rücke,
rücken,
1
ruk,
der
;
-n/–
.
1.
›hintere (Brust und Bauch gegenüberliegende) Seite des Rumpfes beim Menschen‹; auch: ›Bereich bzw. Teilbereich der Körperrückseite vom Nacken bis oberhalb des Gesäßes‹, z. B. ›Schulter‹; ›obere Rumpfseite eines vierbeinigen Tieres‹; speziell auch: ›(zum menschlichen Verzehr bestimmtes) Rückenstück‹.
Phraseme:
jn
. (eine Frau)
auf den rücken legen
›mit jm. den Geschlechtsakt vollziehen‹;
j. sein gesicht am rücken stehen haben
›unaufmerksam sein, in die falsche Richtung sehen‹; ˹
auf dem rücken zur kirche gehen
;
j. sich auf dem rücken zum kirchhof tragen lassen
˺ ›sterben‹;
etw
. (im Beleg: die
sünde
)
auf seinen rücken legen
›die Verantwortung für etw. übernehmen; etw. auf sich nehmen‹;
einen eisernen rücken haben
›halsstarrig, uneinsichtig sein‹ (in der antijudaistischen Polemik von den Juden gesagt);
sein eigenes kreuz auf dem rücken tragen
›das von Gott zugedachte Leben (insbesondere: Leid, Beschwernisse) ertragen und willig annehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
1; vgl. (
der
) 2, 1.
Syntagmen:
einen r
. [von einem Fisch]
geben, einen krummen r. haben, den r. bestreichen
, [wohin]
keren, mit ruten verhauen, jm. den r. schmieren / zerbleuen, den r
. [des Schweins]
auf die wage legen, die läme
(Subj.)
einen krummen r. machen
;
der r
. (Subj.)
krank sein, jn. beissen
›jucken‹,
jm. krachen / wetun, seinen anfang an dem hals haben
;
j. / etw
. (z. B.
eine eule
)
an
›auf‹
den r. fallen, etw
. (Subj., z. B.
die köcher, die kröten / nattern
)
an js. r. hängen, j. sich an den r. legen, sich auf dem r. kratzen, j. auf dem r. etw
. (z. B.
sein eigenes kreuz
)
tragen, jm. ein horn
(Subj.)
auf dem r. wachsen, etw
. (Subj.)
auf dem r. hinunterhängen, j. jn. auf den r. schlagen / werfen, jm. auf den r. treten, etw. auf den r. binden / geben / legen, jn. auf den r. laden, pfeile durch den r. schiessen, die hände hinter den r. binden, j. den beis
›Juckreiz‹
im r. befinden, jm. ein beil in den r. werfen, dem pferd etw. ob dem r. zusammenbinden, etw
. (Subj.)
über den r. dunkelrot sein, das pferd
(Subj.)
jn. über den r. abwerfen
;
der r. aus dem lachs
;
der breite / krumme r
.;
der siechtag des rücken
;
streiche auf js. r
.
Wortbildungen:
˹
rückenbein
,
rükbein
,
rükknoche
,
rüksdorn
,
rükstrang
,
rükweiche
˺ ›Wirbelsäule‹; auch: ›(einzelner) Rückenwirbel‹,
rückenknopf
›Steißbein‹ (a. 1474),
˹
rückenschwerde
,
rückenwe
˺ ›Rückenschmerz‹,
rückenstük
›Fleischstück aus dem Rücken eines Schlachttieres‹,
rükbret
›Rückenlehne‹,
rükdecke
›Pferdedecke‹,
rükfuder
›Menge, die j. auf einmal auf dem Rücken tragen kann‹,
rükgelenk
›Rückenwirbel‹,
rükknorre
›Rückenhöcker (des Kamels)‹,
rükkorb
›auf dem Rücken zu tragender Transportkorb‹,
rükmardern
›aus dem Rückenfell eines Marders gefertigt‹,
˹
rukmark
,
rückenmark
˺ ›Rückenmark‹,
rükmeissel
›unterer Teil der Wirbelsäule; Kreuzbein‹.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
39, 31
(
preuß.
,
1447
):
[Fleyschsoller:] 2 rinder im zalcze, item 34 spisse rintfleisch, item 5 spisse roͤckestuͤcke.
Luther, WA (
1522
):
[die Caynschen heyligen] werden eben hyndurchgehen
[durch
die enge pfortt
]
wie das Camellthier mitt seynem grossen ruckknorren durch das nadellohr gehen mag.
wer do wil kommen zu Christo, der muß im nach folgen unnd sein eygen Creutz tragen auff seinem rucken.
die schrifft saget von den Juden, das sy halßsterrig sind und eisserne rucken haben, das sie sich vor Gott nicht künden naigen.
Ebd. (
1538
):
[
der alte sack
›der sterbliche Körper‹]
sols auch nicht [...] fulen, Sondern sich auff dem rucken zum kyrchhoff tragen und unter die erden scharren lassen.
Ebd. (
1544
):
[unser lieber Herr Christus] nimbt unsere sünde von uns und legts auff seinen rucken und leydet den tod.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
536, 934
(
Magdeb.
1608
):
Aber das Manthier schos mit eil / | Jhm durch den Ruͤcken etlich Pfeil.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Swenne der igel pruofte, wâ sich der wint hine kêrte, dâ bôzte er sîne hût und kêrte sînen rücken dâ hine.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
den montag war sei auch unpesslich und clagden iren ruckstrank und ir heubt.
J. W. von Cube. Hortus
91, 36
(
Mainz
1485
):
kurbiß wasser mit rosen oͤle vermenget vnd dar mit geschmiert die lenden vñ den ruckmeyssel ist fast guͦt wider die hitz des febres.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
45, 20
(
Frankf./M.
1550
):
Wie nun der Frosch jhr nicht hat acht / | Behendt die mauß herfuͤr sich macht / | Vnd gab dem Frosch eins auff den ruͤck.
Gerhard, Hist. alde e
611
(
omd.
,
um 1340
):
Agar er [Abraham] uf iren rucke | Legete daz gelucke, | Ir kint damite, Hismahel.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wer grunen lachs feyle hat, der muss geben einen rucke uss einem lachsse in der fasten.
Logau. Gott
156, 9
(
Breslau
1644
):
Wir haben bißher bey viel langen Jahren | Auff vnserm Ruͤcken deine Streich erfahren.
Keil, Peter v. Ulm
239
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Tut einem menschen der stein also we daz er nicht genetzen mag, so lege er sich ein weil an den ruck.
Gille u. a., M. Beheim
279, 67
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Croten, natern und slangen | und sust unrainer wurm sach ich genug | an irem rüken hangen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
18, 9
(
nobd.
,
1470
):
ein ruckfuder, das ist so vil und einer ein male auf seinem rucke getragen mag.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
im sall unten zwischen den ersten 2 seullen am hineingen 3 penck mit ruckpretteren.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
185, 32
(
Nürnb.
1548
):
Christus ist auch vnser schuldentrager / denn er hat all vnser suͤnde getragen auff seinem rucken.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
[der keyser] truͦg selber uf sime halse 12 rückörbe mit erden derus, do men daz pfuntgemünte
[›Fundament‹ für
sant Peters kirche
in Rom]
solte machen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 123, 22
(
Hagenau
1534
):
Im ruckknochen hangen die senaddern / dadurch des menschen bewegen unnd fuelen bekrefftiget werden.
Ebd.
403, 13
:
Auff dem rucke zu kirchen gehen / ist sterben / Denn die todten tregt man also zum begrebnuß.
Roloff, Brant. Tsp.
196
(
Straßb.
1554
):
Wo hast dein augen hin gethan | Dein gesicht hastu am rucken stan.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
wer ist, der gesehen hätte einem ein Horn auff dem rucken wachsen?
Ott-Voigtländer, Rezeptar
209v, 9
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der den ruggen swerden haͮt, der nem salcz / vnd neptun [...].
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
do gabent sú im ain crútz uff sinen ruggen, und truͦg es an die statt da er gemartrot wart.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
etwan ist es [lemi] in den arsbacken und schlossen und macht ein krumen rücken.
Ebd. (
1529
):
was aus der unkeuschheit entspringt, solch cambucca, saniei unctus, ruckenwe, lendenwe, achselwe, kniewe, ist alles anfang der franzosen.
Bremer, Voc. opt.
1207
(
halem.
,
1328
/
30
):
Nucha rugmarg [...] rukkenmarkch.
Ebd.
1214
(
schwäb.
,
M. 15. Jh.
):
Dorsispina [...] rugbain.
Ebd.
1215
:
Spondile [...] rukenbain [...] rugwaich.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
84v, 7
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ze dem siechtagen des ruggen, der húff vnd der spatulen mach ein salb.
Ruckdecke [...]. So man den Pferdt auffdecket. [...]. Ruͤck gelenck [...]. Vertebra.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1478
):
ain ruckmarderine hauben mit zwayen grossen berline knopffen hatt er auff.
Müller, Stadtr. Ravensb.
171, 10
(
oschwäb.
,
1388
):
daz si von ainem swin nichtz uf die waug legen sond denn die schultern, den bachen und den ruggen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
an der stat, dâ diu runstâdern gesellet werdent des rucksdorn, dâ er sich veraint mit dem haupt, sein zwainzig würm.
wenn si [die äuln] der mensch oder ander vogel laidigen wellent, sô vellt si an den ruck und wert sich mit dem snabel und mit den füezen.
Deinhardt, Ross Artzney
234
(
oobd.
,
1598
):
nimb baumwinden, bindts dem pferdt vmb den bauch vnnd ob dem ruggen zusamen als lanng, biß es stallet.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
796
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 grataschena, damit sich die Türcken auff dem rugken kratzen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1310
/
2
):
Swaz aver der man auf seinem rugke traet, dez sol er nicht zollen.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
das [pfärd] stund vor auf und warf yn über rück ab yn das wasser.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
er sol ıͤr smıͤren di lende, | das si sich ninndert muͤg gewenden; | er sol ıͤr smıͤren den rukken, | das si sich nindert muͤg gepukchen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1515
):
[der ambtman] sol im [den gefangen] die hend mit ainem rockhalm hinter den rugk pindten.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
ob er in
[der Bestohlene den Dieb]
genötten mag, sol er im die deuf
[›Diebesgut‹]
auf den ruk pinten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
117, 32
(
tir.
,
1464
):
Es leit gar ein grosse swëre purden auf vns, vnd mein rukgen der ist vil zue chrankch.
Mollay, Ofner Stadtr.
155, 5
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
dÿ [fragnerin] sol den bagstain tragen v̈ber ir achsel auf dem rugk von dem Rathaus hin vmb für sand Iorgen kirchen.
Peil, a. a. O.
611, 3327
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
125, 19
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
392, 28
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Gilman, a. a. O.
124, 8
;
Roloff, a. a. O.
491
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
212r, 16
;
Wyss, Luz. Ostersp.
9349
;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Bauer u. a., a. a. O.
143
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
254
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
75b, 29
;
Vgl. ferner s. v. 4,
1
, 3, (V., unr. abl.) 9.
2.
›hintere, rückwärtige (selten: obere) Seite einer Person oder Sache‹; ›etw., das sich (schützend) hinter jm. befindet‹; eng anschließbar an 1 mit Tendenz zur Verallgemeinerung und zum bildlichen und phrasematischen Gebrauch.
Phraseme:
jm. den rücken geben / keren
1 ›vor jm. fliehen‹;
jm. / e. S. den rücken geben / keren
2 ›sich von jm. / e. S. abwenden‹;
etw. auf den rücken setzen / werfen
›etw. verdrängen, nicht sehen wollen, ignorieren‹;
etw. zu rücken stossen
›etw. von sich weisen, hinter sich lassen‹;
etw. zu rücken werfen
›etw. vernachlässigen, hintansetzen‹ (auch: ›etw. verwerfen‹);
etw. zu einem rücken haben
›etw. (als Schutz) hinter sich haben‹ (offen zu 3);
ein ungemach / unglük das andere auf dem rücken bringen
›auf ein Unglück folgt das nächste‹ (sprichwörtlich).
Wortbildungen:
˹
rücker
,
rükwändig
(a. 1539)˺ ›hinter‹,
rüklich
›rücklings, auf der Rückseite‹,
rüklings
›von hinten, hinterrücks‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
837, 15
(
Lübeck
1639
):
Ein Vngemach vnd Vngluͤck bringt das ander auffm Ruͤcken.
wer es [ein liecht] hynder sich lessit und gibt yhm den rucken, der wirt gantz mit finsterniß bedeckt.
Ebd. (
1532
):
das wir so heillose leute sind, das wir jmer ehe einen splitter jnn des nehesten auge sehen denn den balcken jnn unserm auge und unser sunde auff den rucken werffen.
Ebd. (
1534
):
Das ist auch seer ein gemein laster, das da heisst dem nehesten sein ehre und leumund abschneiden, es geschehe hinderwerts im ruͤcken oder unter augen.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
236v, 18
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
Dÿ kalten druße sind als dy kneuffle / vnd waschen gerenn ander stïren vnd / auf dem rucke der hende vnd der fuße.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
[er] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
doch zom lesten gaven die wever den ruck ind vluwen ind die heren behielten dat velt.
Pyritz, Minneburg
3337
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
In sulhem leide verwiret, | Ich bin her geleysiret | Uber hoher felse rucke.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
Darumb geen wir an die history und werfen zu rucken alle fabel oder sagmer.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
er muͦsse och entgeistet sin und alle vision ze ruggen stossen, und sich zuͦ der inlúhtenden warheit allein keren.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
wel guͦt mensch sich zuͦ dem woren gerechten gebette keren wil [...], der sol den rúggen haben gekert allen zitlichen und usserlichen dingen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 263, 30
(
Hagenau
1534
):
Was geld betrifft / muͦß man keynen gewissen machen / das heyßt meyne ich / die sele auff den ricken gesetzt / biß man reich wirt.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. 1, Funk.
301
(
Bern
1551
):
Es tratzt mich einer diser orten | [...] | hats triben lang, laßt nit davon, | ich
[Athene]
müst ir
[Venus]
rückers angsicht stan
(wohl ›aus ihrem Blickfeld verschwinden‹).
Ruͤcklings / hinderruͤcks / von hinten hero [...]. Ruͤcklings einen schlagen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1534
):
wie in der zeit diser zwispaltung offt geschechen ist, etwas neus gesuͦcht, auffgepracht und das vorig zuͦ rugken geworfen wurde.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
722
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 ander türckisch dolch [...], krum an der schneid, mit starckem rugken.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
wenn er dann vor dem altar sich tyeff und diemüttikleich chnyend nyder naigt, als offt erhuͦb sich die selbe weisse taub ab dem chreücz, [...] auff sein schaiteln zefliegen und do selbs rückleich zesiczen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
do gaben sy [die haiden] sich zu schneller flucht, kerten den cristen den rugken.
Vgl. ferner s. v. 8, 1.
3.
adverbial in festen Fügungen; im Einzelnen:
unter rük
›von der Rückseite‹;
zu rück(en) / rüks
›hinter jm. / e. S. / sich; auf der Rückseite‹; dies auch ütr.: ›hinterrücks, hinterhältig‹; vereinzelt auch
im / vom rücken
›hinterrücks‹; eng anschließbar an 2.
Wortbildungen:
rüks
›zurück‹ (a. 1487).

Belegblock:

Chron. Köln (
Köln
1499
):
as he in die kamer treden sulde in goiden truwen, so stiessen si in vam rucke in die kamer dae der hungerich leuwe was.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
Zu urkund mit unserm zu ruck uffgetrucktem secret versecretirt und geben.
Goedeke u. a., Liederb. (
Nürnb.
1540
):
der richt in aus | nur nach der paus, | redt im nichts guts zu rucken.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Eroͤffnen al sein boͤsen dück, | Heimlich verborgen vnd zuͦ rück, | Vnd achtens für kein schelmen stück.
Lemmer, Brant. Narrensch.
101, 6
(
Basel
1494
):
Man halt nit für eyn redlich man | Wer eynen will zuͦ ruck an gan | Vnd schlagen ee dann ers jm sag | So er sich nit gewoͤren mag.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
wern der Hussen zwir mal hundert tausent ze rugg an in gewesen, die flucht möcht nit größer sein gewesen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die drei obristen [...] mit [...] ainer guten anzal kriegsvolk [...] griffen die feind zu rugks mit grossem geschrai an.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Damit aber ime [herzog Dieth] hinden under ruck die Römer nit zue möchten [...], da besetzt er stark die gegent zwischen der Traun, Inn und Salza.
4.
›Rückhalt, Schutz; Beistand, Unterstützung‹ (sowohl sachlicher wie persönlicher Art).
Phraseme:
jm. (den) rücken halten
›jm. beistehen, jn. unterstützen, zu jm. halten‹.
Bedeutungsverwandte:
1
1, , 8; vgl. 1, , 2, 1, (
das
) 3, 4.
Syntagmen
(k)einen r. finden / haben / suchen, j. sich einen r. machen
;
ein anderer / starker r
.
Wortbildungen:
rükhalt
›Unterstützung, Beistand‹ (dazu bdv.: 1; 3; 4),
rükhalter
›Beschützer; Unterstützer‹ (dazu bdv.: 1),
rükhalterin
›Unterstützerin, Fürsprecherin‹ (auf die Heilige Jungfrau bezogen),
rükhaltung
(dazu bdv.: 3,
1
1),
rükleinen
›jn. unterstützen, begünstigen‹ (dazu bdv.: 4).

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 226, 31
(
preuß.
,
1450
):
vort sprach her
[ein päpstlicher Legat]
widder den hern homeister [...], en offembar beschuldigende, das seyne groszmechtigkeith die gedachten lande und stete in irem frebel [...] handthabette und ruckeleynette.
Luther, WA (
1522
):
den [tzinßkauff] der Bapst tzum ruckhallter und patron des geytzis eyngesetzt hatt.
das mir noch nie kein solch hertzen leid von allen meinen feinden widerfaren ist als von euch meinen freunden, bey denen ich doch ein ruͤckhalt und trost [...] solt gehabt haben.
Ebd. (
1544
):
was solt aus Nazaret oder Bethlehem guts komen, do Herodes da saß und die Romer ihm den Rucken hieltten?
[Jch] Ruͤffet derhalb die Junckfraw Maria an, das sie mir beystehen unnd gegen solchem Richter mein ruͤckhalterin wolte sein.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Liebs kind, pfleg wol mit mund und hand | Deines vatters in seinem alter, | Und sey getrewlich sein rückhalter!
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 68, 10
(
Straßb.
1520
):
Aber das find ich / das cristus kein solichen rucken an weltlicher herschaft gesuͦcht hat.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Jch find kein weißheit oder rat, | Waruff sich der boͤßwicht verlat, | Oder für ein rucken hat, | Das er so ruch entgegen gat.
Dierauer, Chron. Zürich
141, 13
(
halem.
,
1415
/
20
):
[die von Glarus] zugen von der letz hinuf in das Gand under den berg und taten das darumb, das si den berg zuͦ einem rugken hettin und man si nit moͤcht allenthalben umbziechen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 424, 4
(
halem.
,
E. 15. Jh.
):
das(s) sy gros hilff, uffwysen und warnung von ettlichen, ouch ruggen ghept hand.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 309, 18
(
halem.
,
1508
/
16
):
Daruf si sich vereintend, an die Eidgenossen zuͦ werben, ruggen und schirm zuͦ suchen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
97, 16
(
halem.
,
1534
/
5
):
damit zoch er
[Karlstadt]
gen Zürch [...] zum Zwinglj / vermeint da bystand und ruggen zuͦ finden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
daß ir tiranische grimigkait und wietlich regement durch mein schutz, handthabung und rückhaltung regieren und herschen wurden.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ain tail fürsten namen sich [...] des ainen bischofs an, der pfalzgraf bei Rein, curfürst, herzog Friderich, helt dem ander bischof rucken.
Opel, Spittendorf ;
Kurz, a. a. O. ;
Luginbühl, a. a. O.
253, 17
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
5.
›rückwärtiger Teil eines Harnischs, einer Rüstung, den Rücken schützender Körperpanzer‹.
Bedeutungsverwandte:
1, , .
Gegensätze:
4, .
Syntagmen:
j. mit einem r. bewert / gewapnet / versehen sein, mit einem r. gewapnet vor die haustür gehen
;
ein ganzer / halber r
.
Wortbildungen:
rükblat
,
rükblech
,
rükharnisch
,
rükkrebs
,
rükstük
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
113, 21
(
preuß.
,
1518
):
Harnischs unnd geschos: 11 ruckharnischs, 11 krebis, 9 hirnhawben.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 3, 8
(
hess.
,
um 1450
):
sal durch das wort gantzen harnesch verstanden werden ein isenhut, ein koller, ein gantzer rucke und krebs, armegewandt, [...].
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
gegen Gott vnd das vngluͤck | Hilfft kein Pantzer, Krebs, noch Ruͤckstuͤck.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Humerale Ruͤckblech.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
[ein mechtiger amiroll] brăcht wol inn siner gselschafft fŭnfzechen tussend Tŭrcken, mit hälffinnen ruggen gewapnet.
Ruckblat / n. Das stuͤck Harnisch / so auff denn rucken gehoͤrt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
[ain burger zu Überlingen] gieng den ersten tag Marcii gewapnet in ruck und kreps mit ainer hellenparten für sein hausthür.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 88, 27
(
m/soobd.
,
1445
):
sollen stet und merckkt mit ainer ubermass irer aufgelegten rustigung mit harnisch und gewere, nemlichen ruekkhrebs, armschin [...] versehen sein.
Ebd.
89, 10
:
Der prelatten, stet, merckkten fuessvolck sollen alwege mit guetem vordertail, ruekken, spissen, hellebarten und puxen versehen sein.
Ziesemer, a. a. O.
110, 15
;
120, 38
;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Roder, Hugs Vill. Chron. ;
6.
›Bergrücken, Bergkamm‹; als Ütr. anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
3.

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Der Grat oder rugk eines bergs. Dorsum.