rümpfen,
V.;
auch
rimpfen
.
1.
›runzlig, faltig werden, sein (durch Trockenheit, Alter)‹; im Einzelnen auch: ›verdorren, schrumpfen (z. B. von Obst)‹; ›brüchig, rissig werden‹ (von der Singstimme); intrans. und refl.
Bedeutungsverwandte:
3, ; vgl. .
Syntagmen:
die schlange
(Subj.)
r
. (absolut);
das fel des menschen sich r., die pfirsiche sich auf den bäumen r
.; subst.:
js. tenor mit rümpfen wolbedekt sein
.
Wortbildungen:
rumpfet
›voller Runzeln, Falten; runzlig‹ (dazu bdv.: ; vgl. ).

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
123, 4
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann sich die pferschingen uff den beumen rumpfen und abfallen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Wie ich [...] | [...] | Hab behenckt meinen Jungen Leib | Mit so eim altn heßlichen Weib, | Ist Runzelt, alt vnd vngeschaffn, | Schmalbacket, rumpffet, wie die affn.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Der slange, so er bevindet das er beginnet alten und rimpfen und stinken, [...] sloiffet er sich vil enge
[durch zwei Steine],
also daz ime die alte hut zuͦmole abeget.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sô des menschen vel beraubet wirt des pluotes, sô rimpft ez sich.
Klein, Oswald
5, 18
(
oobd.
,
1422
/
3
):
mein tenor ist mit rümpfen wolbedacht.
2.
›sich zusammenziehen, krümmen (z. B. vor Schmerzen, Trauer)‹; speziell auch: ›sich (ver)beugen, verneigen‹; in Verbindungen mit Partien des Gesichts wie
nase, stirn, maul
›das Gesicht verzerren bzw. eine Partie des Gesichts in Falten ziehen, runzeln‹; dann meist bildlich als körpersprachlicher Ausdruck z. B. der Betroffenheit, Trauer, Missbilligung, Verachtung, des Unwillens u. Ä.: ›etw. missbilligen, verachten‹.
Bedeutungsverwandte:
(V., unr. abl.) 1, 1, , , ; vgl. 1.
Syntagmen:
j. sich r., sich
[wann, wo, wie],
ab etw., vor jm. r., etw
. (Subj., z. B.
der leib, die nase
)
sich r., der leib sich ab etw., das blut / fleisch
(Subj.)
sich ab dem kreuz r., etw
. (Subj.)
sich als ein wurm r., j. die stirn (ab etw.), das angesicht / maul r., die nase über etw. r
.; subst.:
kein rümpfen
(Subj.) [wann, wo, wie]
helfen
; als part. Adj.:
die gerümpfte stirn
.
Wortbildungen:
rümpfung
.

Belegblock:

Bobertag, Schwänke (o. O.
1558
):
flöhe [...] die stuͦdfaulen mägde inn der predig auffwecketen und [...] geben offt einer einen stich in die seitten, das sie sich rumpffte und krupffte.
Luther, WA (
1540
):
Du must mir hie nicht die schultern zihen vnd das maul rumphen vnd geg sagen.
Ebd. (
1532
):
Dan der Christ ist sein [Christi] gliedtmas, ehr nimpt sich ihrer an undt rumpfft die Nasen drueber, gleich als were es ihm widerfharen.
Ebd. (
1537
):
Wenn auff eine Zee getretten wird, So kruͤmmet und ruͤmpffet sich der gantze Leib.
Erben, Omd. Chrestomathie
89, 16
(
omd.
,
1499
):
Wer gen ym
[Graf von Savoyen]
saß, der must sych vor im rimpffen.
Eggers, Psalter
8, 22
(
thür.
,
1378
):
Wir rumpffen die stirn, [...] schelten auff alles, was nur ein wenig vberzwerch gehet.
Gille u. a., M. Beheim
308, 190
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
mit anderr leibes lüste | soln sy nit sein zu wüste | dar ab ir leib sich rimpf.
Voc. Teut.-Lat.
bb jr
(
Nürnb.
1482
):
Rympffung des leffs von gelechters wegen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
4393
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Doran ich gantz kein zweyfel hab, | Das mancher rympfft sein stirn dorab.
Thiele, Minner. II,
3, 69
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
hett ich eins koten lauff so schnel, | ich möcht mich darab ruͤmpffen.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
In Burgunnen sind si komen, | mit einem harten sturm | hand si Lila gewunnen, | es rumpft sich als ein wurm.
Wyss, Luz. Ostersp.
3476
(
Luzern
1571
):
Lass gan den stichling, bringts dir schmerz! | [...] | Da hillfftt kein rümpfen, grynen, zennen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das angsicht Rúmpffen vnd traurig syn.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wer tzwischen tuͤr und angel | Stoͤzzt seinen vinger unvertzagt, | [...] | Ob er sich da tzwischen chlemt | Vil hart, daz er sich rimphet.
Sudhoff, Paracelsus ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 151
.
3.
›sich (ungehalten, unwillig) abwenden‹; ›sich winden, sträuben, weigern‹; auch: ›sich jm. gegenüber abfällig, höhnisch verhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
1, ; vgl. 2, .

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Denn wer da alt geporn ist, der rümpfft und weret sich und sihet hin und her und speret die vernufft auff, wie sie sich weren woͤlle.
Dedekind/Scheidt. Grob.
90, 33
(
Worms
1551
):
daß sich keiner des kleinen vnachtparn / vnd von vns verworffen heufflins / deren so weißheit vnd erbarkeit nachstellen / gegen euch ruͤmpffen oder mufftzen doͤrffe.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 4, 12
([
Erfurt
1522
]):
etlich Cardinal seind zu ym
[Papst Hadrian]
kumen die begeret haben / von ym bistume [...] hat er gesprochen / es sey zu vil / vnnd sich darab gerumpfft.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
[der man] ließ holen [...] | [...] | Ein geringen, sauren covent, | Der nicht vil gutes in im het. | Darob sein fraw sich rümpffen thet.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3194
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
[Der bruͦder] sah das gifft im sacrament. | Des rümpfft er sich vnd wolt sin nit.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
da het der Wirt geordnet ein schlechten sauren Wein. Da der Gast [...] wolt ein guͦten Trunck thuͦn, da rumpfft er sich darab.
UB Zug
2258, 1, 17
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
4.
›sich kümmern, sorgen‹.
Phraseme:
sich nicht um ein har rümpfen
›sich gar nicht kümmern‹.
Bedeutungsverwandte:
3; 4.

Belegblock:

Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Wir haben allen funt vnd list | Dem entendieb vor zuͦ gerist, | Schmachbüchlin geschrieben aller hab: | Der boͤßwicht ruͦmpfft sich nit darab.
Fuchs, Murner. Geuchmat
93
(
Basel
1519
):
(Ich sterb in sünden, ists nit wor!) | Sy rümpfften sich nit umb ein hor.
Kurz, a. a. O. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
5.
›ein bestimmtes Kartenspiel spielen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 2, ; vgl.
1
, .
Wortbildungen:
rumpfspiel
›ein bestimmtes Glücksspiel, Kartenspiel‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1533
):
Macht euch ein weil selb kurtzweil viel | Mit würffel oder karten-spiel! | Thut bocken, flossen oder rümpffen!
Ebd. (o. J.):
Zart fraw, ich will | Mit euch ein spiel, das heist man rümpfen
(hier wohl doppeldeutig als erotische Metapher).
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1562
):
doctors son, [hat] mit ainem jungen, [...] ob der Herrenstuben auf dem rumpffspil entragen, daß ainer den andern [...] in das maul geschlagen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
so facht das spill an. Da rumpft man uf ein stunde oder zwo.