rümen,
V.
1.
›eine göttliche oder heilige Person (Gott, Jesus Christus, Maria, einen auserwählten Menschen) und ihr Wirken verherrlichen, (jubelnd) preisen‹ (als Bestandteil religiöser Gottesverehrung); refl.: ›über jn. / etw. jubeln, froh sein‹; ›sich zu jm. / e. S. bekennen‹; zu (
der
) 1.
Texte religiösen Inhalts.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
got, den herren, das kindlein
)
r., etw
. (z. B.
den namen, die gnade gottes, die frucht aller kräuter, das gebären
[Christi])
r., j. / etw
. (Subj., z. B.
der stern, die welt, das lied
)
jn. / etw. r., jn. / etw
. [wie] (z. B.
billich / ewiglich / fein / immer, hier und dort, auf das herlichste, von herzen
)
r., jn. als einen got r., js. zunge
(Subj.)
öffentlich r., das [...], j. sich im kreuz r., got
(Subj.)
sich e. P
. (Gen.obj.)
r., die braut sich des herzeliebes r
.; subst.:
das rümen auf den gottesdienst, die heiligkeit, die werke
;
got / herre ob allem rümen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
):
haben die frommen Christen, so sich im creuͤtz ruͤhmen und frewen, allen trost.
[das er] als eyn Gott verkleret, gerhuͦmet, geprediget, bekennet, geehert und gehalten wird.
Ebd. (
1544
):
Wo nu Christus also erkant wird, da mus wol fallen das vertrawen und rhuͤmen auff eigen heiligkeit, Werck und Gottesdienst der Juͤden.
Ebd. (
1543
):
Des morgens, Gott, dich loben wir, | Des abends auch betten fuͤr dir, | Unser armes Lied rhumet Dich | Itzund imer und ewiglich.
Ders. Hl. Schrifft.
Jer. 4, 2
(
Wittenb.
1545
):
die Heiden werden in jm gesegenet werden / vnd sich sein rühmen
[
Mentel
1466 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
lobent in
;
Wormser Proph.
1527:
sich [...] beruͤmen
;
Froschauer
1531:
werdend in jm glücksaͤlig vnd froͤlich
].
Ebd.
Sir. 1, 30
:
ein Demütiger erharret der zeit / die jn trösten wird / Denn wiewol seine Sache eine zeitlang vnterdrückt wird / So werden doch die Fromen seine Weisheit rhümen
[
Mentel
1466:
derkundent
; Var. 1475
2
–1518:
sprechen auß
;
Froschauer
1530:
kündẽd auß
].
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
got selber was daz herzelib, | des sich di brut rumete.
Strauch, Par. anime int.
2, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
wan Gode gerumit wirt und da vride ist, so kumit Got zu der sele.
Gille u. a., M. Beheim
141, 242
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Daz ich darumb müg gat den hern | rümen, geuden, laben und ern.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
O Erasme, halt dich hie, das sich gott dein rühme, wie vom Davidt geschrieben stehet.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
6
(
schwäb.
,
1455
):
Gott herr ob allem rümen, | Darzuo gib rautt, hylff vnd stür.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 60
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Aller kreuter frucht zu rümen | chan dein nam hoch überblümen, | wann Maria ist der pest.
Klein, Oswald
38, 73
(
oobd.
, wohl
1409
/
10
):
Gerümt der steren | dein geberen.
Luther, WA ; ;
80, 13
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
Bell, G. Hager
291, 2, 16
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
660, 12
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
35
;
Vgl. ferner s. v. (
der
) 1.
2.
›jn. / etw. lobend anerkennen, wertschätzen, in positiver Weise herausstellen‹; auch: ›etw. (als Wert mit einer bestimmten Qualität) hochhalten, charakterisieren‹; ›etw. (z. B. jubelnd, schreiend) ausrufen, verbreiten‹; negativ wertend: ›etw. (das Lob e. S.) über Gebühr aufbauschen‹; ›etw. (übertreibend) für etw. ausgeben‹; dann offen zu 3; zu (
der
) 2.
Bedeutungsverwandte:
1
3, 1; 2, 13, 6, 4; 28; 30, 3; 5, 1, 1, 1,
1
1,
1
7, 8, (V., unr. abl.) 5, 1, , ; vgl. 1, 3, (V.) 2; 6, 3, 1, 3.
Gegensätze:
2; 3, .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
die toten
)
r., etw
. (z. B.
den frieden / gottesdienst, js. wiz, die landschaft / weisheit, js. kunst / ritterschaft
)
r., jn
. [wie] (z. B.
hoch, in seiner gewonheit, um seines ansehens willen, vor anderen toren
hier: ›Narren‹)
r., etw
. [wie] (z. B.
weit und breit, mit lob
)
r., etw. an adel, an freiheit / schöne / zartheit, an tugenden, von dem evangelium, von den gesetzen / leren r., j. hoch r., das [...]
; mit präd. Attr.:
die götter
(Subj.)
stark / weise, die helden hoch gerümt werden
; mit Gen.:
adliger tugend, lobwürdiger taten von jm. r
.; subst.:
etw
. (Subj.)
keines rümens bedürfen
;
j. mit rümen stilstehen (müssen)
;
das rümen der geburt / person, des herkommens
.
Wortbildungen:
rümer
1 ›j., der etw. anerkennt‹,
˹
rümlich
1 (dazu bdv.: 5, , Adj., 14, 1),
rümsam
˺ ›lobenswert‹ (dazu bdv.: 1; 2; 4; 8, 1; 4; 6, , ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Loͤblich ehrlich preißhafft rhuͤmlich rhuͤmsam lobwirdig.
Mieder, Lehmann. Flor.
136, 10
(
Lübeck
1639
):
Etliche wissen nichts an sich / das adelich vnd rhuͤmlich / als daß sie die Toden ruͤmen / von denen sie herkommen.
Luther, WA /19 (
1521
):
das wollen wyr vill mehr ruͤmen, reden und sagen von dem Euangelio Christi, [...], biß das wyr beyder seytten gleych mit rhuͤmen und schreyen still stehen mussen.
Ebd. (
1527
):
das nicht so grosse kunst sey, allegorien und deutunge geben, wie sie rhuͤmen und wundern.
Ebd. (
1528
):
die jhre orden und geistlichen stand so rhuͤmen und ausschreien als stende und werck der volkomenheit.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
643, 4275
(
Magdeb.
1608
):
Grosse / tapffer / ruͤhmliche thaten / | Allzeit grosse gefahr bey sich hatten.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dar umb rom ich sein [Nithartz] kunst und witz.
Dietrich. Summaria
23v, 6
(
Nürnb.
1578
):
was fuͤr Gottesdienst soll gerhuͤmet vnd gehalten werden / das soll vnnd muß geschehen nach Gottes wort vnd seinem befelch.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Wer besser het den narren triben, | Dem sol der Luther sein dochter geben, | [...] | Vnd sol in riemen vor andern doren, | Die ietzund sein vnd yemer woren.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 548, 7
(
Hagenau
1534
):
In den alten geschichten der Deutschen wirt hoch geruͤmet / daß die muttigen Helden on stegreyff [...] in den sattel gesprungen haben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ruͤmer / Der jm ein ding laßt gefallen. Comprobator.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
458, 24
;
Peil, a. a. O.
226, 5614
;
566, 1874
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
16, 5
;
Ralegh. America ;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
15, 92
;
Stambaugh, Friederich. Saufft.
35, 6
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Vgl. ferner s. v.
1
3, (
das
) 7, (
der
) 2.
3.
›sich (e. S., mit e. S.) rühmen, brüsten, (mit etw.) prahlen, sich etw. anmaßen‹; auch: ›sich / etw. wichtig, beliebt machen‹; ›sich (in anmaßender Weise) für jn. / etw. ausgeben‹; aus Sicht der Sprecher meist negativ bewertet; in Texten religiösen Inhalts auch paradox mit positiver Nuancierung verwendet (z. B.
sich der schwachheit rümen
).
Gegensätze:
, 1.
Syntagmen:
sich (selbst) r., sich (nicht) r., sich e. S
. (z. B.
des christlichen namens / morgigen tages, der bosheit / demütigkeit / fromkeit / schwachheit, einer fremden sprache, einer sache ane schuld, des adels / evangeliums / selsorgerampts, grosser dinge / prophetischer gesichte / herlicher taten
)
r., sich e. S. bei dem wein r., sich in herschung, von vielen sachen / tausend künsten, vor jm r., j. / etw
. (Subj.)
sich jn. / etw
. (z. B.
j. sich einen heiligen, j
. [Pl.]
sich christen, die römische kirche sich eine mutter aller kirchen
)
r
. (doppelter Akk.),
sich r., das [...]
, [+ AcI], [+ Hauptsatz (indirekte Rede)],
etw. für
›vor‹
got, der welt, von concilien / menschen r
.;
j. von vielen sachen r
.
Wortbildungen:
˹
rümer
2 (dazu bdv.: , ),
rümseler
,
rumser
˺ ›Prahler, Aufschneider‹,
rümselerin
(a. 1587),
˹
rümerei
,
rümung
(dazu bdv.: )˺ ›Prahlerei‹,
˹
rümig
,
rümisch
(dazu bdv.: , 1, 1, , Adj., 1, , ),
rümlich
2˺ ›hochmütig, prahlerisch‹,
rümseln
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
[Swantopolc] lîz ob al daz velt | slain ûf vil gezelt | in rûmlîchir hôchvart.
Luther, WA (
1524
):
Was prangen und rhumen wir denn von menschen und unsern Concilien?
Ebd. (
1544
):
das er hie nichts fur Gott oder der Welt kan rhuͤmen noch stoltzieren.
Das wil ich gesagt haben widder die halstarrigen rhuͤmer, die jmer plaudern: Die kirche, Die kirche [...].
Ebd. (
1545
):
ob nicht die Roͤmische Kirche, das ist, die Bepstliche, Hellische grund suppe billich sich rhuͤme Eine mutter aller Kirchen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
41, 28
(
Magdeb.
1608
):
ob gleich Reinick Fuchs sich von tausent Kuͤnsten ruͤhmete.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
7, 9
(
Frankf./M.
1568
):
MAn findet / meines erachtens / viel / auch wol bey denen die sich Christen rhuͤmen / Gottlose Menschen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
18, 24
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
lachten wir [tot] und waren des für dich [clager] rümig, do du zu Paris auf dem gelückes rade saßest.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Es stet eym weisen man | Sulch rumerei gar ubell an.
Bell, G. Hager
15, 2, 43
(
nobd.
,
1593
):
so ich mich sol roͤmen [...] | roͤm ich mich meiner schwach heit gar.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
167
(
Nürnb.
1517
):
[warhafte gesicht] weren [...] allein zu nutz der kirchen und gar nit zu rümung eigner gerechtikeit zu eröfnen
(›öffentlich bekannt zu machen‹).
Franck, Klagbr.
227, 24
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
wir haben vernomen / das sich etlich rhuͤmen / das einer mer dann zu hundert weiber sey eingangen mit jn zu vermischen.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Wie hat er dich so groß auffplasen, | [...] | Stoltz, üppich, aygensinnig und prechtig, | Rümisch, gewdisch, samb seist du mechtig!
Ebd. (
1564
):
Rhüm dich nit deß morgigen tag; | Wann was sich noch begeben mag | Für unglück, weist du nit gwißlich.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ruͤmseler / Der sich grosser dingen ruͤmpt vnd außthuͦt.
Ruͤmßlen / Sich ruͦmwirdiger sachẽ außthuͦn.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ist laider hert und chlagewær | Daz manich valscher rumær, | Von rainen vrawen chlaffet.
Klein, Oswald
43, 58
(
oobd.
,
1408
):
Wer freulin schendet ane sach | und sich ir an schulde rümet, | derselb verphendet ungemach, | sein lob wirt im enthümet.
Moscouia
B 2v, 38
(
Wien
1557
):
Dise drey bruͤeder ruͦembten sich jren vrsprung von Rom zu haben.
Wackernell, H. v. Montfort (
soobd.
,
A. 15. Jh.
):
Die minner die da ruomser sind, | die sind in gsehenden ogen blind.
Peil, a. a. O.
138, 2955
;
Quint, Eckharts Trakt. ;
Beckers, Bauernpr.
61, 36
;
Böhme, Morg.R.
15, 31
;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. ;
M. Cunitia. Ur. Prop. ;
Henschel u. a., Heidin
871
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
7, 15
;
Franck, Decl.
338, 24
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
249, 2
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Vgl. ferner s. v. 11, 3, 1, (
der
) 3.
4.
›sich / etw. behaupten‹; hier anschließbar: ›jm. etw. versprechen‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (V.) 1, 2; 3,
2
2, 3, 3.

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
was hab ich der Propheten ynn diesen kurtzen jaren erlidden, die mich schlecht mit schweren und rhuͤmen haben wollen uber reden.
Hierumb ists eytel jrrsal und finsterniß alles, was sie leren und ruͤmen.
Noch mussen wir hie des uns unterstehen und rhuͤmen, das wir nicht mit einem grossen gewaltigen Konig auf erden, sondern mit dem Hellischen Keiser uns schlahen.
Ebd. (
1535
):
das man widder den tod und helle rhuͤmen und trotzen sol.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
68, 773
(
Magdeb.
1608
):
Da ruͤhmt man jhn ein hand voll ehr / | Ein wenig geld vnd anders mehr.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1378
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
rume yn fast dissen win, | so sal der krieg gesunet sin!
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1466
):
[der seckelmeyster] ermant in: das er siner seel welt rumen und anzeygen, wer die weren, so im solichs befolhen hetten.
Schmitt, Ordo rerum
688, 3
;