überscheinen,
V., unr. abl.
›etw. überstrahlen, hell über etw. anderes scheinen‹ (meist von der Sonne im Verhältnis zum Mond gesagt; oft formelhaft:
wie die sonne den mond überscheint
o.ä.); in der Mehrzahl der Belege bildlich, metaphorisch, in Vergleichen gebraucht, dann: ›qualitativ dem Strahl der Sonne vergleichbar sein, unsagbar glänzen‹ (von jeweils unterschiedlichen Bezugsgrößen gesagt); im Hintergrund kann eine Stufung der Verhältnisse stehen, die vom götlichen liecht
ausgeht, von da aus auf das liecht der engel
, dann auf das liecht der sele
ausstrahlt, in dem die creaturen
ihr wesen nemen
und dem Menschen fassbar werden; vgl. (Präp.) 1; 2; 3 (ütr.); 9; 10, .Im 16. Jh. auslaufend; gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
die sonne
(Subj.) den mond, alles gestirn, jn. ü., eine zauberin
(Subj.) die sonne, got die sele, den tag mit gnaden ü., des engels liecht das liecht der sele, das liecht der sele die creaturen ü
.; die sele wonniglich, die creaturen mit liecht überschienen werden
; im Part. Präs. (nachgestellt): das gemälde, hoch überscheinend
.Wortbildungen:
überschein
überscheinlich
götliche wesung
‹, überscheinreich
Belegblock:
Alle crêatûren die engevallent gote niht, daz natiurlîche lieht der sêle überschîne sie, in dem sie ir wesen nement, und des engels lieht überschîne daz lieht der sêle und bereite und vüege sie, daz daz götlîche lieht dar inne gewürken müge.
Alle crêatûren, in dem daz sie sint, dâ sint sie als ein niht; swenne sie überschinen werdent mit dem liehte, in dem sie ir wesen nement, dâ sint sie iht.
Si [sel] sol alzo bloz sein an ir selber, daz da nicht beleib dan got, wan sie got uberscheinet hat alz di sun den manen.
O starker Got, | [...] | laß uns den dag mit gnaden oberschinen!
Hie [Ypocras] ist der besten meinster einer, | So ehen die sonne ie uberschein.
O Barbara, dü junckfraw fein, | der heiligen keüsch ein uberschein.
Wie wirt dú krone so wunklich úberschînent, dú hie so sur erarnet ist.
wan die gotlich wesunge ist etwaz blözes
[›nicht Umgrenztes‹],
daz da in im haltende ist überschinlich, waz bezeichent mag werden oder verstanden von dekeime geschaffenen verstan. si [Media] ist der pesten zaubraͤrin ain, | so sei di sunn ie uͤberschain.
daz die engel beschaffen sind in dem fewreinen himel der also genant ist nicht nach der hicze sunder als er vberscheinreiche chlarhait hat.
Recht alls die sunne überscheint | alls annders gesstyrn, [...] | dem gleich und eben masse | ist Venus, der minne küngin.