trüknen,
trucken,
treugen,
V.;
Fortsetzung von
mhd.
truckenen, trucken
›trocken werden‹
und
trücken, trückenen
›trocken machen‹
(
).
1.
›das Gleichgewicht der Primärqualitäten zugunsten der trockenen Komplexion verschieben; die trockene Qualität (mit negativer oder positiver Konsequenz für etw. bzw. jn.) begünstigen‹; zu
(Adj.)
1.
Belegblock:
Der safft ist heysser vn̄ mee druckender natuer wan das holtz oder die frucht.
Böhme, Morg.R.
148, 21
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
die suͤsse qualitaͤt hat die herbe auch lieb [...] darumb daß sie die herbe trocknet / daß sie nicht duͤnne wird.
der plitz an ihm selber behaͤlt seine grimmigkeit / davon entstehet die bittere qualitaͤt oder der bitter geist / der [...] entzuͤndet die haͤrtigkeit [...] und das liecht oder der plitz trocknet sich in der haͤrtigkeit.
Menge, Laufenb. Reg.
1923
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
So hüte vor allen sachen | Die dir hitze kúnnent machen | Oder trúkenent ze vil | Als übunge groß vnd mynne spil.
Wedler, W. Burley. Liber
160r
(
moobd.
,
v. 1452
):
„Was ist die kelten?“ „Ain trücknerin der krewter, ain pannd des erdreichs, ain pruck des wassers.“
2.
›etw. trockenreiben, -wischen, -tupfen; etw. abtrocknen (häufig mit Bezug auf den menschlichen Körper)‹; in Texten religiösen Inhalts gehäuft mit direktem Bezug auf Bibelstellen, die eine Fußwaschung thematisieren (z. B. Joh. 13, 1-11, Lk. 7, 38); auch: ›sich abtrocknen‹; zu
(Adj.)
2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1,
1.
Syntagmen:
j. sich t
.;
etw
. (z. B.
das geschmeide / kind, die füsse, hände, die augen, wunden
)
t
.,
jm. etw
. (z. B.
das antliz, die füsse, die augen / glieder
)
t
.,
etw. an / mit etw
. (z. B.
mit einem schurz, mit dem har, mit einem tuch
)
t
.
Belegblock:
[Jesus]
hub an den Juͤngern die fuͤsse zu wasschen, vnd trucknet sie mit dem schurtze.
und heilten mir do das heubt mit weschen, drogen
[hier subst.],
smeren algemach.
als die andern der orter warnamen, sint disse durch die Mais komen mitsamt allen marketenten, haben sich do getrucht und gerust.
Kehrein, Kath. Gesangb.
(
Köln
1619
):
Last vns zum Kindlein bucken, | Sein Nasse Euglein trucken.
Mit jhren trenen netz sie gar, | Sein fuͦß vnd treugt sie mit dem har.
Keil, Peter v. Ulm
182
(
nobd.
,
1453
/
4
):
dornach trucken im die glider gar wol vnd salbe in dornach.
Fraw Paciencia | Und fraw Justicia, | Drueckneten ir [Veritas] die augen | Und drösten sie on lawgen.
Menge, Laufenb. Reg.
4542
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Mit einem tüchly sufer reyn | Das kindly trúknen als ich meyn.
Wyss, Luz. Ostersp.
4423
(
Luzern
1571
):
So hatt diß wyb mitt iren trähen | Min füß gewäschen [...] | Mitt irem har getrücknett schon.
Jaksche, Gundacker
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
daz du [herre] der junger fuͤze | diemûtlich twuͤge, | ein tuͤch um dich du trûge, | da mit dus zeflîze | trûckents.
Die weiber muesten [...] die wunden zelen trücknen pinden heilen
(auch zu
4 stellbar).
Päpke, Marienl. Wernher
;
3.
›etw. trocken machen, trocknen‹; auch: ›etw. dörren, mürbe machen‹; gelegentlich intrans.: ›trocken werden, Feuchtigkeit verlieren; austrocknen‹; dann meist in der Wendung
etw. truknen lassen
; vgl.
(Adj.)
4;
5.
Bedeutungsverwandte:
,
; vgl.
,
,
2,
3,
,
7,
,
,
,
,
,
2,
2,
(V.),
,
,
2.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den boten
)
t
.,
etw
. (z. B.
den hof, die leinwat / lunge / wäsche, das papier / wachs, die würste, die badtücher / beine
›Knochen‹
/ kleider / körner
)
t
.,
etw
. (Subj., z. B.
die arbeit / kraft / sonne / wegung, das feuer
)
jn. / etw. t
.,
etw
. (Subj., z. B.
das har, krebse, würste
) [wo] (z. B.
an der luft / sonne, bei dem feuer
)
t
.
Wortbildungen:
›das Prinzip, das etw. trocknet‹; metonymisch: ›trockenes Land‹.
Belegblock:
Exiccare. Duͤrren trocknen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
262, 28
(
preuß.
,
1396
):
2 ochsen im salcze, item 3 ochsen getruget.
darauff folgete balde der Wind, der es
[das Meer]
teilete und trucknete.
Kurz, Waldis. Esopus
(
Frankf.
1557
):
Dawider scheyn die liebe Sonne, | Bracht nach dem Regen freud vnd wonne: | Mit hitz thet sie den Botten trucken.
Ermisch, Freib. Stadtr.
(
osächs.
, Hs.
v. 1325
):
gesalzen rintvleisch unde schefin vleisch unde wurste unde waz getrockent ist.
Ders. u. a., Haush. Vorw.
28, 36
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Laß sie also den Merzmonat uber hengen und an der luft treugen.
Keil, Peter v. Ulm
15
(
nobd.
,
1453
/
4
):
nym krebs vnd seud das in gutem wein, [...], vnd laß sie wol trucken.
Gille u. a., M. Beheim
251, 41
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Gat sprach [...]: | ,als wasser [...] | [...] | das samel sich in ainen wak, | Und es erschein ein trukenung dar uber her.‘
Dem die milwan das har essend, der zwah / jm wol vnd lass es denne truknen.
ob dem Freithof, wann die ehrlichen matronen ire weschen trücknen.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
23, 10
(
Augsb.
1553
):
ýe er man sý
[Würste]
tricknet, ýe pesser / hencken sý jn stúben oder jn kúchin.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
überigeu wegung und arbait trückent diu pain und macht si alle ze dürr.
Wedler, W. Burley. Liber
159v
(
moobd.
,
v. 1452
):
„Was ist der wind?“ „[...] ain trückung des erdreichs.“
man hat’s [das papier] auf einem pret aufeinander legen, pressen laimen [...] an der sun trücken müessen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
55, 3
(
mslow. inseldt.
,
1538
):
Gregor Pinter beśchwert, das der Hanns Gotl śein kerich vnnd andern vnflat hinein śchüettet, vnnd weret alśo dem waśśer, das er śeinen hoff nit trucknen möcht.
‒
Vgl. ferner s. v.
,
1,
1,
2.
4.
›dem Körper, einem Körperteil (mit Hilfe von Medikamenten) Feuchtigkeit entziehen; Geschwüre austrocknen, heilen‹; vereinzelt auch: ›Blut stillen‹; zu
(Adj.)
3. – Überwiegend Texte medizinischen, heilkundlichen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
,
2,
; vgl.
1.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
etw
. (Akk.obj.)
t
., z. B.:
die sele die wunden, die coralle das milz, des igels fleisch den magen t., etw
. (Subj.)
jm. das haupt t
.
Belegblock:
corallen gepuluert vn̄ gedruncken mit regenwasser drucket das miltz vn̄ benympt des magen vnd buchs wethum.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
192, 20
(
Frankf.
1535
):
sein tugent ist / das es trücknet on beissen / vnd heylet die betruͤglichen geschwer.
Keil, Peter v. Ulm
204
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Die salb trucket die wunten vnd fült sie mit gutem flaisch.
So du aber wilt haben ein arczeny die do me drücknet vnd restruiert. So nim [...].
nach dem und der brant ausgezogen ist, so heil mit der wundarznei zu oder mit trückpulvern.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
des igels flaisch [...] hât ain kraft ze trücknen und ze entsliezen den magen.
Bastian, Runtingerb.
2, 24, 4
(
oobd.
,
1392
):
ich sol alle morgen nuͤchtern in den muͤnt nemen fumf chorn kubeben [...] und in dem muͤnt behalten [...]; daz trukchent mir daz haubt fuͤr di fluͤzz.
Nimb arwes, prenns zu puluer. Oder gersten, das drickhent vnd hailt seer.
Belkin u. a., a. a. O.
78, 15
;
102, 13
;
122, 9
;
‒
Vgl. ferner s. v.
8,
1,
1,
.
5.
›Bezugsgrößen flüssiger, feuchter Konsistenz (z. B. Tränen) reduzieren, aufsaugen‹; vgl.
(Adj.)
2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
.
Belegblock:
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
126, 7
(
Frankf.
1535
):
Er [der corall] [...] stercket die augen [...] vnd trucknet die starcken feuchtigkeit in jnen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
399, 13
(
els.
,
1362
):
Er truͦg [...] ein tuͦch do mit er die trehen sinre oͮgen trúckente die er gos.
6.
›einen Stollen, eine Grube trockenlegen, drainieren; Wasser aus einer Lagerstätte abführen‹; zu
(Adj.)
6.
Überwiegend omd.; Fachtexte zum Bergbau.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
3
2.
Belegblock:
Löscher, Erzgeb. Bergr.
126, 12
(
omd.
,
1548
):
keme ein stollen, erschluge in derselben eine, treugete die andern [stollen] auch mitte, auf diesen fall sollen dieselben zechen [...] das halbe neunthe zu geben schuldig sein.
Ermisch, Sächs. Bergr.
(
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
Fert er abir synen stollen also verre, [...] das er bewysen mag, das er sebin lochter [...] treuget eyns lehens tyff [...].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
(
schles.
,
1529
):
es sollen alle die arbeiter heuer fueller trocker seilwerter und andere von ihren schichten [...] nicht abstehen.
welche umbligende gruben sie alsdann mit iren kunsten trucken wurden, von denselben sollen inen das neunte teil der ertz [...] volgen.
ders., Stadtr. Kremnitz
2
;