sündig,
vereinzelt
sündiglich
, Adj.
›der
sünde
1 und 2 in einer teils außerhalb, großenteils innerhalb der eigenen Möglichkeiten liegenden Weise unterworfen, verfallen, der geitigkeit, hochfart, unkeuschheit
, dem zorn, has
1, dem überessen / übertrinken
, der eigenen genügde
ergeben‹; auch: ›ein Leben in eigenverschuldeter Weise führend, schuldhaft, in Sünde verstockt lebend und handelnd‹; im Unterschied zu sich gründlich auf got lassen, sich dem sacrament der busse untertänig machen
; damit wird zugleich die Qualität ›zu persönlicher Verantwortung fähig und aufgerufen‹ und als Verpflichtung gesetzt (dies im Anschluss an sünde
2; 3); die Heilungsmöglichkeit ergibt sich aus der Menschwerdung Gottes und der Erlösungstat Christi; sie führt (teils durch Mitwirkung Marias) zum vergeben, rein machen
, zum einwerden mit got, vereinen des sündigen herzen mit got
, zu werdigkeit / seligkeit
.Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
j., das herz, die liebe, die sele, ein opfer s. sein
; j. sündiglichen leben, got sündiglichen empfangen
; sich für s. haben
›halten‹; der sündige balg / gedanke / leib / man / mensch
(oft) / mist / schade / welf, die sündige creatur / sele / wurz, das sündige ende / fas
(tropisch für den Sünder) / fleisch / gewissen / herz / leben
(mehrfach) / volk / werk (mit den weibern), die sündigen hände / oren
.Belegblock:
Da von sul wir Got mit gebiten | Umme des libes wazzer biten, | Daz iz den sundigen mist | Der in uns vorhartet ist, | Weiche vor und irvuchte.
zuͦ unsprechlichem suͤssen trost uns armen sündigen menschen, das wir dester kecklicher gelauben und hoffen, das Christus ain priester sey.
Ach got gee von mir, ich bin ain sündiger mensch.
wir waren sundig, si [Maria] machte uns reine | kegen irme kinde ichz meine.
ein tube ist si [Maria] sundir smerze, | wen si di sundigen herze | mit gote hie gar voreinet.
wie danckbar soͤln wyr menschenn seyn / das der herr sich so groͤßlich erbarmet hat über vns arme erdtwuͤrmlein vnd sundige creatüren.
daz der getriuwe minnende got den menschen hât brâht ûz einem sündigen lebene in göttlich leben.
wie sondich eman in Coelne sy, | doch steit Got synen hilgen by.
Er [wallender man] sprach: ‚frauwe, ich bin ein sundig man, | ich mag an einer stat die lenge nit bestan‘.
Jst aber sach, das die liebe der sele vngeordent ist, so ist sie ane togend vnd súndiglich vnd weget des menschen sele zu abgront der helle.
die geschrift meinet ein sundig leben / an hochfart / an geitikeit an vnkuscheit / an zorn / an haß / an vberessen vnd an vbertrincken.
daz der publicanus [...] sprach ‚herre, ich sundich mensche inbyn nit wert myn augen off zu hebene zu hymmele‘.
dar ab kŭmet ime der vlecke daz er den reinen got untphet sundiclichen.
Got spricht aber zu der sundigen sele: du hazt mich diche gelazzen [...] kere doch wider zu mir mit rechter ruͦwe diner sunden.
ob mir leihte dorumbe got | geruche parmherziklichen vergeben | mein so sundiges leben.
Darumb ist pilichen, das wir | sundigen menschen mit pegir | uns machen under tenig | Dem sacrament der pusse.
Das welle Got unß gar sundigen wellfen | Alln gnediclichen hellffen.
betracht mit fleisse, was pein do selbest peyten die sundigen sel.
so sú gedenkent, wer sú sint, wie rehte súndig, wie gebresthaft, wie rehte unwirdig sú din
[›deiner‹]
sint. Wan also weltliche lúte und súndige menschen verblibent in gelúcke der sinne, in guͦte und in eren, also verblibent die lúte in eigenre genuͤgede, [...], und entvallent eime einvaltigen gruntlich uf Got sich lossen.
mit seinen sundigen
[nd. Bibel um 1478:
mysdedygen, 1522:
schalkaftigen;
schandtlichenFroschauer
1530 / Dietenberger
1534 / Eck
1537: ;
verfluchtenLuther
1545, 2. Makk. 5, 16: ]
henden nam er die heiligen vaß. Das Christus opfer vnrein / schuldig / sündig / befleckt / vngenuͦgsam / vnverstendig / eigenwillig / vngehorsam gewest / vñ noch sey / als dʼ lausicht pfaff / vnnd gottes poͤßwicht ist / der [...].
Nach hailigem leben volget ain hailig ende ordenlich, naͮch súndigem leben ain súndig ende gewonlichen.
was ich vff ertrich mache, | So kumpt jemer das grülich horn | Vsser minen sündigen oren, | Das da toͤnet vnmassen grimme | [...] | Ze gericht muͤssent jr hütte!
Mitt dines [des Götlichen] geistes fackel | Entzünd min sundig hercz!
Ebd. Jesus,
127
: O sündiger mensch, bis vor gewitzt | Das dir die urteil nit werd streng!
von dem leben / das wir auß Christo ab dem haupt haben / welchs in vns nicht volkom̃en sein kan / so lang wir mit disem sündigen flaysch behengt sein.
ist durch jnwendig rew [...] awszerreyten jnwendige sündige wurtz.
ich pin versaumet unz in den tod | mit siben teufeln, das ist war, | di truͦg ich laider manig jar | in meinem suͤndigen leibe.
von der v̈berflüssigen speis vnd von den stëtigen sündigen werchen mit den weibern.