ströen,
ströern,
Adj.
1.
›aus Stroh hergestellt, bestehend‹; teils positiv konnotiert, dann mit Tendenz zu: ›einfach, schlicht, echt‹;
zu 1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
57, 18
(
preuß.
,
1513
):
2 alt rauffen, 2 vihetroge, 6 strohen hunernest, 1 trag.
Sachs (
Nürnb.
1531
):
Ein ströen bet, ein kleyen brot, | Ein wasserkrug, vil angst und not.
Ebd. (
1562
):
Vil besser ist ein ringe nahrung | [...] | Unter einem ströen obdach, | Denn köstlicher tisch.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Culmen, Ein stroͤwen tach.
Lemmer, Brant. Narrensch.
92, 1
(
Basel
1494
):
Der furet vff eym strowen dach | Der vff der welt ruͦm / setzt syn sach | [...] | Dem [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Stroͤuwin / das von strouw ist. Stramineus.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein strohern heußlin von ehren gebawet / weret lenger / dann ein groß flasern hauß.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
351
(
oobd.
,
1607
/
11
):
mit etwas geflochtener oder gezeünter stroiner subtiler arbeit.
2.
charakterisiert (meist als Adjektivattribut) Größen unterschiedlicher Art in durchgehend negativer Weise; im Einzelnen jeweils die gegenteilige Qualität / Eigenschaft dessen meinend, was man e. S. / e. P. unter positiver Perspektive zuschreibt; die Angabe eines verlässlichen tertium comparationis ist kaum möglich; die folgenden Verständnishinweise sind deshalb nur als Vorschläge zu verstehen: ›unmöglich und insofern auf Betrug weisend‹ (bei z. B.
ströe[r]ne kolen, stroener bart / kranz / helm
); ›warnend‹ (z. B. hinsichtlich eines
kranzes
); ›untauglich‹ (von einem
argument
, metaphorisch: einem
spies
); ›verführerisch, feurig‹ (vom
ars
der Venus); ›erfolglos, illusorisch‹ (von einem
anschlag
); ›untüchtig, nutzlos‹ (von einem
könig, man, reiter, ritter
); die jeweiligen Ausdrücke sind teils ansatzweise phrasematisiert; an 1 anschließbar;
vgl. 1.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O. o. J.):
Das der Antichrist also verordenet hat | Und dreet Christo mit seinen namen ein stroern bart.
Bepstlichen ablaß und stroern kolen | Die darf vorwar niemants weit holen.
Ebd. (
1587
):
nicht weit von einer ecken | Sah ich ein ströern kranz rauß stecken.
Luther, WA (
1520
/
1
):
Was sol ich aber hie antwortten, denn eben das sanct Augustinus seinen Pelagianis antwort, die auch mit dem stroern spiesz auff yhn stochen.
Ebd. (
1545
):
On das der Bapst zu Rom mit seinen Procession und Litanien [...] den Koͤnigen und Herrn gerne wolte eine Nase drehen, und stroͤern Bart flechten, das sie gleuben sollen, er sey [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1491
):
zuletst kamen 16 auf die pan, die waren mit grünen kitteln und mit heu ausgefült angetan und hetten stroen helm auf und stachen mit krucken mit einander.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1486
):
ich mein, ir seit nit klug, | Das ir solch unvernust facht an, | Und ist doch ie ein man ein man, | Und wenn er schon gleich stroen wer, | Noch solt er euch so nit unmer | Gehalten sein.
Ebd. (Hs. ˹
nürnb.
˺,
v. 1486
):
So sagt mir, frau, seit ir es doch, | Frau Fenus mit dem stroem loch, | Von der ich so vil han vernumen.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Nach dem
[
reich, gewaltig, groß
zu sein]
thut fleisch und blut stez streben | Und macht manchen ströen anschlag.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
waz sol ein stroͤwine riter und ein tuͤchine man? Gross verwegenheit han in liebe und denn verzagen in leide.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
die [kürse] aht ich recht alz ein stroͤyn stro.
Spanier, Murner. Narrenb.
11, 8
(
Straßb.
1512
):
Der selb ein stroen bart gott flecht, | Der an im nit wachsen kan.
Lemmer, Brant. Narrensch.
15, 1
(
Basel
1494
):
Frow Venus mit dem stroͤwen ars | Byn nit die mynnst jm narren fars.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie si dan in vormals ouch einist mit erobretem sig und enthouptung des stroͤwinen kuͤngs, [...], hat riterlich erloͤst.
Jörg, Salat. Reformationschr.
199, 5
(
halem.
,
1534
/
5
):
was bringtt der für ein stroͤwin argument / was hillft der tannt / das jst ein schlechter gegenwurff.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Uz Burgraff der dhete denen stroinen reiter vil plagen an; also hat man zu ieder zeit solcher ritter ain menige.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
und
[das
swein
]
sol auf dem haubt haben ain strobeins kränzl zu ainem warzaichen.
Vgl. ferner s. v. 2.