übersagen,
V.
1.
›jm. etw. (Übles, Negatives) nachsagen; e. S. (z. B. ein Handwerksprodukt) als schlecht, übel erklären‹; vgl. (Präp.) 2; 3 (jeweils ütr.).
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 2, 2,
1
(V.) 2, 3, 2.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 669, 34
(
preuß.
,
1453
):
wir hetten nie anders gefaren an unsern herrn, den als gute frome lewte und muchte uns ouch anders nicht obirsagen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1881
(
rib.
,
1444
):
id is groisse hovart ind overdait | [...] | [...] sijn [des potmechers] machsel hesslich oeversagen | Ind in yme selver van syme machen beclagen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
172, 35
(
thür.
,
1474
):
so muß dy mait deme burgere [...] solliche honlich, smeliche lasterworth unde zcusage unde missebitunge, so offte sye ir dye in vorwandelten stetin obir⸗ unde zcugesaget hat, nach rechte [...] vorbussen.
2.
›jn. rechtsförmlich einer Unrechtstat überführen, js. Schuld durch die Aussage von einer bestimmten Anzahl (z. B. von zwei, sieben) Zeugen beweisen; jm. etw. nachweisen‹; mit offenem Übergang zu weiteren Stationen des Rechtsverfahrens: ›jn. verklagen‹; ›jn. dem Gericht überantworten‹; ›jn. verurteilen‹; vgl. (Präp.) 2; 3 (jeweils ütr.).
Phraseme
(rechtsformelhaft):
ane alles übersagen
›ohne Zeugenbeweis‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2, 12, 6, 1, 1, ; vgl. 4.
Syntagmen:
j
. (z. B.
die teidingsleute
)
jn. ü
. (z. B.
redlich / schiere / schwerlich, mit groben stücken
),
die Juden keinen christen ü. sollen, ein diebstal, die schranne jn. ü., j. jn. e. S
. (Gen.obj., z. B.
des meineides
)
ü
. (z. B.
mit warheit
);
j. (jn.) mit zweien / sieben (mannen) ü
.,
jm. etw. ü
. (z. B
mit warheit
); refl.:
sich selber ü
.; im Part. Perf.:
j. übersagt sein
(z. B.
mit zweien, mit frage / urteil, zu dem tode
)
werden
(z. B.
gegen jn., mit einer meid
),
Christus Pilato übersagt werden
;
der übersagte man
(mehrfach); subst.:
das leben ane übersagen verlieren
.
Wortbildungen:
übersage
,
übersagung
›rechtliche Überführung‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Stackmann u. a., Frauenlob
1, 15, 10
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
er ward mit einer schönen meit | gein sinem vater überseit, | des quam er sit in arebeit
(zum Verständnis s. den Kommentar in Teil 2 der Quelle, S. 643).
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
man ubersagete uns gar schwerlich mit groben stucken, und das wardt alles mit unwarheit uff uns gedichtet.
auch wirdt euer gnade das in warheit so erfinden, das den pfennern mit solcher ubersagunge unguttlich geschycht.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
115, 23
(
nobd.
,
1384
):
den oder die sullen alle stete [...] berehten und von leyb tuͤn als einen morder von reht zuͤgehoͤrt, wanne wir die ietzo uͤbersagt und urtaylt haben.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 175, 17
(
nobd.
,
1464
):
das der gnant Smytt, [...] sulchs holz und wisen nicht getrewlich wart und behutet und unredlich damit umbging und des redlich uͤbersagt und wͤberweiszt wurde, so soll und mag sie ein herrschaft [...] wol entsetzen.
Gille u. a., M. Beheim
181, 241
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der diebstal wer im gewiss | seiner poshait ein geczeügnis | und ubersaget in umb dis | und tailt in an den galgen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
So heilig die Jungfrawen sein. | Vnd wo sich eine hilt vnrein | Vnd dessen vbersaget wür, | Das kostet Leib vnd Leben jr.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
das heyden und Juden nüt süllent einen cristen übersagen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1348
):
er werd danne e vor uns oder vor unserm lantvogt mit zwein ersamen mannen ubersaget und ubertzeuget.
Wyss, Luz. Ostersp.
9622
(
Luzern
1545
):
Cristus pilato ward v̈bersagt, | mit valscher kuntschafft ser verclagt.
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
1342
):
swer darüber an der plaich und auz der freyung v. pfenning wert stilt, der hat daz leben verloren ân alles übersagen.
UB ob der Enns
10, 284, 25
(
moobd.
,
1384
):
wär aber das ich das vber für [...], so sol ich mit zwain vnd mit dem brif vbersagt sein.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
56, 43
(
moobd.
,
1396
):
so sollen wir unser ygleiches mit siben mannen ubersagt sein alz ander schedlich lewt.
Niewöhner, Teichner
369, 48
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
der sich vaigt | mit der flucht, der ist der van | als ein uber saiter man.
Ebd.
392, 53
:
in hiezz all dw werlt ein affen | den dw schran hiet uͤber sait | und hiet nur hintz morgen pait, | daz man dann an galgen hie.
Ebd.
564, 3625
(Hs. ˹
nach 1400
˺):
mit ir selbers weissagen | werdentz ubersaget schir.
Ebd.
568, 108
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
wie man die luͤt verderben mag | anders denn mit uͤber sag, | das wirt an der raitung swaͤr.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
1591
):
Man sol aber über in richten auf den grünten und mit zwain übersagen.
Opel, a. a. O. ;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
259, 10
;
Schultheiss, a. a. O.
116, 24
;
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
307, 5
;
Merz, Urk. Bremgarten
117, 20
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Brunner, a. a. O.
51, 34
;
Niewöhner, a. a. O.
287, 29
;
672, 36
;
Vorarlb. Wb.
2, 1416
.
3.
›jn. / sich zu etw. verpflichten, etw. Zugesagtes einhalten; jm. etw. als Verpflichtung auferlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 14, 2, 4.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1476
):
sowes sij die nageschreven moitsoinre sij darinnen underwijsen ind oversagen wurden, dat sij sulchs allet vast, stede ind unverbruchlich halden weulden.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Ein schwer Sententz jm vbersagen, | Die er fuͤr seine Suͤnd muß tragen.
UB Zug
2462, 9, 8
(
halem.
,
1434
):
dz loben wir, war unn stett zu haltend [...], und, úns des zuͦ úbersagend, so binden wir úns under ir insigel.