überein,
Adv.
1.
›mit anderen einig, einer Meinung‹; meist von Personen mit dem Blick auf andere gesagt, seltener die Meinung von Gruppen kennzeichnend.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 5, 1, .
Syntagmen:
ü. halten
›sich einig sein‹,
j
. (z. B.
beide, das hofgesinde
)
ü. sein
(z. B.
wol
),
j. mit jm. ü. sein
(z. B.
eines rates
),
j
. (z. B.
durch frieden / gnade, mit einander
),
ein bund ü. werden
,
j. e. S
. (z. B.
eines zuges
)
ü. werden, mit einem pfleger ü. werden
›sich einig werden, dass ein Pfleger eingesetzt wird‹.
Wortbildungen
(jeweils unfest):
übereinen
›sich hinsichtlich e. S. einigen‹,
übereingehen
›einer Meinung sein‹,
übereintreffen
1 ›in den Worten übereinstimmen‹ (vgl. , V., 7),
übereintreten
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
Unnd haben nicht gemerckt, das der heylige geyst mit vleyß geordentt hatt, das keyn Euangelist mit dem andern ynn den selbigen wortten ubereyn trifft: die doch mehr hetten sollen und muessen ubereyn treffen, odder sie hetten mehr denn wyr ynn die form des sacraments gesundiget.
Ebd.
560, 6
:
Darumb sihestu, das die kirche gantz und gar ynn der bedeuttung mit der Synagog ubereyntrit, und wie wenig yhr sind, die fur dißem yrthum unnd verterben erhalden werden.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
103, 856
(
Zwickau
um 1540
):
aus heilger schrifft | Man urtheiln kan / was da ubr ein mit trifft.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
250, 47
(
nobd.
,
1406
):
Als euer erber botschaft nehst hie am lantfrid gewesen ist und man do eins czugs uberein ist worden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
1525
):
das du wöllest aim rat in allen iren zimlichen gebotten und verpotten geharsam sein, auch was sich der merer taile des rats uberaint und zu rat werden, dasselbig [...] volpringen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
haltet beede vberein | Vnd theilet das Reich vnter euch.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ob yndert einer nit wolt zuͦziehen daz der so bald wurd gestraft von den andern die geleich mit einander vberein giengent.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1388
):
der pund von den steten ward uberain.
Sappler, H. Kaufringer
18, 76
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
sie wurden uberain mit namen, | sie wollten auf gelückes kraft | laisten guot gesellschaft.
Ebd.
23, 14
:
wenn man wol überain wär | und man gieng auf rechtem pfat, | davon geschach niemant schat.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
519, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Eneas all sein frew̃nde | und Anthenor, der si da manigen hatten, | mit den sie waren des rats gar überaine.
Munz, Füetrer. Persibein
312, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Ich pin des v̈ber aine | mit all den meinen, zwar, | das ich euch zinse claine | nw für an gib.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1543
):
so soll er hinwider gëen ob er lenger hinfuer die freiung haben wil und dann mit ainem phleger überain werden und im umb die freiung thuen als [...].
Pfeiffer, a. a. O.
265, 19
;
Sappler, a. a. O.
14, 618
;
23, 14
;
60
;
Bastian u. a., Regensb. UB
461, 9
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
636
;
Munz, a. a. O.
122, 4
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. .
Vgl. ferner s. v. 1.
2.
›übereinstimmend, in Übereinstimmung miteinander‹; über Personen und Sachen gesagt, deren Sein und Handeln zusammenstimmt.
Wortbildungen:
übereins
,
übereintreffen
2 ›übereinstimmen, zusammenpassen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1528
/
9
):
Denn die Erfarung trifft jmerdar mit der heiligen Schrifft uberein.
Schmitz, Schiltb.
6, 20
(
Frankf.
1597
):
das Lehren vnnd das Lehrnen (welche vbereins beysammen seyn sollen vnnd müssen / so was gutes darauß soll werden).
Opitz. Poeterey
31, 32
(
Breslau
1624
):
und das die nach vns sein / Von uns mit stettem rhum erzehlten v̈berein.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
In dem schlosz v̈bert v̈berein | In siben tagen flaisch vnd pain.
3.
›allesamt, gemeinsam; zusammen‹ (auf das Handeln von Personen bezogen); ›insgesamt‹ (auf Abgaben sowie abgabepflichtige Güter bezogen).
Bedeutungsverwandte:
2
(Adj.) 1, 2; 3, 1; 2.
Wortbildungen:
übereintreffen
3 ›zusammentreffen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nu vornemet uber ein: | Daz Got der hoch gerichte | Des menschen sune glichte.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
131, 3
(
omd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
So nun beidte marscheder gezogen undt nicht ubereintreffen, auch die parteyen sich [...].
UB Zug
770, 12
(
halem.
,
1432
):
das sy all und jeklicher geben súllend, als im [...] bescheiden ist, das ist úberein sechstalbstes fiertel kernen gelttes.
Ebd.
851, 5
(
1440
):
und schlagen ihn
[einen Zins]
auf hus und hoffstat und husmatten úberein.
Jörg, Salat. Reformationschr.
252, 18
(
halem.
,
1534
/
5
):
bkannt er / das er das vennlj darumm haben tragen ob sj doch übereyn gen Frowenfaͤld zien.
Bauer, Geiler. Pred.
322, 21
(
Augsb.
1508
):
Der herr sprach zu Abraham. gang auß deiner erden. [...] Du muͦst überain außgeen unnd dich entledigen / von allem dem daz nit got ist.
Klein, Oswald
44, 82
(
oobd.
,
1426
):
Mein freund, die hassen mich überain | an schuld.
4.
›durchaus, bestimmt, tatsächlich‹; aussageverstärkend gebraucht; mit (unentscheidbarer) Tendenz zu ›sofort, auf der Stelle‹.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
ü. js. werk sein, ü. nicht schmecken, ü. nicht sein mögen, j. ü. ˹heim, ein spieler sein, etw. nicht tun, sich eines friedens nicht halten, jn. aus seinem munde speien˺ wollen, eine jungfrau ü. keinen heiden wollen, j. jm. ü. etw. sagen
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
wen du la bist zwischen zwein, | So begin ich dich ober ein | Uze mineme munde spin.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz wir beheftet sin alsus, | Daz ist sin werc ubir ein.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sant Gregôrius: wære got tœtlich gewesen und sölte er sich ir als lange hân entzogen, überein im wære sîn herze gebrochen.
Bernoulli, Basler Chron. 5, V,
382, 9
(
alem.
,
1445
):
Das wolten die von Bern nit lossen geschechen, und wolten úbereyn heym.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Da der Vatter sahe, das er uͤberein ein Spiler wolt sein, da verdinckt er in zuͦ den besten Spilern.
Welti, Urk. Rheinfelden
241
(
halem.
,
1449
):
Ob aber das vberein nit sin moͤchte, [...], so bitten wir v́ch aber, das ir [...].
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Darumb trag ich sy
[eine
kappe
mit dem Bild einer nackten Frau]
an gewandt. | Also hab ich dir v̈berain | Gesaget, was das pilde main.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
die het er gern zu ainer gemaheln gehabt; aber die junckfraw wolt über ain kainen haiden.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 163, 6
.