1
rüge,
die
;
-Ø/-n, -Ø
.
1.
›Anzeige eines Vergehens bei der Obrigkeit oder bei Gericht‹; ›Anklage einer Person vor einem Gericht‹; auch: ›Verhandlung, Verhandlungstag‹; metonymisch: ›gerichtlich anzuzeigendes Vergehen‹;
zu
1
2.
Überwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 2, 2, 2.
Wortbildungen:
rügat
›Gerichtsbezirk bzw. dessen Unterabteilung‹.

Belegblock:

Krebs, Prot. Spey. Domkap.
1, 2659, 1
(
rhfrk.
,
1509
):
Uf angesatzten tag der vogts hern [...] die ruge betreffend sollen sie uß inen hinauß deputiren.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
zwen des rats nemmen die ruge ein.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
75, 21
(
nobd.
,
1523
):
alle zentflichtige dorfer sind schuldig, die vier ruge an die zent zu brengen, das sind nemlich ein diep am seyl, ein lygend mord, ein nachtbrand und ein nothzucht.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
Auff heut so wird eben die rug, | Da alle bawren zsammen kommen, | Da sol er werden fürgenommen.
Ir bawrn, heut ist rug , wist ir wol, | Daß einr den andern rügen sol | Umb ehbruch oder hurerey.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1508
, Hs.
1589
):
meinem genadigem herren [...] vorbehalten, ob in dieser ruegen icht ausgelassen.
Ebd. (
1526
):
Vermerkt die ruegatt die ain richter [...] reiten, besitzen und den pauern den eid vorhalten soll.
2.
›von einem Gericht verhängte Bußzahlung, Strafzahlung‹.
Wortbildungen:
rüggeld
›Bußzahlung‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1503
):
nun kemen [...] die von Lobenfelt vorab und begerten, das [...] das halb teil der ruge dem closter und das ander halb teil den von Lobenfelt werden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
so ain vieh ainem schaden tut, [...], so ist die rug achthalben pfenning.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
93, 22
(
nobd.
,
1579
):
bede schulthessen haben an dem rueg- und claggelt den zehenden pfennig am dorfgericht, ieglichem halb.