qual,
quel,
die
,der
;-Ø/-(e)n
;1.
›physisches und / oder psychisches Leiden‹ (als Resultat einer Handlung) sowie: ›das Zufügen, Herbeiführen, Verursachen von Schmerz, Leid‹ (als Handlung); die überwiegende Mehrzahl der Belege lässt eine eindeutige Interpretation des Lemmawortes als Resultat oder als Handlung nicht zu, vielmehr bedingen sich beide Aspekte im Sinne einer semantischen Reziprozität; im Einzelnen: ›Züchtigung, Körperstrafe, Folter‹ sowie: ›durch Folter herbeigeführter körperlicher Schmerz‹ (auch als juristisch legitimierte Strafe); damit einhergehend: ›Angst, Beklemmung‹; ferner: ›Krankheit, Seuche‹ (als aktiv ausgeübte Strafe oder passiv ertragenes Leid auffassbar); generalisierend: ›Heimsuchung‹; häufig bildlich im Zusammenhang mit den als zeitlich unbegrenzte Folter von Leib und Seele vorgestellten Höllenstrafen; bezogen auf negative seelische Befindlichkeiten auch: ›seelische Not, Bedrängnis‹; ›Gewissensqual‹ (das Gewissen als handelndes Subjekt oder leidendes Objekt auffassbar); ›Todesangst‹; generalisierend: ›Mühsal, Not, Leid‹; Phraseme:
ane / sunder qual
›freiwillig; ohne Zögern‹.Bedeutungsverwandte:
(die
) 1; 2, , 1; 2, 1; 2, I, 5, (die
) 2, , (der
) 4, 1, 2, 4, (das
) 1, (die
) 5; 7; 8, (die
) 2, (die
) 1; 2, 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8, 2, , 1, 1, 1, .Syntagmen:
q. (von jm.) leiden, das herz q. tragen
; die q
. (Subj.) gros sein, jn. strafen, den sünden antworten, unter jn. kommen
; jm. der q
. (Gen.obj.) danken
; j. der q
. (Dat.obj.) ein ende machen
; die sele
(Subj.) ane q. aus jm. gehen, jn. aus der q. erlösen, jm. aus der q. helfen, die sele
(Subj.) aus q. wiederkommen, jn. durch q. plagen, etw. mit q. volbringen, j. mit q. behaftet sein, jn. mit q. anfechten, j. in die q. kommen, in (der) q. leben / liegen / sein / sterben, leib und sele in ewige q. verdammen / verstossen, j. vor q. schreien / verzagen, jn. von der q. behüten / erretten, die augen
(Subj.) vor q. zehern, j. sich vor q. wie ein al winden
; die q. des neides / reifes / todes, der helle, des feuers, der gewissen
(Pl.); die bärmliche / ewige / gräuliche / grosse / jämerliche / lange q
.; der rauch der q
.Belegblock:
Hörst nicht, Pluto, wie Lycaon | [...] | [...] fur schmerzlichr angst und qual | Sich rümpft und wint gleich wie ein al?
fürchten den, | Der auch die pen | Der hell möcht gen | Und leib und sel | In ewig quel | Verdammen mag.
die tzurschlagene, arme hertzen, die durch qual yhrer gewissen nach hulff und trost ßo fast vorlangen und sich sehnen, das sie widder tzeytlich gut noch ehre begeren.
ynn der helle wird die qual so gros sein, das man vergessen wird was man odder weib sey.
ES ist kein Mensch, den man mag fur witzig und klug achten, so er in hoͤhester qual und leiden, in pestilentz oder ander seuche lege, der da nicht wolte einen fromen, trewen Artzt leiden.
sie brachten zu jm allerley Krancken mit mancherley seuchen vnd qual
[
noͤtenMentel
1466: ; nd. Bibel 1478:
kranckheit;
quelung(en)Lang
1521 / Emser
1527 / Eck
1537: ;
grimmenFroschauer
1530: ]
behafft. di bichte vorleschet di sele | von des ewigen todes quele.
Adè last trawren fahren | Zur wilden Wüst hinein, | Bald Wagen her, vnd Kahren, | Lad auff all quaal, vnd pein.
die unsprechliche groys noidt, | die die mentscheit lyden sale | mit groysßem jamer und qwale, | die ist grußsam zu bedrachten | und die toidesnoidt zu achten!
Vnder die
[Mönche eines Klosters]
kam ein grosse qual, | Das sie schier starben all zumal. Wie er die [...] Herren deß Landts [...] mit heissem vnd brennendem Speck betreiffet / vnnd andere mehr Qual vnnd Marter an that.
hir saltu dich gurten ane quele | unnd god lieb haben van gantzer sele.
und
[die Ungläubigen]
werden gequelet werden mit feur und schwefel tag und nacht / und der rauch jhrer quahl wird aufsteigen von ewigkeit zu ewigkeit. Do sprach der grave svnder qval | Vnd sol ich fvrbaz zv keinem mal | Nimmer keinen man bestan | Iz sol nach ewerē willen ergan.
Du [Maria] der gefangen drosterin | Dort in fegfewres queln, | Du ringerung der pein verdampter seln.
Last uns im
[Christus]
dancken seiner quel, | Der für uns gab sein eygen sel. Als er [der Reiche] nun in der Hellen vnd in der Qual ward / hub er seine Augen auff / vnd sahe Abraham von ferne.
in all ihrem creutz und quel | Geistlich, weltlich an leib und seel | Steht ir gebet und hertz stet offen, | In gedult allein auff gott hoffen.
Die bletter denne rysend | Abe den boͮmen alle | Von küler ryffen qualle | Vnd dorret alles das do ist | Von des manots küler frist.
vnd er löst auch für ware | gancz Israel, | die hart lagen in angst und quel.
Qual straffet uns umb sündenval.
Ebd.
27, 3
: Kunig Christe, macher aller ding, | du hast erledigt mit guetem geling | den menschen aus der helle qual, | den Adam bracht mit seinem vall.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
148v, 17
; Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
147, 1268
; Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1628
; Voc. Teut.-Lat.
aa ijv
; 2.
›Liebeskummer, Liebesleid‹; Spezialisierung zu 1.Literarische Texte mit Bezug auf den Liebesdiskurs.
Belegblock:
Also hat mich durch stochen | Der starken mynnen strole, | Daz ich vor großer quole | Mus ymmer „we mir“ schryen.
lat mich ewer hulde | und zucht erwerben, frau, | Und lat mich nicht alsă | [...] | so jemerlichen sterben | in diser qual und mie!
der junge Filistander | unnd der edel Parcival, | die lebten beid in solcher qual | die dich auch beczwingen dut.
stedicheit kan auch virdriben | in einer stonden altzu mael | wat yman leit doir mynnen quael.
Trauren mich besleusset genzlich überal, | und meret sich mein grosser qual, | so mir an meinem arm gebrist | ain schatz an argen list.
O nachtigal, dein spëher don | mir pringet qual, des ich nicht lon.
fraw, meiner frewde | ist ewer súesser leib | ein hortt vnnd v̈bergewde, | vnnd meinr senenden quale leid vetreib!