ölbaum,
der
;
-(e)s/-bäum(e)
;
die Bedeutungsansätze (soweit sinnvoll) sind an diejenigen von angelehnt.
1.
›Ölbaum‹, gesehen als der Baum, aus dessen Früchten 1 geschlagen wird;
vgl. 1, 1.
Syntagmen:
ölbäume pflanzen
;
ölbäume
(Subj.) [wo]
wachsen, öl geben, unfruchtbar werden
;
dem ö. ein königreich anbieten
;
in den ölbäumen feuer brennen, schwämme unter den ölbäumen wachsen
;
der fruchtbare / milde ö
.;
die zelgen des ölbaumes, der berg der ölbäume
;
der zwei(g) von einem ö
.
Wortbildungen:
ölbäumen
›von einem Ölbaum‹,
ölbäumereis
,
ölbaumholz
,
ölbaumzwei(g)
1.
Die folgenden Wortbildungen sind Klammerbildungen aus
öl(baum[en])holz
:

˹
ölapfel
,
ölberbaum
,
ölbone
,
ölfrucht
,
ölholz
,
ölnus
,
ölreis
˺.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Bar.
6, 42
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ouch wib, begurt mit lynin, sitczin an dem wege und burnin oleyboymeczwige
[
Mentel
1466:
die paumen der olbaum
; nd. Bibel 1478:
twygen van olyuen
; 1522:
de telghen der oleybome
;
Luther
1545:
obs zum opffer
].
Peil, Rollenhagen. Froschm.
21, 9
(
Magdeb.
1608
):
Jotham sagt auch den buͤrgern zu Sichem ein gantz gesprech / wie die beum dem Oelbaum / feigenbaum vnd weinstock jhr koͤnigreich angebotten / vnd endlich den dornbusch gewehlet haben / aus deme ein fewr entstanden / vnd sie alle verbrant habe.
Gerhard, Hist. alde e
5030
(
omd.
,
um 1340
):
Und sulden in demute wis | Mit palmen und olboume ris | Begeinen Alexandro drat | Mit allem volke vur di stat.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Idoch wil ich machen kunt | Den olboum in dirre stunt, | Wand er aller mildest ist, | Gibet ol zu siner vrist | Von edlekeit des stammis.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
unde [die tube] brachte eyn bluninges oley riss in orem | munde.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die ebreischen kindere begeinten ime mit olebumes celgen.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
13, 34
(
osächs.
,
1570
/
7
):
gegen mittag soll man pflanzen allerlei fruchtbare beume und sonderlich ohl-, mandelbeume.
Gille u. a., M. Beheim
453, 1864
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das fewr in den ölpamen und | dem stro so ser prinnen begund, | Daz [...].
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
O müeter aller gnaden, | Dw ymer gruendes olpäum zwey, | Lüst, schmack der pesten speczerey.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
do ihesus [...] waz kumen ze bethfage an den berg der olbaum
[Var. um 1475-1518:
ölberg
;
Beheim
1343:
berge Olivêti
;
Luther
1545:
Oleberg
].
Vnd macht in dem bethaus zwey cherubin von olbaum holcz
[1. Kön. 6, 28]
x daum elen in die hoͤch.
Ebd. Var.:
in dem eingang des bethaus macht er ij turlein von olpaum holcze
[Var. um 1470-80:
olholtze
].
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Drupa, Ein œlnuß / oder ein beer.
Fraces, Olschelfen / das man außseübert von den Oͤloͤpfflen.
Oliuo, [...] Jch liß die oͤlfrucht ab.
Maaler (
Zürich
1561
):
Baumgarten (der) Arboretum. [...] Ein vile fruchtbarer boͤumen bey einanderen / als oͤlboͤum / haselnuß stauden / mandelboͤum.
Oelbaum (der) oder oͤlbeerbaum. Olea, oliua. Wilder oelbaum. Oleaster. Oelbaͤumin. Oleaginus. Oelbon (die) Oliuæ bacca.
Morrall, Mandev. Reiseb.
64, 14
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
dar umb haisset er [berg] Olivet das vil oͤlboͤm da wachssent.
Dubizmay, kurß zu Teutze
63, 3
;
Gerhard, a. a. O.
387
;
Feudel, Evangelistar
55, 30
;
Eis, Gesundheitsl.
156, 12
;
Bremer, Voc. opt.
48150
;
Schmitt, Ordo rerum
369, 17
;
18
;
Vgl. ferner s. v. 1, (V.) 2.
2.
›Ölbaum‹, wie er unter Aspekten der zeitgenössischen Religion von 5; 6 her als ,Arznei, Heilung, sakramentale Heiligung, Erlösung‘ motiviert und mit , 1; 2; 3; 4; 5, 4, 1; 2; 3, in eine assoziative (tropische, allegorische, bildhafte) Beziehung gebracht wird; auch auf die Mutter Gottes bezogen; zu weiteren theologischen Assoziationen s. z. B.
LThK
7, 1986, 1138
;
vgl. 5; 6, 3; 4.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. 1.
Wortbildungen:
ölbaumkern
,
ölbaumzwei(g)
2.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Ich aber steh on grawen | In meines Gottes hause raum, | Wie ein gruͤn fruchtbar oͤlebaum, | Ich thuͦ mit festem trawen | Auff dein gnad immer bawen, | Die freundligkeit vnd guͤte dein | Soll ewiglich mein hoffnung sein.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Olboum, dine mildekeit | Was dem cranken ie bereit.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die balmenris und des oleboumes zelge soltu vor unsern herren gote werfen, daz ist inneclichen gebet und bruderliche liebe [...]. ensin dine werk des niht wert daz sie heizen palmen und oleboume, doch mach man heizen sie palmenris und oleboumes celgen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
O müeter aller gnaden, | Dw ymer gruendes olpaüm zwey, | Lüst, schmack der pesten speczerey.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
solt du bluͦmen und gras und oͤle bomes zwiger engegen dem hymelschen kúng spraiten. [...]. des oͤlbomes zwiger ist miltekait und senftekait, die du dinen bruͦdern solt ôgen.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Also das ich [Adam] muͦs sterben, | Ich muge denne erwerben | Von dem paradyse | Inetlicher wise | Dar us aines olei boͮmes ast: | Der benimet mir des todes last.
Rauwolf. Raiß
24, 24
([
Lauingen
]
1582
):
oͤl vnd Mandelbaͤum / Sebesten, deren frücht in vnsern Apotecken / auch vnder disem Namen zufinden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Cegolitus ist ain stain, der geleicht ainem ölpaumkern. wenn man den entlæzt in wazzer, sô ist er guot zuo dem niernstain.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Ditz ist die durchwurzet gar | zelle der erzneie, | [...] | so ist nu des ölpawmes zeit | und der gerten blüete [Virga ferens florem].
3.
›Ölbaum‹ als Gegenstand von Möglichkeiten, die Realität durch Zauber in seinem Sinne zu beeinflussen;
vgl. 7.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw., Anm. (
osächs.
,
1570
/
7
):
Am Walpurgisabend stecke zweiglein von ohlbaum uf den misthaufen, sol fur der unholden zauberei helfen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dar umb sträwten in
[einen
stain
]
die alten läut hie vor mit dem akkersâmen auf die äkker und hiengen in auf die ölpæm für den hagel und für daz ungewiter.