überlang,
Adv.;
teils adjektivisch gebraucht.
1.
›nach einem Bezugszeitpunkt, eine gewisse Zeit später, nach einer Weile, schließlich, endlich‹ (auf einen rückwärts gelegenen Zeitpunkt folgend); ›vor kurzem‹ (einem gegenwärtigen Zeitpunkt vorausgehend); ›zu gegebener Zeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt; über kurz oder lang‹; insgesamt eher zeitpunktuell gedacht als auf den Zeitverlauf bezogen; vgl. (Präp.) 7, 9.
Mehrfach narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , , 4.
Wortbildungen:
überlangs
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dâ ouch sint nicht obir lanc | ein swêrir hurde ûf in dranc, | want er dem ordene bevorn | zu hômeistre ward irkorn.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
31, 5
(
Frankf./M.
1550
):
Doch moͤcht einem auch solcher vortheil / wann er vberlangs ein mal gebraucht wurde / zu gut gehalten werden / sunst ists ein heßliche vnd odiosa tautologia.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Annyss Botte sagte auch dem rathe, [...], do der rath bey uns im hoffe was und mit uns ein wart, ehe die innungen noch uberlangk zu uns kamen diese wort hiernach folgende [...].
Gille u. a., M. Beheim
449, 139
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
und über lange, da kam im für | in diser vinsternes | ain kleiner schein.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Der pawer kam heim uberlanck, | Schürt an ein fewr, sang uberlawt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
der morder ward überlang gefangen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
einer von Hastat, der ime im orden und dem maisterthumb überlangs erst succediert.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 20
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Moises kom darnach überlank; | da Pharo in dem mer versank.
2.
›sehr lange; nach langer Zeit, eine nach der Erwartung lange Zeit später, lange nach einem Bezugsgeschehen; für eine lange Zeit; längst fällig‹ (dies Letztere von einer Geldsumme); im Unterschied zu 1 wird in 2 eine das übliche Maß übersteigende Zeitdauer angenommen; im Einzelnen ist eine klare Zuweisung nicht möglich; vgl. (Präp.) 6, 6; 7.
Oft Texte gebundener Form.
Bedeutungsverwandte:
4.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
sie sungen nuwen sanc, | Sprechende gnuc uberlanc: | [...].
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Pridem. Fernt vorlangst vorlangem längst vberlang.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
dor noch quam gar uber lanc | Diz rich und sin anehanc | Dyonisio zu handen.
Und tet sy beyten uberlang | Des ich ir da schuldic was.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Untz ich hie her zu dir quam, | Daz du viengis minen sam, | Lerende waz noch geschiet | Uberlanc an diner diet.
Küther, UB Frauensee
388, 1
(
thür.
,
1529
):
So hatt der ernvest Rudolff [...] die uberlengen funffzick gulden, darmit die zweyhundertt gulden voll werden, ausgelegt.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1494
):
Wurd ich der minn nicht von der sat, | Ich näm ander zwölf an der stat, | Die mich minnen uberlank | In dem stro und auf der pank.
Sachs (
Nürnb.
1536
):
Die fraw verstundt es nit und tranck, | Erfur den hon erst uber lanck.
Lemmer, Brant. Narrensch.
7, 7
(
Basel
1494
):
Mit hynder red und lyegen groß | Gibt er gar manchem einen stoß | Der das erst vberlang entpfindt | Und machet uß dem fründ ein findt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Seins gemahls verwis ist im domals bewilliget, vermeg ains briefs, der über langs hernach ist ufgericht worden.
Es sagt herr Froben Christof seinem preceptori überlang erst, wie es zu Cöln im abschiede ein vexation were gewesen mit dem statknecht.
Karsten, a. a. O. .