über,
Adj.
(1),
Adv.
(2–4); vgl. auch .
1.
›eines negativ bewerteten Ereignisses oder eines Einflusses von gegnerischer Seite enthoben, überhoben, frei, entledigt‹.
Bedeutungsverwandte:
2
3, 4.
Syntagmen
(meist prädikativ mit Gen. gebraucht):
j. e. S
. (Gen., z. B.
des heirates, eines dranges / ersuchens, der gebrechen, js. mutwillen
)
ü. sein, j. alles ü. werden, j. e. S
. (Gen., z. B.
der marter
)
ü. werden
;
jm. nichts ü. werden
;
j. an js. zorn ü. sein / werden
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
want wir des van eren ind van bescheitz weigen niet oiver sin enmohten, nademe dat verbont uswist.
ind uns ind unse burgere dach vur dage [...] beschweirden, schedigden ind archwilligden boiven brieve [...], so enkonden wir des niet oivergesin, geliden noch langer unthalden.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1444
):
das [gelt] hat man geben den zweyen püchsenmaistern, [...], also das uns nichtz uber ist worden.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1349
):
het man den Juden nút súllen geltten, si weren sin alles úber worden.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
dovon sie men es nüt lange mag behuͤten und beschirmen one grossen schaden, des wil ich über sin.
Dierauer, Chron. Zürich
146, 6
(
halem.
,
1415
/
20
):
Des man alles úber wurde, (so man dem raͮt) der erbren wisen lúten, [...], gehorsam were.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Gaͤbe dan Got gnad, dass man eins wurde, so waͤre man semlichs unfrintlichen traͤngs und ersuͦchens uber und on.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
So weren ir vatter und muetter diss heirats auch gern übergewest und hetten die dochter lieber eim Franzosen, dann einem usslender, geben.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
daz ich uf der erde | der marter uber werde.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
38, 18
(
Venedig
1483
):
vnd was sy gepiten zuͤ tuͦn das man an schaden getuͦn mag vnd an irem gerechten zorn nicht vͤbersein noch werden mag.
Dierauer, a. a. O.
200, 26
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
506, 21
;
Barack, a. a. O. .
2.
phras.:
ewiglich und über
›immer und ewiglich‹;
über und über
›für eine bestimmte Zeit ununterbrochen‹; räumlich gesehen: ›überall‹; am ehesten anschließbar an (Präp.) 5.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
88, 9
(
14. Jh.
):
Der herre regnieret ewiklich und uber.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wardt aber eyn stewr im lanndt Kernndten uber und uber angeschlagen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17. Jh.
):
dieselben drei tag mag woll ein man schenken über und über und lenger nicht.
3.
›überflüssig vorhanden‹; diese Bedeutung wird durch die folgenden Wortbildungen vorausgesetzt.
Wortbildungen:
überkeit
II ›Überfluss‹,
überseinig
›übrig seiend‹,
überstel
(
der
) ›unverkaufte, übrig gebliebene Ware‹ (auf dem Markt).

Belegblock:

Fischer, Folz. Reimp.
43, 14
(
nürnb.
um 1491
):
Ich mein, das alle überkeyt | Seins leibs von inne werd purgirt.
Hulsius (
Nürnb.
1596
):
Vberseinig / estre superflu, rester.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
vnd soͤllent dis die grempper jerlichs sweren, doch wer, daz v́tzit vberstels verstuͤndi, daz es nieman kouffen woͤlti vntz vber mitten tag, daz [...].
Fischer, a. a. O.
43
Überschr.;
Schweiz. Id. (hier Belege zu
über
, Adv.).