übersichtig,
Adj.
charakterisiert eine als abweichend aufgefasste Stellung und Sehrichtung der Augen, auch Augenkrankheiten, Sehdefizite; demnach: ›scheelsichtig, schielend‹; ›einäugig‹; ütr.: ›kurzsichtig, nur das vor Augen Seiende, Offensichtliche, nicht das Hintergründige sehend und erkennend‹; vgl. (Präp.) 3; 4 (?).
Obd.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, , , 1, , , , , 2.
Wortbildungen:
übersicht
›Fehlsichtigkeit im eigentlichen und übertragenen Sinne‹ (dazu bdv.: ,
der
, 3),
übersichtigkeit
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
Darumb hat got auch den tod auff unsz alle gelegt und das Creutz Christi [...] seinen [...] Christenn geben, [...], darynn doch yhm leyder die welt mit yhren ubersichtigen augenn on underlasz widderstrebt.
Ebd. (
1544
):
wie eine Mutter [...] wird blind fur liebe, ja sie hat so reine augen, damit sie das Kind als ein schoͤne frucht jres Leibs von Gott gegeben ansihet, das sie aller gebrechen vergisset [...], ja auch entschuͤldigt und schmuͤcket, Das es nicht mus geschielet, sondern liebeugelt heissen, so es ubersichtig ist, Und mus jm auch die Wartze wol anstehen.
Voc. Ex quo S
1055
(
obd.
,
1. H. 15. Jh.
):
ubersichtig, .i. luscus – dicitur cuius oculi per obliquum siue per transuersum intientur objectum.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
1525
):
zürnen nit! mich bedunkt, euer gnad sige übersichtig
[angesichts von
huͦrerei
]
und bruche ein brill oder augenspiegel uf der nasen, in die weite zuͦ sehen.
Voc. Teut.-Lat.
hh vjv
(
Nürnb.
1482
):
Vbersichtiger. luscus / .i. strabo, odʼ schilher. strabus idem.
Ebd.
vijv
, 20:
Vbersichtigkeit vbersewnigkeit. luscitas.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Paetus, Ein übersichtiger.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gluraug (das) Vbersichtig / der bocks augen hat / das ist / wenn das augglid den augsternen halb deckt.
Vbersichtig / Der ein boͤß gesicht hat. Desioculus. Nyctilops. Vbersichtige (die) Vbersinnige. Noctilupa, sed Barbare.
Vbersichtig / einer der in die hoͤhe sicht.
Turmair (
Augsb.
1517
):
petus ,übersichtig‘ a peto, pedor ,unlust‘ a pede ,laus‘, rex regis a rego.
Niewöhner, Teichner
679, 5
(Hs. ˹
moobd.
,
1469
˺):
do sprach ich: das ist als vil | als ein presst, hayst uber siceht. | das einer mag gesehen nicht | was im gar ze nahent stat.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .