überlaut,
Adj.
1.
›überlaut, zu laut, das normale akustische Niveau übersteigend‹; beschreibend oder kritisch nuanciert von der Stimmbetätigung des Menschen gesagt; offen zu 2; zu (Präp.) 10 (ütr.), (Adj.) 1.Syntagmen:
j. ü. lachen / rufen / schreien / weinen
(jeweils absolut); etw. ü. ausschreien
(z. B. js. lob
) / sagen, jn. ü. rufen / schelten, ü. rufen, das
[... + Inhaltssatz] oder [... + Hauptsatz]; j. e. S
. (Gen.obj.) ü. lachen
; das überlaute gebrechte
.Belegblock:
EJn Narr lachet vber laut
[
erhoͤcht sein stimme im lachenMentel
1466: ;
erhebt sein stim̄ mit gelechterFroschauer
1531 / Dietenberger
1534: ;
im gelaͤchter erhoͤcht sein stimEck
1537: ]
/ Ein Weiser lechelt ein wenig. Die Froͤsch rieffen auch vberlaut / | [...] | Wir nemen Marxn zum Koͤenig an.
Da fraget er den Cantor / was er kuͤnde? Der antwort / ich kan alles. Des lacht Esopus vberlaut.
Freien, herren, riter und kneht, | da waz ain über laucz gebrecht | an disen steten scheine.
Bell, G. Hager
64, 3, 31
; 2.
›vernehmlich, von jedermann hörbar, allgemein verstehbar, deutlich‹; mit Tendenz zu ›öffentlich‹; im Unterschied zu 1 hörerseitig gesehen, auf die Verstehbarkeit des Geäußerten bezogen und weniger die Lautstärke betonend; vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1; 2.Syntagmen:
j. ü. etw. bekennen / rufen / rügen / sagen
(mehrfach), einen eid schweren, einen spot ü. brechen, ein gebot ü. übergehen / übertreten, j. ü. (von jm.) sagen, swer [...], jn. ü. bitten
[+ Infinitivsatz mit zu
], j. ü. (zu jm.) sprechen
[+ Hauptsatz], eine stimme ü. (zu jm.) sprechen, die engel jn. ü. loben, Job / got ü. sprechen, got jm. ü. zusprechen, j. jm. etw. ü. klagen
; etw
. (Subj.) ü. bekant / gerügt / geoffert werden
.Belegblock:
ich horte als einer stimmen lut | Sprechende zu mir ober lut.
die nimmer sin [Gotes] gebot | Ober lut noch stillen | Durch des vleisches willen | Ubergen noch uber treten.
Got gebot und sprach bi nam | Uber lut und offenbar: | [...].
Wie man von S. Moniken [...] schrie uberlaut: Lasst uns vollend hinauff gen Himel faren.
do wart des vatir stimme gehort, | di rif obirlut dese wort: | [...].
Wenest du is? so dich Got behuͤde, | Sage mir is, so ee, so besser, uberluͤde!
Got, git er, hivor uns sprach zu | Durch die wissagen; aber nu | Got uns spricht zu uberlut | In sinem zarten sune trut.
Vil begonden sie biegen | Schimpfes uf sinen smertzen. | Malachyas von herzen | Brichet den spot uber lut, | [...].
ain exempel von ainem esel Ich clag euchs allen uberlaut: | der esel in des leben haut | wil [...].
Des heiligen Geistes keusche Braut, | Dich loben die Engel vberlaut.
verswigen ist der mægt nam, | so daz man niendert úber lút | seit swer gewesen sieg dú brut.
Nun wil ich sagen úber lut | Von der hailgen Gottes brut, | Das ist die hailig cristenhait.
sy sprachen uberlawtt, wuerd solichs nicht gewent, so mocht das lanndt in grosser schaden khumen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
676, 5323
; Feudel, Evangelistar
37, 8
; Kochendörffer, a. a. O. ;
Wiessner, Wittenw. Ring
5411
.3.
charakterisiert Personen, ihre Tätigkeit sowie Sachverhalte als je nach textlicher Situation über die bloße Vernehmbarkeit hinausgehend: ›ausgezeichnet, herausragend, vorbildhaft‹; im Einzelnen: ›offenkundig, wahrhaft‹ (von dem gottes trauten
); ›für alle sichtbar‹ (vom Aufsetzen eines Hutes); ›auserlesen, hochrangig‹ (von einer Schar Adliger); ›für alle erkennbar‹ (von der Wundertätigkeit Christi); dabei reduzieren sich die akustischen Inhalte von überlaut
bis ins Unerkennbare. Auffallend sind polare Paarformeln wie stille und überlaut
, heimlich und überlaut
; immer ist Reimbildung im Spiel; vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1; 2 (ütr.).Älteres Frnhd.; Reimtexte.
Belegblock:
Sus was der reine Gotes truht | Ubir stille und ubir luht | Dem lande gar ein heilant.
Keine worte er
[Christus am Kreuz]
nit sagete noch ludte. | Ein anebuß er was heimlich und uberlude | Zu allen slegen, als er wart geslagen. Er satztt och uff daz hobett sin | Ain hüttlin gar über lutt, | Daz was ains zedemones hutt.
Der küng und sin erweltes trutt | Mitt ainer schar gar über lutt | Fürsten, ritter, frowen | Begundentt alle schowen | Mitt gelust der herren lip.