made,
der
,
auch
die
;
–/-n
;
meist pluralisch gebraucht.
›Made, wurmartig gedachte Insektenlarve‹; speziell wohl ›Fliegenlarve‹; teils wird sie gezüchtet (z. B. zu Köderzwecken), teils denkt man sie sich durch Urzeugung entstanden; nach den Belegen wachsen sie in Pflanzen, im Fleisch von Menschen und Tieren, fressen diese schmarotzerhaft auf, werden aber auch zur Herstellung von Arznei genutzt; generell negative Bewertung, mehrfach zur drohenden Erinnerung an die Vergänglichkeit des Menschen inszeniert.
Phraseme:
maden in den wunden (sein)
›Gegenteiliges bewirken; etw. verschlimmern‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. 1, 1.
Syntagmen:
maden zeugen / finden / weren / fürkommen, zu pulfer brennen
(zu Heilzwecken),
jm. unterstreuen, eichäpfel, der gaul maden haben
;
maden
(Subj.)
auskriechen
, [wo]
wachsen, jm. schaden, jn. fressen / verzeren, aus dem schaden
(›aus den Wunden‹)
gehen, in js. blut baden
, [wohin, z. B.
in das obst
]
kommen
, [wo, z. B.
im leib, in den füssen / händen
]
wachsen / wülen
(z. B.
im rücken
),
sich von js. ase beren
;
etw. vol maden stecken
;
käse zu maden werden
;
die maden des fleisches, in der wunde, im holz, in der erde
;
böse / dicke / greuliche / schädliche / weisse maden
;
die speise der maden
.
Wortbildungen:
madechtig
,
maden
›verwesen und dadurch Maden hervorbringen‹,
maden|as
(dazu bdv.: ),
madenbremse
›Schmeißfliege, Bremse‹,
mad|essig
›verwesend, einen Nährboden für Maden bildend‹,
madenheilig
(subst.),
madenspeise
,
madenstank
,
madicht
,
madig
.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
das sie auch fürgeben, der Christlich glawbe sey auß, wenn man yhn die warheit sagt und saltz yhn yhre garstrige wunden unnd maden
[Satzbruch].
Ebd. (
1544
):
und [ich] fule eitel traurigkeit, schwermut [...], dazu tod, grab und maden, so mich verzeren sollen.
Ebd. (
1536
):
etiam madenstanck unter seinen henden.
Ebd. (
1528
):
das die falsschen heiligen predigen und Tuncher sein werden, Madenheiligen, Stanckheiligen da sein werden.
Ebd. (
1540
):
Tantum historiam, non virtutem etiam. quam tribuunt iren stinckenden garstigen, madigen operibus.
Ebd. (
1544
):
solch hand, zung, die nichts ist denn Madenspeise.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
73, 921
(
Magdeb.
1608
):
Wie die Moren jhr todten essen / | Die Hund muͤssen den Perser fressen / | Das sie nicht faulen / vnd die maden / | Jn jhrem fleisch / vnd blute baden.
Ebd.
308, 1483
:
[WEr] niemand dient / sich nur dienen lest | [...] | Als die Maden im holtz vnd Erd / | Jst durchaus keiner ehren werth.
Ebd.
687, 5688
:
[DJe Krebs] Stiessn vnd bissen gleich wie Embsen / | Die Raupen / vnd die Maden bremsen.
Follan, Ortolf. Arzneib.
99, 22
(
rib.
,
1398
):
Merke ouch dusze arczedye. Nym honich vnde reyneworme, maden, iclikes gelych, bernes to puluere.
Beckers, Bauernpr.
56, 19
(
Köln
1515
/
18
):
haint sy [eicheppel] fligen so is idt eyn myddell jair. haint sy maeden. bedudet eyn guyt jair.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Wir sollen keuffen salben, [...] | das ehem nicht moegen geschaden | dye wyrme nach auch dye maden!
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
[
sie
, Welt,
ist
]
Krumb, lam, beinbruͤchig, hackrig, hinckendt, | Gar schwach, verwund, faul, madig, stinckend.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Wan nach dem tode sich dor in | Der mensch verwandelt libes halb | Rcht als eyn ander todes kalb, | Dor uz bin der erden graden | Wachsen wurme und maden.
dis mensch sun, dy made, | Di sich von synem aze byrt | Wan der mensch eyn lyche wirt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
121, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann [...] die sonne drauf scheinet, so wirdet es lebendig wie weisse maden mit schwarzen köpfen, umbkreucht und naget die beume.
Ebd.
179, 4
:
Maden zu zeugen, so man an die angeln brauchet. So nim ein schwarz hun, [...], grabe es ehlentief 14 tage in den mist, so findest du maden.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 26, 17
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
die ist recht als ein böser made, | der in ein obez komt ungeladen.
Gille u. a., M. Beheim
279, 61
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der ruken was ir faul. | darynn sah ich die maden wulen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
O Fleisch, O Madenaß, | O Fleisch, O Wasser Blaß.
Menge, Laufenb. Reg.
2718
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Die fúchte [spyse] stopfet vnd madet.
Adrian, Saelden Hort
4590
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
si [súnd] zúget schádlichen maden | músigen, satten hertzen.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1520
):
das alle die kes under den warmen sternen in der zeit augusti, julii rc zu würmen werden oder maden.
Ebd. (
1527
/
8
):
Wo nun ein wunden ins fleisch geschlagen wird, primum est, das man die zufell were, nemlich tumorem, eiterung, maden.
Der Mensch ist ein Speise der (maden).
Ebd. :
madechtig / oder madicht / voll maden.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Wellich gest nit geren bezalen, | Vnd vsz dem käs manigen
[=
made
?]
schalen, [...] Der selben gest ich geren gerat!
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
50, 16
(
moobd.
,
1393
):
Maden werdent dir vndergestrêt, vnd dein huͤl, das werdent wuͤrm.
Deinhardt, Ross Artzney
247
(
oobd.
,
1598
):
Wann ain gaul maden hat. [...] Holer, du solst gebunden stan, biß du haist die wirm oder maden auß dem schaden gan. In dem namen des Vatters.
Mollay, Ofner Stadtr.
106, 7
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
süllen sy [fleischakerr] altzeit als das fleisch peschawen, [...] nicht stingkund noch mad ëssig noch phinnod seÿ.
Peil, a. a. O.
335, 2321
;
Dedekind/Scheidt. Grob.
93, 20
;
Rohland, Schäden
474
;
Gille u. a., a. a. O.
164, 82
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 190
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Bremer, Voc. opt.
46079
;
Schles. Wb.
2, 833
.
Vgl. ferner s. v. .