quetschen,
quetzen,
V.,
selten auch
2
questen
;
zu
mhd.
quetzen, quetschen, questen
›quetschen‹
().
›extremen Druck auf eine materielle Bezugsgröße ausüben‹; im Einzelnen z. B.: ›etw. eindrücken, quetschen‹; ›etw. zusammenpressen‹; ›etw. zerschlagen‹; mit personalem Objekt: ›jn. / etw. verwunden, verletzen‹; ›jn. (materiell) schädigen‹; ütr.: ›jn. quälen, bedrängen, herumstoßen, unterdrücken‹; gelegentlich intransitive Verwendung.
Überwiegend md. / alem.
Syntagmen:
das fleisch
(Subj.)
q
. (absolut);
jn., die christen / leute / pfaffen q
.,
etw
. (z. B.
den fus / leib, das schif, die natur des menschen, die kirchen / klöster
)
q
.,
jn. durch bosheit, mit hungersnot, mit dem schlägel, dem schwert, um eine säule, unter der trotte q., die welt mit tribulatie, etw. zwischen den händen q
.;
die späne
(Subj.)
jn. q
.,
das hirn
(Subj.)
aus dem haupt q
.
Wortbildungen:
quetsch
›Druck, Stoß‹ (nur alem.),
quetschlich
›bedrohlich, erdrückend‹,
˹
quetschung
,
quistung
(nd./md.)˺ ›Zerquetschen‹; speziell: ›Wunde, Verletzung‹ (dazu bdv.: 2, , ,
die
, 5; 6, ,
die
, 1, 2, 1); ütr.: ›Unterdrückung‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
53, 5
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
er ist vorwunt durch unsir missetat und iz gequezit
[
Mentel
1466:
zerknischt
; nd. Bibel 1478:
vertreden
;
Wormser Proph.
1537:
ist geschlagen worden
;
Luther
1545:
zuschlagen
]
durch unsir bosheit.
Luther, WA unten (
1509
/
21
):
Habent acht uff die falschen propheten, bekleidt mit schoffwoll, von inen zuckend woͤlff. Lond uns den armen drucken, quetschen, toͤdten und fressen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
also wart gotes lip vil sere | um eine sule gequetzet.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
114, 34
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
gaint af an quijstinge(n) ind muysebisse(n) van 150 mald(er) VI mald(er) malts.
Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
1462
):
dat men den gepande man ain sijnem lijve of lede sonder argelist gein quetsunge of lemnisse doin ensal.
Chron. Köln, Koelhoff
3r, 21
(
Köln
1499
):
wie disse welt gequetzst vñ gestoissen is mit mãniger hande tribulacie vnd droeffnisse.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Mit dem slegel ich brechen und qwetschen | Mit ruwe und angest des menschen | Hertze.
Das wir
[Alter und Krankheit]
uns von dir nit scheiden | Bis das wir dich haben geslagen, | Geqwetschet und nidergeslagen.
Schneider, Pont. u. Sid.
123, 14
(
rhfrk.
/
mosfrk.
,
2. H. 15. Jh.
):
Da entwappeten sie Andru vnd fonden yne sere geqwetzt an manchem ende.
Ebd.
209, 30
:
Her Pontus wart des konigs gewar, der sinen vatter erslagen hatte vnd die cristen sere nodigett vnd qwetzschett, wo er sie kont erlangen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
si trûgen ime inkegin alle di sich ubele gehabeten mit maniger hande sûchen und mit quetschunge
[
Mentel
1466:
noͤten
; nd. Bibel 1478:
kranckheit
;
Eck
1537:
quelung
;
Luther
1545:
qual
]
begriffen wâren.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
15, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Sy nemen dy erdin unde wyndin, dorno queczschin sy dy erde czwischin den hendin.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Also es zuͦmole winter ist und dúrre vinstere quetschlicher quellender vinsterkeit gelossenheit, daz get úber alle bevindende gebrúchlicheit.
Ebd. (
1359
):
bevint der mensche das, das es
[das Fasten]
sin nature qwetschet und wil verderben, so [...] nim urlob von dinem bichter.
die swesteren die es wol vermúgent sunder qwetschunge irre naturen, so múgent si die regel vaste vasten.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
das einer [...] geworffen würt mit einẽ scharpfen stein oder ander instrumẽt davon nit allein die hut / sunder auch das fleisch vnd geeder zermürschet vñ quetschet.
Enders, Eberlin (
Basel
1521
):
wie kanstu herte muͦter solichs an deim haͤrtzen haben, deim kind were lichter sant Agatha marter, dann so ein langes questen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 494, 9
(
halem.
,
E. 15. Jh.
):
wer er heer in der statt, er wette alen denen kwëttsch machen, die nütt gehorssam wettend sin, bis das keiner meer in der statt wer.
Thiele, Minner. II,
12, 160
;
Vetter, a. a. O. ;
Rieder, Gottesfr. ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
374, 2
;
617, 12
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;