.
Nemet war der Raben / die seen nicht / sie erndten auch nicht [...] vnd Gott neeret sie.
Kein Adler / Rab / Krae / vnd Schauffauß / | Hackt dem andern die Augen auß.
Verwirf mich nit, | wan ich dich bitt | umb hilf wider den raben, | den bessen gast.
Want wen dy jungen rebelin | Nicht swartz als ire vetere sin, | Der alde rabe [...] | Let di jungen siben tage | Ungespiset.
ich ruf dich sam das küchel an | des raben, das er hat gelan, | das an dir eine suchet trost.
Furuus Dunckelschwartz. Fuligineus Rußschwartz. Fuscus Rothschwartz [...]. Coracinus Rabenschwartz /Sam̃etschwartz. Piceus. Pechschwartz.
es wer ie kein wunder, daß der Karsthans mit dem pflegel drei schluͦg und die rappennäster alle zerstörte.
[sie ist] zuchtig als ain sweine | und suptil als ain esel, wol gepildet als ain aff | und schneweiss als ain rab.
Ebd.
276, 49
: Der rab pedaucht sich gogel.
Dein orn zu eim henckers greys, | Dein augen zu einr rabenspeys.
Rabengeschray. cra est vox coruorum.
[Inquisitor spricht:] Ich muß den dölpln examinirn | [...] | Ich wil im einen rappen reissen, | Er muß uns unser kuchen speyssen, | Weil wir den visch int rewsen bringen.
[Die fraw spricht:] Ich wil im machen einen rappen, | Dem groben, eyfernden lappen, | Daß er ein weyl zu lauffen hat.
Was den raben gehoͤrt / ertrincket nicht.
Esopus von eim Rappen seit | Der hab sich ouch hoflich bekleidt | Mit Pfouwenfaͤdren lieblich schon.
du Wolff, du Rabenvogel, [...], Auweh, ist dann niemand, der frid machen will.
wir sont nit tuͦn als der rappe den Noe sante uss der arche. der sass uffen ain âss und âss daz.
komen by Toll so fil rappenfogel in dem lufft, das man den himel kum mocht gesechen.
wye dye rappen by Mumpelgard ainanderen zu dutt byssen hettend.
Ir diebsböswicht, stelend wie die rappen!
[Also muͦß er] dem rappen muͦß yn strichen, | Biß er von ere vnd guͦt muͦß wichen; | Ein geuchin settigen nympt vil kichen.
Rappaͤchtig / das von rappen ist. Rappenfarb / glitzerend schwartz wie die rappen / als schwartz als ein rapp.
Rabengesang [...], Crocitus.
so koment die fogel von dem land, kreyen, rappen, aglaysteren.
papagei als die rapen, sind grün, rot, gelb und vermischt mit allen farben.
Wie man gemeinlich sprücht, es pring kein rapp kein distelfogel, und kein wolf kein schaf.
man spricht auch, daz die raben zuogevâhen
[›empfangen‹],
wenn si ain rabenai ezzen. „Raco“, so sprach der rab: | „zwar ich sing ouch wol | [...]!“
2 püsch von langen indianischen rabenfedern, der eine ist von grien blaulecht und rotten federn, der ander von rott und leibfarben.
wer den [ein torisch mut] maint ze machen gut, | daz ist [...] | alz der [...] | [...] den morn weiz wil machen | oder raben vettachen.
Es sein auch noch sprichwort verhanden, das man spricht ,du siechst eurisch, pist räbisch‘ von denen so ernstlich sein und auf die rais herfürputzt und aufgemacht.
Lauterbach, Orhein. Rev. ;
Thiele, Minner. II,
13, 245
; Wiessner, Wittenw. Ring
1236
; Lemmer, Brant. Narrensch.
101, 35
; Klein, a. a. O.
50, 25
; Meisen u. a., J. Eck
22, 15
; Schweiz. Id. ff.