überlesen,
V., unr. abl.
›etw. (einen Text oder etw. als ,Text‘ Tropisiertes, z. B. js.
leben, die geschichtschreiber
) lesen, durchlesen, studieren‹; vereinzelt (ausgedrückt durch adverbiale Zusätze): ›etw. schnell lesend überfliegen, überlesen‹ sowie ›etw. genau, prüfend, aufmerksam lesen‹; vgl. (Präp.) 3 (ütr.), 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 3, 2, (V.) 2, 1, , 6.
Syntagmen:
etw. blos, oben anhin, aufs neue, eigentlich / fein / fleissig / schnelle, von wort zu wort ü., einen brief, eine copei / letze / regel / schrift, ein buch / urteil, die buchstaben, einen unflat, das leben (der heiligen) ü
.
Wortbildungen:
überlesung
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Dan.
12, 4
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
abir du, Danyel, besluyz di rede und zeichen das buch biz zu der gesatzten zit. vil lute werden iz ubirlesen
[
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1531:
hin vn̄ her drin̄ vmbgehn
;
Eck
1537:
hin vnd her lauffen
;
Luther
1545:
drüber komen
],
und di kunst wirt mancherley.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Wie sal nu mines herzen sin | Die grozen unvlat uberlesen | Da inne ich bin hie vor gewesen?
Thiele, Minner. II,
31, 514
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
nacht und dach, spade und vruͦ, | moessent si in erbeide wesen | und ir leetze over lesen.
Gerhard, Hist. alde e
2498
(
omd.
,
um 1340
):
Wer der kunge bucher hat | Uberlesen mit der tat, | Der vindet und besinnet, | Daz iclichz anders sich beginnet.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
224, 39
(
thür.
,
1474
):
habin wir solliche orteyl obirsehen, gemargkt unde eygintlich obirlesin, dye wir uch hyrynne vorsloßin weddersenden.
Ebd.
299, 33
:
die [schrifft] man billichen eyginttlich obirlist unde zcu synne nymmet.
Sermon Thauleri
8ra, 28
(
Leipzig
1498
):
Als man die heiligẽ wũniglichẽ schrifft in den heiligen ewãgelien tawsent male vber leße vnd predigte vnd vberdechte. so findet mã yemer newer warheit.
Skála, Kanzleispr. Eger.
12541
:
Die hailigen schrift dik úberlesen.
Gille u. a., M. Beheim
67, 6
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der [esel] wil durch grabm | alle puchstabm | und uberlesen
(ironisch).
Sachs (
Nürnb.
1551
):
So will ich auff den sal hinein | Und den brieff uberlesen fein.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
swer sú [ler] also an blicket, der mag eigenlich kumme iemer dis úberlesen, sin herz muͤze inneklich bewegt werden, eintweder ze inbrúnstiger minne oder ze núwem liehte oder jamer nah gotte.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
145, 16
(
els.
,
1362
):
Die túfel enphingent den brief, vnd úberlosent den.
Ebd.
555, 4
:
Wellent ir eine lústliche spise der geschrift núczen so súllent ir úweres lant mannes Augustinj buͦcher uberlesen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ich han uwer regel gantz überlesen und kan nit anders bekennen, wen ich uwer zit betten solte, so bedorft ich vol drig stund.
Maaler (
Zürich
1561
):
Vberlaͤsen. [...] Bloß Vberlaͤsen / Oben anhin / Schnaͤll vn̄ in einem fürgang laͤsen.
vberlesen / wider vnd auffs new lesen [...]. vberlesung / f Lecture; Relectio.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
Dise copei, durch mich Martin Hayden, [...] approbierten notarien, collacioniert, auscultiert, mit vleiß überlesen und dem originalvertrag von wort zuͦ worten gleichlautent erfunden ist.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. , Anm. (
m/soobd.
,
1435
):
Dass diese abschrift von dem original zu wort zu wort [...] überlesen und collationirt worden.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
solche pücher muß man fleissiger, dan pißher beschehen, überlesen von deswegen, das mermals grosse verendrung mit land und leuten geschehen ist.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
63, 15
(
tir.
,
1464
):
das ich suechet oder v̈berlës das leben aller heiligen, so schëcz ich, das ich chain grössern möcht vinden, wennd er ist.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 7
;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
.
Vgl. ferner s. v. 2, .