rüde,
der
;
-n/-n
.
1.
›großer, starker Hund‹; ›großer Jagdhund; Hütehund; Wachhund‹; vereinzelt bildlich: ›Teufel; Höllenhund; Antichrist‹.
Phraseme:
weder hund noch rüde sein
›weder (eindeutig) das eine noch das andere sein‹.
Bedeutungsverwandte:
, 1, ; vgl. , .
Syntagmen
(die) rüden anlegen / bewaren, auf die schafe hetzen, (frei) laufen lassen, jm. pfänden
;
die rüden
(Subj.)
kommen, aneinander beissen, ein tier erlaufen
;
etw
. (Subj.)
ein r. heissen
;
j. des rüden beiten
;
dem rüden einen schlag geben, j. sich den rüden gleichen
;
jn. mit den rüden beschützen
;
die rüden des teufels
›Höllenhunde‹;
der r. mit einem silbernen halsband, mit silbernen klauen
;
der grosse / hämische / hellische / küne / schwarze / standhaftige / tobende r
.;
häupter gleich den rüden
.
Wortbildungen:
rüdenband
›Hundehalsband‹ (dazu bdv.: , ; vgl.
1
4),
rüdenhund
,
rüdenschuld
(dazu phras.:
rüdenschuld suchen
›einen Sündenbock suchen‹),
rüdisch
›derb, grob, rau‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Min volc, die ungetruwen juden, | hatzt ich uf in, als da man ruden | uf otmutige schaf hetzet.
Luther, WA (
1532
):
Also gilt es recht unterscheidens, nicht wie der Pabst, der wedder hund noch ruͤd, wedder Furst noch bisschoff ist.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 139, 5
(
hess.
,
1531
):
dwiel man mit der warheit nit konne an uns komen, suche man rüddenschult, da man von sagt, wen man den hund henken wil, so hat er leder gessen.
Gerhard, Hist. alde e
2423
(
omd.
,
um 1340
):
Und des hemischen ruden [Endecrist] | Beiten di tummen Juden | Und gelouben [...] | Daz er io si Messias
(zur Identifikation des jüdischen Pseudomessias mit dem Antichristen vgl.
LThK
1, 636).
Küther, UB Frauensee
385, 28
(
thür.
,
1528
):
als Meylant [...] dem scheffer zcum Sehe zwene ruden gepfanndt, hatt mich amptmann Schrautennbach [...] anngeret unnd dem scheffer die hunde widdertzugebenn begert.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
58, 8
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
sy
[die Einwohner der Insel
Angwertam
]
han houbte czu mole glich den rodin, ougin unde czene czumole glich den hundin.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Heiden, keczer, turken und auch die juden, | Die in der helle suden | Dort pey des teufels rüden.
Voc. Teut.-Lat.
bb iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Rudepandt hundeßhalspandt odʼ windpandt.
Thiele, Minner. II,
13, 5
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
mit jagen, birsenn, schyssen | wirt manig edel thier so gar entricht | das es die ruden dick und offt erlauffen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Rüdenhund (der) Rüd. Molossus.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Molosus haizt ain rüd. daz ist ain grôzer hunt, sam man si gar grôz vint in Lamparten.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
da sy gestarb und erst verschyed, da komen zwen grosz rẅden und pissen an ain ander vor dem haws.
Wackernell, H. v. Montfort (
soobd.
,
A. 15. Jh.
):
Nit bis rüdisch, hab cluogen sin, | huet dich vor argem truren, | daran so hast du guoten gwin.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1163
;
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Mayer, a. a. O. ;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Gereke, Seifrits Alex.
4356
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 181
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Ranke, Umgangsspr.
1951, 185
.
2.
als abwertende Bezeichnung für Personen, im Einzelnen z. B.: ›armseliger, unwissender Mensch‹; ›hinterhältiger, falscher, bösartiger Mensch‹; mehrfach von den
juden
gesagt; anschließbar an 1.
Wortbildungen:
rüdin
›Hündin‹ (im Beleg als Schimpfwort für die Hl. Jungfrau gebraucht).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
ich meine die ungetruwen ruden, | die got schulden, die juden, | und noch hute schelden.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1981
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
welchem wibe untat was mite, | di steinten zu hant di roden, | ich meine di bosen joden.
UB Zug
338, 6
(
halem.
,
1401
):
dz ich geredt hab, únsre Frǒw von himelrich [...] si ein rúdinne.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
welher mensch auf ertreich der flammen ain tail begreift und sich dik dar inne üebt, dem wirt ze stunden sô wol [...] daz ez enzukt wirt in ain sô zart süezen, daz ich rüd dir daz niht gesagen kan.