süssen,
V.
1.
›jm. schmecken (im ütr. Sinne); jm. wohltun, angenehm, hilfreich, erlösend (dies Letztere im religiösen Sinne) sein‹; Syntagmen:
mit Dat.obj. d. S. / d. P.Belegblock:
So sie richen dan beginnen | Und iz gut zelen musen, | Dem vleische beginnet suzen | Und leben noch des vleisches art, | So ruret sie der girde gart | Und vorwandelt in den mut.
uf daz dú warhait alle stunt | weltlichen hertzen súeste | und in och lieben múeste | von des getihtes schónhait.
die von gnaden uberwallent / und mit jubelfräwden schallent / und unverholen andachten müzzen, | den müz andacht vast süzzen.
2.
›sich, etw. süß machen‹; meist in verschiedene Richtungen ütr., deren gemeinsames Inhaltsmoment als ‚etw. / sich / jn. angenehm machen, je situationsentsprechend in eine gesteigerte, meist bessere Position bringen‘ gesehen werden kann; im Einzelnen z. B.: ›sich aufbessern, milde werden‹ (von der Luft); ›sich beruhigen‹ (von Personen); ›jn. in die Gotteskindschaft heben, erhöhen‹ (von Christus als Handelndem gesagt); ›(jm.) etw. als süß erscheinen lassen, angenehm machen‹ (z. B. den himmeltron
); ›einen Acker (z. B. durch arbeiten
8, roden
) aufbessern‹; ›jm. etw. versüßen, Honig ums Maul schmieren, zu etw. verführen‹ (ansatzweise phrasematisiert); ›jn. erlösen‹ (im religiösen Sinne); ›etw. erquicken‹ (religiös ütr.); ›sich angenehm machen, durch sein Verhalten positiv auf sich aufmerksam machen‹; ›sich demütig verhalten‹; ›sich zieren, sich schön machen‹; Phraseme:
jm. den mund süssen
.Syntagmen:
den acker / himmeltron, die himmelspforte, js. gedenkung s., jn. in den lefzen s., jn. mit der auferstehung s., jm. den mund so s., das [...], sich s., neu und alt sich s., die luft sich s., j. sich e. S.
(Gen.obj.) s
.Wortbildungen:
süssern
süssung
übersüssen
Belegblock:
Bi sinen predigeren, | Die laden und irveren | Unde suzen und bittern | Den pfaffen und den rittern, | Sie suzen den himel tron | Und bieten ewigen lon | Und bittern vur der helle.
der buman, | der einen wilden acker sol san, | suzet und redet so lange, | biz her von erbeitens drange | git der werlde bernde vrucht.
ich dachte: ‚is ist eins meyes tyt, | sint sich die locht hait sus gesuͤest. | ein vogel den anderen gruͤest | met also rechten, suessen sanghe.
Si [predicanten] plegen die bikompsten zu halden, haven sich aver sieder pinxsten gesuest.
ind eme [dem vait] wart der munt so gesuesset ind de rede so sues vurgelacht van des buschofs hulpe ind bestant, dat he wart bedrogen.
Gotz sun zu werden unde sein? | nicht, herr, sol ich das anders mein, | wann mir allein das, was erschein | deinr gnad und güt pegrussung, | Das ich tail gwin irr sussung.
Gelobet sey der jmmermehr, | Der dich mit seiner aufferstehung suͤsset.
Der feint súßt oder furt in
[Var. 1475
redt sússe wort2
–1518: ; nd. Bibel um 1478:
sote sprekt;
ist süß mit seinen leftzenFroschauer
1530 / Dietenberger
1534 / Eck
1537: ;
gibt wol gute wortLuther
1545, Sir. 12, 15: ]
in sein lespen: vnd lagt in seim hertzen das er dich verkere in die gruͦb. Sein gedenckung wirt gesússert
[
würdt [...] süßFroschauer
1531 / Eck
1537: ;
ist süsseLuther
1545, Sir. 49, 2: ]
in dem munde als honige: vnd als das saiten spil in der wirtscheffte des weins. Waz man von süssen wiben sagtt, | Daz hätt sy
[Helena]
über susset. Engelischer gruss dich [gotes muter] grüsset, | götlich süss dich übdersüsset.
Ebd.
12, 3
: Maria, pis gegrüsset, | dein zarter, hochgelobter nam | vor allen dingen süsset, | du sälge himelport.
neu und alt | hand sich gesüsset, | grüsset | sei ir sprinz und sprannz.
Der ein herren nicht wil gruezzen | der muez vier valtichleich sich suezzen: | mit chlueger gab, mit pett von grund.
Ebd.
69, 9
: dez wil in got allez gewern, | ob er sich dez ersten [den himmel suchen] suezzet | und in umb sein reich begruͤezzet.
3.
›etw., das als psychischer Schmerz, als Leiden u. Ä. charakterisiert ist, in sein Gegenteil verwandeln, etw. versüßen‹; Syntagmen
(mit Subj. d. P. / d. S.; Letzteres häufiger): js. kummer, den verdrus, die leidung, die säuere, krumme worte s
.; das gesüste gift
.Wortbildungen:
süssern
süssung
bitter
bestimmten Größe), übersüssen
Belegblock:
sus kan hoffe [spes] sure suzen, | di libe glich ich eren vuzen.
noch hi enkoirt ouch nit des vloys | der suessen kan so suer verdroys. | das ich kyesen, das ist van bynnen, | niet na uysserlichen synnen.
Mars, thue mir mein khummer hie süeßen!
mein inwendiger smak | [...] | Das er das piter in die sussung secz und richt, | und das suss in die vinster werd geprokett.
alle ander minnerin hein suͤssú wort [...], ire hend sint isenhalten, ire red gesuͤstú gift, ire kurzwile erenrob.
denn faͤrwent sú [die valschen minnerin] die ungestalten wengel, dennen suͤssrent sú die krumben wort.