überformen,
V.
›jn. / etw. in Richtung auf ein religiöses Ziel so überbilden, überformen, dass er / es unter Beibehaltung der Form die Seinsweise des Zieles annimmt‹; vgl. (Präp.) 2; 3. Diesem Vorgang liegt das Bild des materialen Überformens eines Gegenstandes mit einem anderen zugrunde; vgl. dazu (erstere Nuance); er findet sich innertrinitarisch auf die
menschliche natur
des Sohnes bei gleichzeitiger Göttlichkeit sowie bildhaft auf die Gleichförmigkeit des Menschen mit Gott übertragen; dabei wird
wirdiglichen wandeln
vorausgesetzt; folgende Gegebenheiten müssen
von dannen, sterben / vergehen
: die
befindlichkeit, eigengeschäftlichkeit, geschäftlichkeit, gedenklichkeit, creatürlichkeit, würklichkeit, grösse, farbe
, das
kennen / wellen / wissen
; der Zustand der
überformung
erscheint unter sprachlichen Fassungen wie
entsunkenheit, lauterkeit
2; 3; 4; (auf der Seite des Menschen),
liecht
(
das
) 4,
einfaltige / götliche klarheit, überförmige / einfaltige einigkeit, götliches abgründe, ungeschaffenheit, ungeschaffenes ewiges wort des vaters
(auf der Seite des überformenden Gottes); vgl. (Präp.) 2; 3 (ütr.).
Wobd.; älteres Frnhd.; Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
,
verwaltigen
(s. u.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 230
).
Syntagmen:
jn. (in der unbekantheit, mit dem liechte / worte) ü., die creatürlichkeit, den geschaffenen grund ü., die form (mit der form), die sele (nach dem wesen), den menschen mit wesenlichem wesen ü
.
Wortbildungen:
˹
überförmig
,
überförmlich
˺ ›über jede Form, jede Gestalt hinausgehend‹ (dazu bdv.: ),
überförmigkeit
,
überformlich
,
überformung
(dazu bdv.: 5, 1, ütr. Nuance).

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz er der [...] sun ist nach der úbertreffenden annemunge in die selbsheit der goͤtlichen persone, und aber die andern in die innemunge úberfoͤrmiger einikeit des selben bildes.
der weis, daz dú sele in dem nihte eintweder muͦz úberfoͤrmet werden ald aber ze nihte werden nach dem wesenne.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Die forme die engewint niemer ewekliche raste, si enwerde úber formet mit der forme die alle formen in ir treit und volmachet: das ist das ungeschaffene ewig wort des himelschen vatters.
So koment etliche und sagent von also grossen vernúnftigen úber weselichen úberformlichen dingen, recht als si úber die himele sin geflogen.
Dise menschen [...] sien sorgvaltig wie si behalten die einikeit des geistes in dem bande des friden, ein geist und ein Got in der úberformunge der geschaffenen geiste von dem ungeschaffenen geiste; das wirt als verre úberformet als vil me man wirdeklichen gewandelt hat nach dem wirdigen bilden unsers herren Jhesu Christi.
Also sprich ich: hie sol der mensche úber formet werden mit disem úber weselichen wesende; so muͦssen alle die formen von not dannan die man in allen kreften ie enphieng: das kennen, das wissen, das wellen, die wúrklicheit, die fúrwúrflicheit, die bevintlicheit, die eigenscheftlicheit.
als Got den menschen also vindet in der luterkeit [...], so neiget sich das goͤtlich abgrúnde und sinket in den luteren zuͦ gekerten grunt und úberformet den geschaffen grunt und zúhet in in die ungeschaffenheit mit der úberformunge, das der geist als ein mit dem wirt.
Ebd. (
E. 14. Jh.
):
wan Got minnet sich selber hie und ist hie sin selbes fúrwurf. In disem ist nút denne ein verloͤuckenen und ein úberformekeit und ein verborgen goͤttelich vinsternisse.
Eichler, Ruusbr. steen
144
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
in der v́berformunge der einikeit vallierent alle geiste in irem werken vnd enphindent anders nv́t denne alles verbrinnen in der einvaltiger einikeit gottes.
Ebd.
682
:
sv́
[die
selig toten
]
sint alsus von nuwer sterbende in minne mit der inziehenden v́berformunge der selben einikeit.
Ebd.
707
:
in dv́nsternis, do werden wir geworht vnd v́berformet mit dem ewigen worte.
Ebd.
791
:
Wan vnser entsinken in die v́berformunge gottes, daz blibet eweklich svnder vf enthalten.
Ders., Ruusbr. obd. Brul.
2, 230
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das fúr machet ein vnd sin gelich in alle die ding, die es verwaltigen vnd v́ber formen mag.
Ebd.
2004
:
daz innigest sins geistes blibet ime noch vnbekant vnd in der vnbekantheit wirt er v́ber formet vnd durch gangen mit einualtiger clarheit.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
32, 31
(
Venedig
1483
):
so wart sie [creatuͦrlichheit] hier innen vͤberformiret mit goͤtleicher clarhaͤit ob allen bilden vnd vernuͤftigkeit.
Sermon Thauleri
15rb, 21
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
3, 170
.