stütze,
stutzen,
stuz
I,
die
(für
stütze
),
der
(für
stutzen
und
stuz
I);
–/-n
(für
stutzen
);
vereinzelt auch:
stitze
. – Die Formen des Stichwortes bereiten aufgrund variierender Graphie, des Standes der Umlautschreibung und der Apokope sowie aufgrund der Etymologie, damit auch der semantischen Bezüge, Schwierigkeiten; vgl. dazu (V.).
1.
›tragende Unterlage, Fundament‹ (eines Hauses); ›Stütze verschiedener Form, Größe und Zwecke‹; im Einzelnen z. B.: ›Haspelstütze (im Bergbau)‹; ›Schuhabsatz‹; ›Stützbalken‹.
Bedeutungsverwandte:
,
1
1, 1, (
die
) 1, a, 3, , 1, .
Syntagmen:
x fuder stutzen
;
die pantoffel auf stützen
.
Wortbildungen:
stutzensattel
,
stützenscheuer
wohl ›Scheune, deren Wände aus bloßen Pfählen bestehen‹ (a. 1675),
stüzgabel
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Columna. Saul stud pfeilr / stuͤtz / fuß vndersatz stoll.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Basis, ein fus / seule / stutz.
Pedamentum, ein stuͤtze / steck / pfal.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 442, 34
(
hess.
,
1574
):
der soll das maisterstuck machen, als nemblich ein raissigen beschlagnen sattell sampt seinem zugehörigen zeug, noch ein stutzensattel und ein fhursattel.
Lippert, UB Lübben
2, 53, 47
(
osächs.
,
1563
):
4½ g. ar. Melcher Nachtbarick vor drey fuder stutzen und stangenn zu den lindenn.
Voc. Teut.-Lat.
ff vr
(
Nürnb.
1482
):
Stutz als man vnter ein hauß setzt. appodm̃.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein Stützgablen. Ceruus.
Stutz / steiper / damit etwas vnderstutzet wirdt [...]. Stuͤtzel
[hier mit Diminutivsuffix]
/ ein auffgerichter holtz daman etwas hencket.
stuͤtzeln / einen steipper vnder oder an etwas setzen [...]. Der baum hengt so voller Aeppfel / daß man jhnen stuͤtzeln muß.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
594
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 par moscowittische bantoffel, hoch uff stitzen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
5
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
Ein haschpell mit aller czugehörungk als fwlbawm: stucz(e)nn ein hot(e)nn auch Ein Ruepawm mit Einem sail.
2.
›Hilfe, Stütze, Absicherung‹; speziell: ›Steiß, Gesäß‹ (dies als ‚Stütze‘ metaphorisiert); als bildlich oder ütr. zu 1 auffassbar.
Phraseme
(als Diminutivum
stützel, stüzlein
):
ein stüzlein oder fünklein [...]
›nur einen Funken [...]‹;
stroerne stützel bringen
.
Bedeutungsverwandte:
4; zur Spezialisierung: 2, , 1,
1
1.
Syntagmen:
eine s. suchen, an den freunden eine s. haben
;
eine s
. (Subj.)
von dem bistum gerissen sein
;
ein artikel eine s. sein, eine göttin den weibern eine s. sein, das recht die s. eines stules
(s. 4)
sein
;
die s. christlichen lebens
;
die gute / süsse s
. (Letzteres auf
kinder
bezogen).

Belegblock:

v. Ingen, Zesen. Ros.
113, 26
(
Hamb.
1646
):
der guhte Ehrenreich ist uͤber das auch begierig kleine kinder zu haben / und sein altertuhm mit so suͤssen stuͤtzen zu befaͤstigen.
Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
20, 4
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
alsus wirt der konig von Assirien triben Egypten gevencnisse und Ethiopien obirvart, den jungen und den alden, di nacte und die ungeschuete mit blozen stutzen
[
Mentel
1466:
lancken
; Var. 1475
2
–1518:
hindern oder lenden
; nd. Bibel um 1478:
ertzbyllen
;
Wormser Proph.
1527:
ars
;
Eck
1537:
hindern
;
Luther
1545:
scham
]
Egypto zu smacheit.
Luther, WA (
1527
):
Hin̂furder kan er nichts bessers thun, Denn kom widder vnd bringe stroͤrn stutzel, damit er solchen fall auffrichte.
Franck, Klagbr.
233, 4
(wohl
Nürnb.
1529
):
Disem gepürt ein stütz zu suchenn / darauff es sich stewer.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
wer ein stüzlin oder fünklin gebauen und vertrauet worden in die weisheit, so were disen fürsten kein fall nie zugestanden.
3.
›Stummel, stehen gebliebener Rest e. S.‹ (z. B. eines Marksteines).
Phraseme:
keinen stutzen stehen lassen
›keinen Stein auf dem anderen lassen‹; am ehesten hier anschließbar: ›stark ansteigende Stelle im Gelände‹ ( mit Belegen).

Belegblock:

Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
verbrenten die Ungern sant Florians closter, der gleichen sant Pölten, liessen kain stutzen stên.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
17. Jh.
):
Von dem selbigen stutzen stehen noch drei ganze stain nach den neugereutern.
4.
›Gefäß unterschiedlicher Größe, Machart und unterschiedlichen Zweckes‹; im Einzelnen: ›Becher, Trinkglas‹; auch: ›Zuber‹ (zum Gebrauch in der Hauswirtschaft); ›Kübel‹ (im Gewerbe).
Phraseme:
˹das maul an stützen hängen
;
aus der stütze ziehen
˺ ›zum Trinken neigen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
1, 1, (
das
) 1; 2, , , 6,
1
1,
2
, 1, 1, 1, 1,
2
1, 1, 1; 2, 1, .
Syntagmen:
die s. füllen
;
die s
. (Subj.)
offen sein, mas haben sollen, aus der küche sein
(›aus der Küche verschwunden sein‹; verhüllend für ›leer sein‹);
wein in stützen fürtragen, aus der s. trinken
;
die alte / grosse / kleine / messene / silberne / zinnene s
.;
der karren mit stutzen
.
Wortbildungen:
stuzglas
(Gw zu 3).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
95, 8
(
preuß.
,
1414
):
4 czynnen stutcze in das rempter, 3 salczvas.
Ders., Gr. Ämterb.
347, 7
(
preuß.
,
1516
):
19 holtzenn birstutzenn, 1 holzenn trichter, 2 zeinen stutzen.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 151, 29
(
md.
,
1441
[Abschr.
1533
]):
Ein wagen oder karn mit stuzen gibt vom rade 1 stuck.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
40 gezinter becher für die erbern, [...] it. 4 flaschen und 2 stützen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
das yederman [...] wein in stutzen, flaschen, kannten, hefen, krugen und andern geschirren holeten.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
Ein obgeschribener spitztrager soll auch in guter acht haben, was schafe, zuber, schuffen, stutzen und anders bei den maurrern zulechsent.
Sachs (
Nürnb.
1547
):
So wol mag zihen sie [weib] im maul | Aus der kandel, stüetzen und flaschen, | Darmit iren goder zw waschen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 251, 1
(
halem.
,
1489
):
Von zinninem und möschinem geschir, es sye becky, stitzen, es sye blatten, äschschüslen, kanten.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel
339, 1102
(
Zürich
1548
):
[unsre wiber] Die wurdend im fin tapfer schnützen, | Sie henkend ouch gern ʼs mul an stitzen!
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 40, 62
(
Luzern
1616
):
Ir diener, nun achtend miner wort: | füllendt die krüeg vnd stytzen dort.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1536
):
daß ain zunftmaister ain jeden, der in die zunftstuben gieng, [...], an der zech mit ainem trunck wein aus ainem stutzglas, [...], empfachen mueßte.
Niewöhner, Teichner
185, 32
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
man trinchkt aus einer stuzten wein. | daz haizzet ein angster.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
Es ist lantsrecht auch: ob ain wïrt wein furtrüg in stüczen oder in kandeln, die sallen offen sein und das recht mass haben.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
120, 4
;
Joachim, Marienb. Tresslerb. ;
Helbig, a. a. O.
2, 160, 11
;
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 298
.