überal,
Adv.
1.
›überall, an allen im Argumentationszusammenhang in Betracht kommenden Orten‹; vgl. am ehesten (Präp.) 3, 2
(Adj.) 1.Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
got jn. ü. sehen, got, die bösen geiste ü. sein, j. ü. wandern, etw. offenbaren, die warheit sagen, in dem lande predigen
(z. B. den glauben
), künigreiche anrichten, eine märe
(Subj.) ü. erschallen, das holz ü. eröden, js. schal, ein element ü. die welt regieren, die wunder gottes ü. beschehen, das kreuz js. ü. warten, eine truhe ü. mit etw. gestikt sein
.Belegblock:
daz die sele dikke stinkende ist in deme lebenden lichname, also wanderet vil toter luͤte ober al, daz ist leider war.
vñ was do wãdern in dem landt Galilea vnd tzu Capharnaum vñ in der stat Nazareth vnnd vberal do ynn dem lande Juda.
Weil dan Gott uͤberall ist / und selber alles ist / wie koͤmpts dan / daß [...].
Fuͤr deinem Altar niderfall, | Denck wie dich Gott seh vberall.
Vberall / an allen Ortten vnd enden.
überall die werlt von ort zu end | Regniert der edel element.
inwendig, auss und úberal, | zu Münsterling und anderswa | regniert dein adelicher schal.
darumb solt du nicht auf hören dich czue peraiten czu dem streit. wand die pösen geist die sint v̈beral an allen steten.
Ebd.
64, 28
: Das kchreücz Kchristi das ist albegen perait vnd wartet dein vberal.
2.
›insgesamt, als Ganzes, allgemein, generell, alle / alles zusammen, nichts ausgenommen‹; subst.: ›ein Ganzes, die Einheit‹; als Generalisierung an 1 anschließbar.Syntagmen:
wir
(ein Kollektiv) ü. (etw.) bekennen, j. ü. verwundet sein, ü. x florin schuldig bleiben, etw
. (das beste teil
, den unteren Körper) ü. nemen, ü. x schafe gestolen haben, etw. ü. stehen lassen, der kasten ü. sieben sein, ein lehen ü. den zehenten geben
; das ü. gültige parallaxium
; subst.: der grund, ein überal
.Belegblock:
Drej Hundert schaf hetten sie vngefeer vberal gestolen.
so enblibt nút in diser verlornheit denne ein grunt der weselichen uf im selber stot, ein wesen, ein leben, ein úber al.
daz lehen, [...], git zehenden úber al, mit hus und mit aller zuͦ gehoͤrt.
Hört, ir herren überal, | Ir schült nit chlagen meinen val.
Wir die ratgeben, clainer, alter und grozzer rat, und gemainclich reich und arm hie ze Auspurg uͤberal bekennen und tun kunt offenlich.
also waren der prunnenkasten überall siben, die kostenten die stat groß guet.
ich pin v̈beral verwundet vnd würd widerum gesunt.
so plaibt er schuldig vber al fl. 15.
3.
assertorisch, bestätigend, auch verstärkend für den Satzinhalt gebraucht: ›tatsächlich, überaus, völlig‹.Teils gebundene Texte, mit Reimbindung.
Syntagmen:
j. ü. das wapen tragen, ü. der zunge gemeistern, seine sachen ü. behaupten, ü. auf himmel steigen, verbieten, das [...], jn. ü. vor jn. füren, ein ammer ü. der mutter gleich, ein feld ü. durchleuchtet sein, jm. ü. etw. gefallen
.Belegblock:
Nu vynden ich wale ungelogen | Dat woepen zo dragen over al.
Er
[Jesus]
hat virboden vberal, | daz nieman dem keyser sal | vorbaz sine sture geben. er furte ne gezogentlich | vor die heren uber al.
Uf daz er siner zungen úberal dest baz gemeistern moͤhte und nút zu vil mit rede usbrúchig were.
4.
assertiert bzw. verstärkt in Verbindung mit einem verneinenden Ausdruck die Verneinung des jeweils Gesagten: ›rein gar nichts, ganz und gar nicht(s); durchaus / überhaupt nicht, keineswegs‹.Syntagmen:
das regiment nichts ü. sein, j. niemandem ü. etw. nemen, an js. almächtigkeit ü. nicht zweifeln, j. keinem irtum ü. nicht steuern können, j. jm. ü. nicht kochen, j. jm. ü. nichts pflichtig sein, an niemand ü. einer hilfe finden, niemand ü. glüklicher leben, danne [...], etw
. (Subj.) ü. nicht sein sollen, jn. etw
. (Subj.) nicht ü. anfechten, kein gericht niemanden ü. schirmen, kein bürger kein geld von niemand ü. empfangen sollen, kein tier ü. leben, es [...]
[+ konditionaler Hauptsatz]; überal nicht
›keineswegs‹.Belegblock:
Nequad. Mit nichte keinswegs keinerley weiß zu keinem weg keins falls vberall nit.
Denn damit were das keiserlich regiment nichts uberall, So es doch sol auff erden uber alle Oberkeit schweben.
Das kein Thier lebet vberall / | Es hat seinen feind vnd vnfall.
furwar dein trotzig prall | Ficht mich nicht an gantz vberall; | Jch achts gering.
so ist er sollicher wort unde zcusage halbin, [...], deme genanten Hermanne obirall nichtis phlichtig.
Suche uñ iage di gantzẽ werlt mit einander auß. so enfindestu dysser hilff an nymãt vberal.