rüsten,
V.
1.
›etw. stabilisieren, stützen, mit stützenden Strukturen versehen‹; ütr.: ›jn. im Glauben stärken‹ (von Gott gesagt).
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 2, , 4,
1
,
1
1; zur Ütr.: 4, 5, 5.
Syntagmen:
die maurer
(Subj.)
etw. r., j. nach weinachten die reben r., die hand gottes
(Subj.)
jn. mit glauben / liebe r
.
Wortbildungen:
rüstbaum
›tragender Querbalken‹ (a. 1510),
2
rüster
›Gerüstbauer‹ (a. 1513),
rüstnagel
,
rüstseil
,
rüststange
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1402
):
10 schog roststangen zu hauwen und zu furen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
So Gottes handt die vns erhelt, | Mit glaub vnd liebe ruͤstet.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1537
):
und rust noch wyhenachten yederman sin reben mit uffziechen, schniden, sticken, binden, und versach sich nieman keiner kelty mer.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1408
):
daz er ein winden seil dannent uss machen mag, und oͧch ein ruͥst seil verluͥhen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 151, 28
(
schwäb.
,
1536
):
von ainem rustnagel 6 ₰.
Öst. Wb.
2, 666
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 100
f.;
168
.
2.
›jn. / sich auf etw. vorbereiten‹; ›sich zur Arbeit rüsten‹; speziell: ›sich auf ein (konfliktgeladenes) Gespräch vorbereiten‹.
Phraseme:
j. sich zu zorn rüsten
›zornig werden‹;
etw. auf der schaufel rüsten
›etw. zur Sprache bringen, öffentlich bekanntgeben‹;
sich auf die strasse rüsten
›sich auf eine Reise vorbereiten‹.
Bedeutungsverwandte:
1
2; 7, 4, 11; 13, 4, ; vgl. .
Syntagmen:
j. sich r
.,
jn. / sich
[wozu] (z. B.
auf einen botengang / weg, das geschrei, in die fart, wieder die pfeile des teufels, zu dem proces, zu der arbeit / beichte / flucht / pilgerschaft / reise, zu dem werk
)
r., jm. antwort r., sich
[wie] (z. B.
mit gemach, mit redreiche, von grund auf, nach solcher acht
)
r., j. sich r
. [+ Infinitivsatz] (z. B.
antwort zu geben, zornig zu werden, das heilige land zu besuchen
).

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
Wo nu das sterben hinkomet, da sollen wir so do bleiben, uns rusten und troͤsten.
Ebd. (
1539
/
45
):
Sie lernt so, in diesen gefährlichen Zeiten sich zu rüsten wider die feurigen Pfeile des Teufels.
Knape, Messerschmidt. Bris.
26, 41
(
Frankf./M.
1559
):
er sich zu dem Heiligen land / dasselbig zu besuchen / ruͤsten wuͤrde.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
sich zum Process ruͤsten.
Skála, Egerer Urgichtenb.
3, 11
(
nwböhm.
,
1562
):
montags aber sej Er khomen, sich gerust vnd wegk Ziehen wollen.
Thiele, Minner. II,
7, 420
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
[ein jeger] menglich sich da rust | zu rennen in den walt.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Ir müessend in grăf Gannellons hus ruowen, so wend wir üch anwurt rŭsten.
Ukena, Luz. Sp.
762
(
halem.
,
1575
):
Vff der schufflen hatt er selb gerüst.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ich wird mich Rüsten vnnd beradten die schlachten oder streyt deß Keisers zuͦ beschreyben. [...]. Sich rüsten antwort zuͦ geben. [...]. Sich Rüsten mit redreyche. [...]. Sich auff die straaß Rüsten. [...]. Sich zum werck und arbeit Rüsten. [...]. Sich zuͦ zorn Rüsten oder zornig werden.
Oorschot, a. a. O. ;
Knape, a. a. O.
27, 11
;
Gille u. a., M. Beheim
66, 16
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
585
; Abs.
1521
;
Rauwolf. Raiß
2, 13
;
3.
›jn. / sich / etw. rüsten, wehrhaft machen, auf eine Auseinandersetzung vorbereiten‹ (von Menschen, Pferden, Schiffen und Städten gesagt); ›sich mit Waffen und Rüstzeug versehen‹; speziell: ›sich einander entgegenstellen‹.
Phraseme:
die faust im sak rüsten
›sich heimlich auf einen Kampf vorbereiten‹.
Syntagmen:
j. jn. / etw
. (z. B.
den haufen, die brüder / knaben / männer, die schiffung
)
r., der bund
(Subj.)
sich r., j. jn. / etw. / sich
[wie, womit] (z. B.
in sachen / waffen, mit busse / gebet, geschüz / harnisch / proviant / wer, mit einer schar, mit eimern
(bezogen auf Brandbekämpfung)
/ spiessen, mit gelerten / leuten / rittern, mit macht und gewalt, mit allen dingen
)
r
.,
sich
[wo, wohin] (z. B.
auf den se, in stätten
), [worauf, wozu] (z. B.
auf einen studenten, gegen einander, in das feld, wieder den armen, zum krieg / streit / sturm, zur schlacht / wer, zu kriegen
)
r
.;
sich r
. [+ Infinitivsatz]; als part. Adj.:
wol gerüstet, die gerüsteten pferde
.
Wortbildungen:
rüstgulden
›Abgabe zur Vervollständigung der Rüstung‹,
˹
rüsthaus
,
rüstkamer
˺ ›Waffenkammer‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
Der teüfel rüst sich nit mit schlechten leüten, sonder mit den gelerten.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Sam. 17, 2
(
Wittenb.
1545
):
Aber Saul vnd die menner Jsrael kamen zusamen [...] vnd rüsteten sich
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
richten die spitz
]
zum streit gegen die Philister.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
556, 1554
(
Magdeb.
1608
):
WJr muͤssen dennoch auch zeit haben / | Zu mustern vnd ruͤsten die Knaben.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Drumb laß dich nit eins solchen gluͤsten, | Wider den armen dich zuruͤsten.
Knape, Messerschmidt. Bris.
13, 17
(
Frankf./M.
1559
):
er solte jhn auß seiner gnaden Ruͤstkammer versehen lassen.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
Die bösen knaben gewunnen lust, | auff den studenten man sich rust | Sie schossen jm nach seiner brust.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
mit buchsen, langen spiessen und prophand wol gerust.
Jörg, Salat. Reformationschr.
288, 27
(
halem.
,
1534
/
5
):
das sj sich mit gweer / harnascht / und gschütz allso rüstend.
Ebd.
539, 18
:
allenthalb die jren hattend gheyssen gerüst syn / und [...] all schiffung uff dem see gerüst.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
rústent sich ouch teglichen in iren sachen in stetten.
Maaler (
Zürich
1561
):
Den hauffen mitt allen notwendigen dingen wol Außbutzen vnd rüsten.
ruͤsthauß / n. ruͤstkammer / f. Vn arcenal.
Chron. Augsb. Anm. 1 (
schwäb.
,
v. 1536
):
wenn sy antziehen, für sold, speyß, schäden vnd alle sachen all wochen ain reinischen guldin vnd dartzuͦ anfangklich ain ruͦstguldin.
Ebd. (
1523
/
7
):
also rischt sich der pundt
[der schwäbische Bund]
wider.
Rauwolf. Raiß
13, 5
([
Lauingen
]
1582
):
rüsteten auch vnser Kam̃er [...] mit Büchsen / Woͤhren / Tartschen ec. also zuͦ / das sie mehr fur ein Rüst dann Schlaffkammer [...] hette moͤgen gehalten werden.
Rot
291
(
Augsb.
1571
):
Armirn, sich ruͤsten / schicken / mit waffen vnd wehr sich versehen / bewapnen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
318, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Menelaus sich ward rüsten | manlich mit seiner schar.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
Heinrich von Beirn [...] sich rust in das konigreich zuͦfaren.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
bêd parteien [...] rüsteten sich gegen einander.
Peil, a. a. O.
552, 1456
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1171
;
Ralegh. America ijv, ;
Gille u. a., M. Beheim
328, 462
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 9, 22
;
Jörg, a. a. O.
340, 12
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ;
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
28, 15
;
4.
›etw. für einen bestimmten Zweck gebrauchsfertig, einsatzfähig, bereit, nutzbar machen‹; speziell: ›etw. herstellen, zubereiten‹; ›etw. verkaufsfertig machen‹; zur weiteren Ausdifferenzierung vgl. –46.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den apfel / fisch / han / hanf / lemkloz / senf / sessel / wagen / weg, die ban / hochzeit / salzrinne, das ding / holz / kleid / land / werk, das goldene wasser
›Zuckerwasser‹,
die pfannen
›Leitungsrohre für Sole‹)
r., holz / kole an das feuer, ein kleid auf den kauf, rüben im hafen, äcker zur sat r
.

Belegblock:

Schmitz, Schiltb.
119, 6
(
Frankf.
1597
):
liessen sie den Senff also bald anruͦren vnnd Ruͤsten.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1508
):
hat dieselb hawptmanschaft ein wagen mussen rusten, darein mein mül czu Schnigling gehort.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein alt kleid wider Aufkratzen vnnd auff den kauff rusten.
Wyss, Luz. Ostersp.
2516
(
Luzern
1583
):
min botten schick ich voran, | Der breitten, rüsten sol die ban.
Ebd. vor
295
;
Rot
319
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 168
;
251
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 237
.
5.
›jn. / sich / etw. schmücken, herausputzen, prachtvoll ausstatten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 2,
1
3, 2, 2, .

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
605, 3145
(
Magdeb.
1608
):
Es war auch auff ein besonder art / | Mit einer Wisels haut verwart / | Die war mit Spangen also besetzt / | [...] | DJe andern [...] | [...] | Hatten sich nicht minder gerust.
Adomatis u. a., J. Murer. J. Man. Spieg.
18
(
Zürich
,
1560
):
HOch / wolgeleert / fürnemen / frommen | darum wir also gerüst har kommen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der margraff het [...] zway verdeckte pferdt [...] und einen gerussten zewg.